Schwabentag am Donnerstag

Teil 3 der kulturhistorischen Vorträge

Am 16. April führte unser Weg wieder ins Nationalitätenhaus (Osztróvszky utca 6), wo Gábor Váradi diesmal über die Schwaben sprach. Der Schwerpunkt des Vortrags lag auf ihrer Kultur und den verbreiteten Stereotypen.

Wie schon gewohnt, fand wieder zuerst der Leseabend um 17:00 Uhr statt. Eine Tasse Tee oder Kaffee durfte natürlich nicht fehlen. Da wir nur zu zweit waren, wurden keine Zeitungsartikel gelesen und besprochen, sondern wir führten ein Gespräch über die vielen verschiedenen Sprachen. Dabei wurden auch die Dialekte aufgegriffen.

landkarte

Um 18:00 Uhr wurde uns dann von Gábor Váradi eine Tasse schwäbische Sprache angeboten, die wir mit Interesse und voller Neugier austranken. Der Vortrag fing mit den Schwaben im heutigen Deutschland an. Wer sind sie eigentlich? Als Schwaben aufgefasst wird heutzutage grob gesagt die Gegend zwischen dem Schwarzwald im Westen und dem Lech im Osten, dem Bodensee im Süden und der Region Stuttgart im Norden. Jedoch wird Schwaben fälschlicherweise auch gerne mit Württemberg, Baden-Württemberg oder dem bayerischen Regierungsbezirk Schwaben gleichgesetzt. Es gibt Vieles, was sich in ihrer Kultur und in Bezug auf die Stereotypen zu entdecken lohnt. Zum letzteren wurde uns der Schwäbische Gruß bekannt gemacht: „Leck me am *rsch.” Diesen Spruch kann man an vielen Souveniergegenständen sehen, und man hat den Eindruck, man will den Stereotyp, dass die Schwaben gar nicht so nett sind, bestätigen. Es heißt auch, dass sie sparsam und dumm sind, weil sie vieles missverstehen oder eben wortwörtlich nehmen. Daher rühren auch zahlreiche Witze, wie z.B.: „ Ein Mann fragt ein Büblein, wer am Straßenrand weint: – Was weinst du denn, Büblein? – Tränen, was sonst?”. Dann fiel auch der Begriff „Schwabenalter”, mit dem das Alter ab dem vierzigsten Geburtstag eines Schwaben bezeichnet wird. Es heißt, dass der Schwabe erst mit 40 Jahren g’scheit, also weise wird.

Neben diesen Stereotypen wurden auch andere Sprüche von den Schwaben aufgezählt: „Deutscher durch Geburt, Schwabe durch die Gnade Gottes.“ „Ich bin stark und groß durch Spätzle und Soß“. (Dies deutet auf die Nationalspeisen hin.) „Auf die Dauer hilft nur Schwabenpower.“ Manfred Rommel, langjähriger Oberbürgermeister von Stuttgart, sagt über sie Folgendes: „Der Schwabe tut so, als sei er arm, aber er ist beleidigt, wenn andere ihm das glauben.“

Es gibt sehr viele solcher Sprüche, aber neben der lustigen Seite gibt es auch eine traurige und negative. In diesem Fall nämlich den Schwabenhass, der sich neuerdings in Berlin verbreitet. Es sind immer öfter sehr grobe und menschenunwürdige Schriften an Straßenschildern, Häuserwänden zu lesen. Wie z.B: Welcome to Schwabylon.“ In Baden werden sie auch nicht gemocht. Die folgenden Sprüche untermauern das: „ Wir können alles. Außer Hochdeutsch.“ (Bezogen auf die Schwaben.)

