Wenn Träume in Erfüllung gehen

Interview mit Mária Pallagi

Wir waren für einen Mittwoch verabredet. Sie war fröhlich wie immer. Wir saßen auf dem Flur des Instituts, und alle, die an uns vorbeigangen waren, hatten ein gutes Wort für sie. So begann mFrau Pallagiein Interview mit Mária Pallagi, mit der Dozentin der Philosophischen Fakultät der Universität Szeged. Frau Pallagi studierte von 1989 bis 1994 an der Universität Szeged Geschichte und Germanistik, und ich fragte sie nach ihren Erinnerungen und Erfahrungen, die sie als Studentin hatte. Sie hält heutzutage Seminare zur Geschichte von Österreich-Ungarn.

  • Warum wählten Sie die Germanistik als Nebenfach aus? Was waren Ihre Intentionen und Ideen?

Oh, ja, ich erinnere mich sehr gut an dieses Dilemma. Meine Mutter ist Ärztin, daher war die erste Möglichkeit die medizinische Fakultät. Aber einerseits ist dieser Beruf zu belastend für eine Frau, die Kinder und Familie haben möchte, andererseits waren Physik und Biologie nicht meine Lieblingsfächer. Also habe ich mir vorgestellt, was ich denn in der Zukunft machen möchte. So kam ich auf Geschichte und Germanistik, und im Jahr 1989 begann mein erstes Studienjahr an der Universität Szeged.

  • Wie war die Ausbildung der Germanistik an der Uni Szeged vor 20 Jahren? Hatten die Studierenden Möglichkeiten (z. B. Auslandsreisen, Studentenaustausch), ihre Sprachkenntnisse und ihr germanistisches Wissen über das Fach hinaus zu vertiefen?

Zuerst bereiteten mir meine Mängel in der Fremdsprache große Schwierigkeiten. Ich hatte nur in der Schule Deutsch gelernt, daher konnte ich nicht so fließend sprechen, mein Wortschatz war sehr karg. Ich hatte viele peinliche Situationen und Erfahrungen im ersten Studienjahr. Aber wie die Zeit verging, wurde alles immer leichter. Der echte Durchbruch war meine erste Wiener Sommerakademie nach dem dritten Studienjahr, die drei Wochen dauerte. Meine Kommilitoninnen und Kommilitonen bemerkten auch die Veränderung in meiner deutschsprachigen Kommunikation. Im vierten Studienjahr bekam ich ein DAADStipendium, so konnte ich einen Monat in Stuttgart verbringen. Das war wirklich sehr spannend!

  • Was waren Ihre Möglichkeiten nach dem Studium? Wie konnten Sie mit ihrem Diplom einen Arbeitsplatz finden? War es leicht oder schwer für sie?

Ja, ich konnte sehr leicht einen Arbeitsplatz finden. Nach dem Abschluss meines Studiums begann ich in der Gábor Dénes Mittelschule (Szeged) zu arbeiten, aber ich wusste schon damals, dass ich mehr in meinem Leben erreichen möchte. Deswegen habe ich mich um einen Studienplatz im Doktorandenstudium für Geschichtswissenschaften der Uni Szeged bemüht, das ich im Jahr 1996 erfolgreich absolvierte. Der Stiftung Aktion Österreich-Ungarn habe ich für die erhaltenen Forschungsstipendien sehr viel zu danken.

  • Sind Sie jetzt als Dozentin der Universität Szeged mit Ihrer ursprünglichen Wahl der Fächer Geschichte und Germanistik sowie der Uni Szeged zufrieden?

Ich kann mit meiner Wahl nur zufrieden sein. Viele lebenslange Erfahrungen und eine sichere Wissensbasis bekam ich durch mein Studium an der Universität Szeged.

  • Hätten Sie Ratschläge, wie die Studierenden ihre Aufgaben leichter absolvieren können?

Meiner Meinung nach kann man eine Fremdsprache nur kontinuierlich, Schritt für Schritt lernen. Natürlich soll man auf die grammatische Korrektheit achten, aber daneben sind Lesen oder Fernsehen auf Deutsch auch sehr nützlich und fördernd. Nicht jeder hat die Chance, sich länger in einem Land aufzuhalten, wo die zu erlernende Fremdsprache gesprochen wird. Mein Rat lautet: Nutzen Sie alle, selbst die kleinsten Möglichkeiten, sich in Ihrer Zielsprache zu üben!

Die Zeit verging sehr schnell, schon war es 10 Uhr, und Frau Pallagi musste in ihr Seminar. Die Studierenden waren sehr gespannt, weil auch diesmal ein interessantes Thema auf sie wartete: die Gastronomie in der Zeit der Monarchie Österreich-Ungarn.
Guten Appetit!

/ Maja Kósa /

Reinfuttern, ausspucken, vergessen

„Bulimie-Lernen“

Hattest du schon das Gefühl, dass das, was in der Schule gelehrt wird, zum Leben unnötig ist? Oder hast du schon mal eine schwierige Prüfung vergessen und deswegen mit der Vorbereitung zu spät angefangen? Beide Fälle sind gute Beispiele für das „Bulimie-Lernen“, das sich heutzutage als ein immer größeres Problem zeigt, da das Ergebnis dieser Lernmethode nicht das langfristige und tiefe Wissen ist. Der Begriff des „Bulimie-Lernens“ ist zu benutzen, wenn man möglichst viel Stoff in das Kurzgedächtnis packt und dieses Wissen später nicht verwenden kann. Dieses Problem ist auch in Deutschland dermaßen präsent, dass der berühmte Philosoph Richard David Precht in seinem neuen Buch  „Anna, die Schule und der liebe Gott: Der Verrat des Bildungssystems an unseren Kindern“ eine „Bildungsrevolution“ fordert.

