Im Herbst gibt’s wieder das „Sehenswert”

Ein Festival deutschsprachiger Filme in Budapest 

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Sehenswert – so heißt das Festival, das dieses Jahr zum zweiten Mal in Budapest veranstaltet wird. Gefördert wird die Veranstaltungsreihe von der Schweizerischen Botschaft, dem Österreichischen Kulturforum und dem Goethe Institut Budapest. Aufgeführt werden die neuesten Filme aus der Schweiz, Österreich und Deutschland. Die Zuschauerinnen und Zuschauer können aus insgesamt 24 Filmen wählen. Das Programm bietet für alle Altersklassen Sehenswertes und die Liebhaber unterschiedlichster Genres werden etwas nach ihrem Geschmack darunter finden.  Während der Festivalwoche (vom 26. September bis 3. Oktober) werden Abenteuer- wie Dokumentarfilme oder aber auch Kinderfilme gezeigt. Ferner bietet das Grimm-Jubiläum (der erste Band der Kinder- und Hausmärchen der Brüder Grimm erschien vor 200 Jahren) den Veranstaltern die Gelegenheit, auch drei neue Märchenverfilmungen zu präsentieren. Über die Grimm-Märchen hinaus können sich Kinder wie Erwachsene auch die Literaturverfilmung des Romans von Milo Dor Das Pferd auf dem Balkon anschauen.

Einen thematischen Schwerpunkt bilden die Filmbiographien bekannter Persönlichkeiten deutscher und österreichischer Geschichte. In den acht Tagen werden Filme über die Philosophin Hannah Arendt (Hannah Arendt), ein historischer Film über Alexander von Humboldt und Carl Friedrich Gauß (Die Vermessung der Welt) sowie ein Film über den Psychiater Wilhelm Reich (The strange Case of Wilhelm Reich) vorgeführt. Die Hauptfigur in letzterem spielt der Österreicher Klaus Maria Brandauer, den der ungarische Kinobesucher unter anderem aus der faszinierenden Film-Trilogie von István Szabó (Mephisto, Hanussen, Oberst Redl) kennen mag. Auf dem Festivalprogramm steht auch Ulrich Seidls Trilogie. Der österreichische Regisseur drehte drei bizarre Filme über drei Frauen und deren Sehnsüchte. Ulrich Seidl wird als Gast am 3. Oktober bei der Premiere von Paradies: Hoffnung dabei sein.

Die Schwäche des Festivals ist, dass es nur in Budapest veranstaltet wird. Diejenigen, die nicht aus Budapest kommen, werden nicht an dem Programm teilnehmen können, da die Filmaufführungen in der Regel auch noch zu verhältnismäßig später Stunde beginnen. Aber das Belvárosi Kino in Szeged bietet den Liebhabern deutschsprachiger Filme die Möglichkeit, einen Film aus dem Festivalprogramm „Sehenswert” vor Ort zu sehen. Ab 26. September läuft Oh boy (Regisseur: Jan Ole Gerster) in dem Kino im Herzen der Stadt. Der Film mit Tom Schilling in der Hauptrolle ist ein besonders interessantes Werk über einen jungen Mann und seine Stadt Berlin. Filme über Berlin haben eine lange Tradition in der deutschen Filmgeschichte. Es sei hier nur an Alfred Döblins verfilmten Roman Berlin Alexanderplatz, dessen Regisseur Rainer Werner Fassbinder war, erinnert. Der bekannteste Film über die Hauptstadt ist Der Himmel über Berlin von Wim Wenders.

Oh Boyoh boy

Oh boy ist der Eröffnungsfilm in Budapest, gleichzeitig vielleicht das bekannteste Werk für das ungarische Publikum und womöglich das stärkste Stück des Festivalprogramms. Der Name Jan Ole Gerster könnte einigen bekannt sein, er war nämlich der Assistent von Wolfgang Becker, dem Regisseur von Goodbye Lenin.

Der Film gewann viele deutsche und internationale Preise: Deutscher Filmpreis 2013, Bester Spielfilm in Gold, Beste Regie, Bestes Drehbuch, Bester männlicher Haupt- und Nebendarsteller, Beste Musik.

Der Titel beschwört einen Beatles Liedtext herauf[1], aber auch Jazzmusik wird in dem Film gespielt. („I read the news today oh, boy/About a lucky man who made the grade/And though the news was rather sad/ Well, I just had to laugh.”)

Es ist eine schwarzweiße Komödie über einen jungen Mann, der sich schlaflos auf den Weg macht. Das kann nur ein schwarzweißer Traum über einen Mann sein (in vielen Kritiken wird die Hauptfigur „Traumtänzer” genannt), der ziellos und sprachlos durch die schwarzweißen Straßen irrt. Man kann in Kritiken über diese doppelte Stimmung lesen: „Berlin ist ein schrecklich-schöner Traum, manchmal aber auch sehr lustig.”[2] Es wird lediglich ein Tag des Mannes dokumentiert, der praktisch als ein bloßer Beobachter des Lebens existiert. In seinem Leben spielt der Zufall eine große Rolle, der die Handlung leitet, weil die Figur nicht fähig ist, sein eigenes Leben in die Hand zu nehmen.Trotz allem sind wir Augenzeugen der Entwicklung eines jungen Mannes, weil am Ende des Filmes eine unerwartete Wendung eintritt. Aber das möchte ich nicht verraten, ihr müsst den Film anschauen!

Wer Lust und Zeit hätte, kann mit uns am 30. September um 18.15 Uhr im Belvárosi Kino den Film „Oh Boy” anschauen. Das Belvárosi Kino befindet sich auf dem Vaszy Viktor Platz, neben dem Nationaltheater. Nicht nur Germanistik-Studierende sind willkommen, sondern alle, die sich für den deutschprachigen Film interessieren!

Das Programm und weitere Informationen zum Filmfestival „Sehenswert” sind im Internet erreichbar:

http://www.goethe.de/ins/hu/prj/fil/deindex.htm?wt_sc=sehenswert

 /Zsófia Kovács/


[1] Kaspar Heinrich: Kaffeesatz und Kippenbecher, Der Tagesspiegel, Letztes Herunterladen: 23.09.2013

[2] Christian Mayer: Ganz ruhig, Mann, Süddeutsche Zeitung, Letztes Herunterladen: 23.09.2013