Neu war dem Publikum der Begriff „Schwabenkinder“, bei deren Erklärung sich eine überaus traurige Geschichte auftat. Sie wurden auch Hütekinder genannt und waren Bergbauernkinder aus Vorarlberg, Tirol, Südtirol, der Schweiz und Liechtenstein, die bis ins erste Drittel des 20. Jahrhunderts hinein aus Armut alljährlich im Frühjahr durch die Alpen zu den „Kindermärkten“ nach Oberschwaben zogen. Auf diesen Märkten wurden sie dann für eine Saison als billigste Arbeitkräfte von Bauern der umliegenden Regionen angeheuert.

Es gibt aber auch Geschichten über die Schwaben, wie z. B. das Märchen Die sieben Schwaben, in dem es um die Abenteuer von sieben tölpelhaften Schwaben geht. Sie brachen auf, um nach einem Abenteuer zu suchen, und standen einmal vor einem angsteinjagenden Ungeheuer. Wie die Gweschichte sich entwickelt, verrate ich aber nicht. Soviel sei jedoch gesagt, dass es sich lohnt, nachzuschlagen.

Auch im Volkslied Auf de Schwäb’sche Eisenbahne wird die sonderbare Denkweise der Schwaben illustriert. Die wohl bekannteste Version des Liedes handelt von einem Bauern, der seinen Geißbock an den Eisenbahnwagen bindet, damit das Tier dem fahrenden Wagen hinterherlaufe und er keine Fahrkarte für das Tier kaufen müsse. An der nächsten Station jedoch findet er nur noch den abgetrennten Kopf des Tieres vor, den er zornentbrannt dem Kondukteur nachwirft. Dieses Lied kommt auch in der Serie Äffle und Pferdle vor. Es sind zwei Zeichentrickfiguren des Süddeutschen Rundfunks, die mittlerweile zu beliebten Maskottchen des SDR geworden sind.

Nach diesem kleinen Überblick kann bestimmt jeder die folgenden Bilder den Zahlen anordnen.

1)     Schwabenkinder

2)     Die sieben Schwaben

3)     Äffle und Pferdle

4)     Auf de Schwäb’sche Eisenbahne

quiz

Anschließend konnten wir einige von den Kurzfilmen Äffle und Pferdle und anschauen. So konnte man auch ein wenig in die schwäbische Sprache einhören. Gábor Váradi hatte dieses Semester zum dritten mal die Zuschauer mit neuem Wissen beschenkt und mit Humor den Vortrag interessanter gemacht. Nächstes Mal, was gleichzeitig das letzte Mali n diesem Seester sein wird, wird er über den Siebenschläfertag sprechen. Wer sich dafür interessiert, der soll sich schon den 14. Mai merken. Es wird an selber Stelle und zur selben Zeit stattfinden. Alle sind herzlich wilkommen.

Fortsetzung folgt…

  /Samantha Kokolovec/

Fotos: Samantha Kokolovec

Informationen über die vorigen Vorträge sind auf folgenden Seiten erreichbar:

–         http://www.gema.hu/2015/03/ein-programm-fur-jeden-dritten-donnerstag-im-monat/

–         http://www.gema.hu/2015/03/ein-naturlich-wilder-donnerstag/

Weiteres zum Nationalitätenhaus und zu anderen Programmen findet ihr auf den Seiten:

–         http://www.minority-szeged.hu/

–         http://www.gema.hu/2012/09/das-haus-der-minderheiten-in-szeged/

–         http://www.gema.hu/2014/10/wahlen-vor-der-tur/

1): d = Hütekinder in Oberschwaben (Foto von Peter Scherer, wohl um 1900)

2): a,  3): b, 4): c

Ein natürlich wilder Donnerstag

Weiter geht’s mit den kulturhistorischen Vorträgen

Am 19. März fand wieder ein informationsreicher Vortrag von Gábor Váradi im Nationalitätenhaus (Osztróvszky utca 6.) statt. Diesmal stand die Natur mit dem Titel Die letze Wildnis 3 (Deutsche Nationalparks) im Mittelpunkt. GeMa war natürlich wieder dabei.

