Mein Steckenpferd

Maja Kósa beendete ihr BA-Studium in Germanistik und Geschichte im Jahre 2013 an der Universität Szeged und studiert zur Zeit im Masterstudiengang Lehramt Geschichte und Deutsch. Während des BA-Studiums war sie auch Mitglied der Redaktionsgruppe GeMa im Jahre 2012 und schrieb mehrere Artikel wie zum Beispiel „Interview mit Mária Pallagi“ oder „Bulimie-Lernen“. Auch in einem anderen Bereich liefert sie große Leistung. Sie ist eine erfolgreiche Reiterin, die sich außer der Praxis auch auf dem Gebiet der Wissenschaft dieses Thema behandelt: Ihre TDK-Arbeit[1] handelte von der Reitkultur in der Österreich-Ungarischen Monarchie. GeMa fragte Maja nach ihrem Hobby und der Teilnahme an „Nemzeti Vágta“[2].

Wie bist du zum Reiten gekommen?

Während des Krieges in Jugoslawien wurde mein Vater im Frühjahr 1999 an die Front gerufen. Die Wirtschaft der Familie fiel meiner Mutter und meinem Bruder zu, der damals 13 Jahre alt war. Es war eine sehr schwierige Zeit für uns. Nachdem mein Vater aus dem Krieg nach Hause gekommen war, sah er zufrieden, dass alles in der Ordnung war und schenkt meinen Bruder ein Pferd. Es war unser erstes Pferd Donna, das wir vor 15 Jahren bekamen. Als ich älter wurde, bekam ich von meinen Eltern ein eigenes Pferd, Dolli. Zurzeit beschäftigen wir uns mit 15 Pferden.

Wann bzw. warum hast du angefangen, an Pferderennen teilzunehmen?

Seit drei Jahren beschäftige ich mich mit dem Reiten auf einem höheren Niveau. Mir hat die Stimmung des „Nemzeti Vágta” sehr gut gefallen, so habe ich mich entschieden, dass ich mich mit meinem Pferd Dolli bewerbe. Das erste „Vágta” wurde im Jahre 2013 in der Woiwodina veranstaltet, wo wir den zweiten Platz erzielt haben. Dadurch wurden wir für das Rennen in Budapest qualifiziert. Im Jahre 2014 sind wir auf dem dritten Platz gelandet, so konnte ich mit Dolli an „Nemzeti Vágta” teilnehmen.

Dolli és Maja

Wer ist dein Trainer? Wie findest du ihn?

Mein Vater ist mein Trainer. Er ist sehr streng und er erträgt  keine Widerrede, aber es lohnt sich auf ihn zu hören. Vati hat große Erfahrung mit Pferden und anderen Tieren, er beschäftigte sich ja seit seiner Kindheit intensiv mit ihnen.

Du hast eine schöne Leistung an „Nemzeti Vágta“ geliefert. Wie hast du dich auf dieses Ereignis vorbereitet?

Man muss viel üben und trainieren und viel Zeit mit seinem Pferd verbringen, um ein solches Ergebnis zu erreichen. Ich beschäftige mich seit sechs Jahren mit Dolli, so bildete sich ein großes Vertrauen zwischen uns heraus. Dolli ist ein Pferd mit sehr guten Fähigkeiten, sie mag rivalisieren und duldet es nicht, die zweite zu sein. Darüberhinaus ist Dolli sehr eigenwillig, sie erlaubt es nur wenigen Menschen, sie zu reiten. Ich habe wegen meines Studiums nur wenig Freizeit, aber ich beschäftige mich mit Dolli und unseren anderen Pferden jedes Wochenende.

Du verbringst dieses Semester in Deutschland in Regensburg mit Erasmus. Kannst du dort reiten? Wer pflegt in dieser Zeit dein Pferd Dolli? 

Leider habe ich noch nicht keinen Platz gefunden, wo ich reiten könnte. Dolli wird von meinem Vater betreut, so bin ich beruhigt, weil ich weiß, dass Dolli in guten Händen ist. Jeden Tag berichtet er mir, wie es Dolli geht.

Was sind deine Ziele für die Zukunft?

Viele Kinder kommen zu uns, um reiten zu lernen und ich versuche zu erreichen, dass es eine beliebte Sportart wird. Ja, ich habe gewisse Ziele für die Zukunft, aber ich möchte darüber nur dann sprechen, wenn sie mir auch gelungen sind. Das allerwichtigste ist, dass ich in der Nähe von Pferden sein kann und meine Kinder können diese wunderbaren Tiere und Lebensform liebgewinnen. Was meine Berufspläne betrifft: Ich möchte mein Lehramtstudium absolvieren, anschließend möchte ich mich noch weiter bilden. Ich interessiere mich für Politik, genauer für den Situation der Minderheiten und die damit verbundenen Fragen. Und ich möchte mindestens noch einmal an ,,Nemzeti Vágta“ teilnehmen können.

Danke für das Interview! Ich wünsche dir viel Erfolg!

/Dóra Matos/

Bildquellen:
Maja Kósa
Anm. d. Red.: Beide Artikel von Maja Kósa erschienen im GeMa-Heft 2013/1


[1] TDK ist die Abkürzung für „Tudományos Diákkör”, das auf Deutsch ungefähr soviel bedeutet wie „Wissenschaftlicher Studentenzirkel”.