Nach einem Artikel in der österreichischen Zeitung „Die Presse“, der eine Umfrage der Bundesschülervertretung in Österreich zur Grundlage hat, ist das „Bulimie-Lernen“ verbreitet, weil neun von zehn Schülern den in der Schule erlernten Lehrstoff für teils sinnlos halten. Die Schüler haben auch damit Probleme, dass sie von den Lehrenden nicht motiviert werden, keine Infos über weitere Ausbildungsmöglichkeiten bekommen und dass die Lehrerinnen und Lehrer ihre Arbeit ohne Verantwortung machen.

Ausgehend von diesem Artikel führte ich eine kleine Umfrage unter den Studierenden der Universität Szeged durch. Das Ziel war, ein möglichst differenziertes Bild über das Vorhandensein dieses Problems an der Uni Szeged darzustellen. Die sieben Befragten studieren an der gleichen Universität, aber sie wählten unterschiedliche Studienfächer aus.

  • Zuerst möchte ich dich nach deiner Fachwahl fragen. Was meinst du, hast du richtig gewählt?

kujundzic alisaAlisa (Internationale Beziehungen, 2. Studienjahr): Die Beschreibung meines Faches, aufgrund derer ich mich dafür entschieden habe, und die Wahrheit sind total verschieden, daher ist mein Fach für mich eine Enttäuschung.

DEÁK MÓNIKAMónika (Medizin, 2. Studienjahr): Ich bin sehr zufrieden mit meinem Fach und meiner Fakultät, weil meine vorherigen Erwartungen in Erfüllung gegangen sind.

BEDER REBEKARebeka (Psychologie, 2. Studienjahr): Meine Enttäuschung ist sehr groß, weil ich nicht das bekam, womit ich vor der Uni rechnete.

SZÓRÁD CSABACsaba (Informatik, 2. Studienjahr): Alles ist in Ordnung! Meine Wahl war genial, denn ich studiere das, wovon ich vorher träumte.

TRIPOLSZKI KORNÉLIAKornélia (Molekularbiologie, 5. Studienjahr): Für mich war die Molekularbiologie die beste Entscheidung. Wenn ich könnte, würde ich noch einmal dieses Fach beginnen.

  • Enthält der Lehrstoff in Ungarn Teile, die ihr sinnlos oder kompliziert findet?

NAGY MIKLÓSMiklós (Geschichte, 1. Studienjahr): Diese Frage zu beantworten ist nicht so einfach. Meiner Meinung nach ist der Lehrstoff ganz sinnvoll organisiert, aber die Auswahl der Lehrmethode war nicht so glücklich, denn sie berücksichtigt die Ansprüche der Studierenden nicht.

SZARAPKA RENÁTARenáta (Pflegerin, 4. Studienjahr): Während meiner vier Studienjahre hatte ich nie das Gefühl, dass ich sinnlosen oder zu komplizierten Lehrstoff „reinfuttern“ sollte. Die Uni gab mir einen sehr guten Grund für mein späteres Berufsleben.

  • Was sind eure Erfahrungen mit der verantwortungsvollen Arbeit eurer Dozentinnen und Dozenten?

Alisa: Es gibt Professoren, die den Studierenden gern helfen, aber das ist nur die Minderheit. Leider habe ich sehr schlechte Erfahrungen, aus denen ich darauf schließen kann, dass viele die mit dem Unterricht einhergehende Verantwortung nicht wahrnehmen.

Csaba: Damit im Zusammenhang machte ich auch gute Erfahrungen, denn die Dozentinnen und Dozenten sind sehr hilfsbereit bei uns. Das hat zum Ergebnis, dass die Studierenden auch motiviert sind.

  • Ist das „Bulimie-Lernen“ in deinem Fach typisch? Wenn ja, was wäre eine mögliche Lösung?

Alisa: Ja, natürlich. Wir müssen Sachen lernen, die wir im „Leben“ nicht benutzen können. Und ich weiß leider nicht, was der langfristige Nutzen dieser Lehrmethode sein soll.

Csaba: Das „Bulimie-Lernen“ bedeutet bei uns ein großes Problem, aber wenn wir mehr Praktika haben würden, würde das nicht so eine erhebliche Rolle spielen.

Mónika: Meiner Meinung nach kommt das „Bulimie-Lernen“ bei uns nicht vor. Alles, was man im Medizinstudium zu lernen hat, wird irgendwann in der Zukunft wichtig sein.

Renáta: Das „Bulimie-Lernen” bedeutet bei uns auch ein großes Problem. Ich finde, die Aufgabe der Professorinnen und Professoren wäre, eine Lösung dafür zu finden. Eine gute Darstellung des Stoffes spielt dabei eine sehr große Rolle. Wenn einem etwas sicht- oder hörbar, das heißt richtig „greifbar” gemacht wird, kann man es auch einfacher lernen.

Alle der Befragten denken an eine Änderung des Studienplans oder der Lehrmethode als eine mögliche Lösung des Problems Bulimie-Lernen, sind aber mit ihrer Wahl in den meisten Fällen zufrieden. Nach dieser Umfrage lautet meine persönliche Meinung: Die Ausbildung kann nie für alle Menschen vollkommen sein, immer können wir kleine Fehler finden, aber das Problem des „Bulimie-Lernens” sollte nicht vergrößert werden. Man sollte sich auf die Beschaffung des Wissens konzentrieren und mit unendlicher Ausdauer lernen.

Der Preis bleibt nicht aus!

/ Maja Kósa /