[2] „Nemzeti Vágta” ist ein jährlich veranstaltetes Pferderennen auf dem Heldenplatz in Budapest,  an dem Reiterinnen und Reiter unterschiedlichste Regionen des Karpatenbeckens vertreten.

Ein schwäbische Hochzeit heute in Harta (Ungarn)

Ein Erfahrungsbericht

Vor ungefähr einem Jahr berichtete GeMa über die deutschen Nationalitäten und darunter wurde auch das kleine Dorf Harta genannt. Die Autorin Szabina Danics[1] stellte uns das Dorfmuseum vor und berichtete über die deutsche Nationalität, die seit Jahrhunderten schon in dem Ort lebt. In diesem Artikel möchte GeMa seine Leser wieder zu diesem Dorf begleiten und durch diesen Erfahrungsbericht an einer traditionellen schwäbischen Hochzeit teilnehmen lassen.

Der Hartauer Verein zur Traditionspflege pflegt die deutschen ethnischen Bräuche und Tänze seit 50 Jahren. Die erste Tanzgruppe, die die originale Hartauer Tracht getragen hatte, wurde im Jahre 1963  gegründet. Das Ziel der Tanzgruppe ist, die deutschen Bräuche an die Jugend weiterzugeben und die deutsche Sprache zu bewahren. Aus diesem Grund organisierte diese Tanzgruppe am 4. Oktober 2014 eine schwäbische Hochzeit. Die ganze Inszenierung verlief auf schwäbisch, auch bei der Wahl der Volkslieder hielt man dieses Prinzip vor Augen. Das Hauptaugenmerk lag auf Originalität und Authentizität. An diesem Ereignis habe ich zwar als Zuschauer zusammen mit meiner Familie und anderen Leuten teilgenommen, doch man konnte spüren wie sehr alle aufgeregt waren.

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Die Zeremonie eröffnete der Brautführer. Dabei geht es um eine witzige Tradition. Der Brautführer wiederholte dreimal den folgenden Ruf: ,,Bringt uns die Jungfrau heraus”, aber immer wieder erschien ein anderes Mädchen in der Küchentür, so musste der Brautführer seine Aufforderung mehrmals wiederholen. Zuerst erschien ein kleines Mädchen, dann eine ausgestopfte Puppe, dann ein dickes Mädchen mit einem Stück Brot. Der Brautführer wiederholte seinen Ruf solange, bis alle herumschleichenden bösen Geister vertrieben wurden, und erst dann kam die Braut. Denn darum ging es ja schließlich bei diesem Brauch: Den Weg von allen schadenden Wesen befreien.

Während der Fahrt zur Hochzeitsfeier ist es Tradition, dass das Brautpaar nur geradeaus schauen darf, sonst vergucken sie sich eine andere Frau oder einen anderen Mann und das führt zur Untreue. Wenn sie einen Leichenwagen treffen, dann wird einer von ihnen noch im ersten Jahr sterben. In der Kirche ist es Brauch, dass das Brautpaar eng zusammen steht, damit das Böse nicht dazwischen schleichen kann. Nach der kirchlichen Zeremonie tanzt der Brautführer als erster mit der Braut. Es ist üblich, dass vorher ein kleiner Junge einen Schuh der Braut stiehlt, um vom Brautführer ein stattliches Lösegeld zu erzwingen, denn er weiß, der Brautführer wird ihm alles zahlen, denn ohne den ersten Tanz kann ja die Hochzeit nicht eröffnet werden. Zwischendurch stellt die Köchin eine Platte mit einem lebenden Hähnchen oder mit einer Katze, die mit etwas zugedeckt waren, vor die Braut, und nachdem sie diese „entdeckt hatte“, begann erst die wahre Feier.

Es lohnt sich, einen Moment auch der Beschreibung der Tracht zu widmen: Tradition ist, dass das Hemd des Bräutigams von der Braut genäht wird. Die Braut selbst hat Pfauenfedern an ihren beiden Ärmeln und trägt einen Kopfschmuck, während der Bräutigam einen schwarzen Hut und eine längliche Schmuckleiste aus Rosen an seiner linken Brust trägt. Die Braut und der Bräutigam kleiden sich zusammen im Haus des Nachbarn an, sie bekommen Geld in den rechten Schuh, damit sie reich im Eheleben werden.

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Bei den Schwaben wird auch genau festgelegt, wann die Hochzeit stattfindet. Alle Hochzeiten wurden traditionell immer am letzten Dienstag im Oktober abgehalten, weil die Arbeit auf dem Feld um diese Zeit bereits beendet war. Wenn es am Hochzeitstag regnete, mangelte es an Glück für viele Jahre, aber wenn das Wetter schön war, dann sagte man, dass das Eheleben ewig glücklich sein wird. Bei unserem Fest gab es sonniges Wetter, so konnte man das ganze Fest bis zum Dunkelwerden im Freien feiern. Ungefähr 400 Gäste waren bei dieser Hochzeit, Kinder wie Erwachsene. Im Mittelpunkt stand natürlich die Braut, die mit allen Gästen getanzt hat. Es war eine schöne Erfahrung, die Lust auf mehr macht.

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Hoffentlich organisiert die Hartauer Tanzgruppe auch in der Zukunft solche inszenierten Feste!

 

 

/Dóra Matos/

 Bildquelle:

Fotos von Dóra Matos und Sándor Kovács