Diesmal wurde die Miniserie Die letzte Wildnis fortgesetzt. Dieses Thema wird im Rahmen der Vortragsreihe seit April 2014 behandelt. Bei den ersten Malen wurde allgemein über die Nationalparks gesprochen, wo sie in der Welt auffindbar sind und wo die ersten in Europa eröffnet wurden. Dann wurde die Aufmerksamkeit auf die deutschen Nationalparks gerichtet, von denen die ersten fünf auch vorgestellt worden sind. Der zweite Teil wurde im Oktober 2014 mit dem Titel Die letzte Wildnis 2 gehalten.

was bisher geschah

Vor dem Vortrag fand aber natürlich der Leseabend um 17 Uhr statt. Diesmal wurden praktische Artikel zum Thema Ostern gelesen (Tipps fürs Backen und für die Festdekoration). Man hatte wirklich ein wahres österliches Gefühl bekommen und konnte fast den Duft der Narzissen riechen, die in den verschiedenen Artikeln vorkamen.

Um 18:00 Uhr verließen wir dann das Meer der Wörter, um einen Streifzug in den deutschen Wäldern machen zu können. Während sich das Publikum versammelte, konnte man mit einem Naturfilm auf die Stimmung des Vortrags einstellen. Als das Intro der Serie Schwarzwaldklinik erklang, wusste man, dass es soweit ist. Es versetzt einen sofort in die richtige Stimmung. Es wurden 15 Nationalparks aufgezählt, die in Deutschland derzeit auffindbar sind. Der älteste ist der Nationalpark Bayerischer Wald (im Hinteren Bayerischen Wald direkt an der Grenze zu Tschechien).[1] Die jüngste ist Der Nationalpark Schwarzwald[2]  und er ist gleichzeitig auch der erste Nationalpark in Baden-Württemberg. Er liegt am Hauptkamm des Nordschwarzwalds überwiegend zwischen der Schwarzwaldhochstraße und dem Tal der Murg. Geplant sind noch weitere sieben Parks. Der nächste, der an der Reihe kommt, ist Der Nationalpark Hunsrück-Hochwald (in den Ländern Rheinland-Pfalz und Saarland).

Über die Fakten hinaus bekam das Publikum eine große Packung Niedlichkeit mit Hilfe von Mardern, Waschbären, Luchs- und Wildkatzenbabys. Natürlich tauchte auch die Frage auf, ob sich die Waschbären wirklich waschen? In Wahrheit tasten sie die Nahrungsmittel und andere Gegenstände sorgfältig mit ihren Vorderpfoten ab, um sich ein Bild von ihnen zu machen und unerwünschte Teile zu entfernen. Eine Art Waschen ist das schon, aber hauptsächlich geht es doch eher um Ernährung als um Hygiene.

Wenn wir schon bei den Tieren sind, könnt ihr erraten, welche von den unten angegebenen Tieren zu welchem Nationalpark gehören? Denn fast jeder hat ein Maskottchen oder ein Tier, das für den jeweiligen Park charakteristisch ist. (Am Ende des Artikels findet ihr eine kleine Hilfe.)

1) Hainich

2) Kellerwald-Edersee

3) Schwarzwald

4) Bayerischer  Wald

5) Berchtesgaden

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Neben den Tieren wurden atemberaubernde Bilder über die Wälder gezeigt, die in allen Jahreszeiten wunderschön sind. Es lohnt sich nachzuschlagen, was die Besucher erwartet. Die Sollte jemand demnächst Lust haben, bei einem Besuch in Deutschland einen naheliegenden Nationalpark aufzusuchen, kann er sich mit Hilfe des folgenden Bildes auf der Landkarte leicht orientieren.

nationalparks_karte

Nach dem Vortrag konnten die Anwesenden nicht nur das Gefühl haben, wieder viel Wertvolles und Unterhaltsames erlebt und gehört zu haben, sondern obendrein auch noch einen Blumenstrauß aus Narzissen mit nach Hause nehmen. Der Vortragende brachte nämlich einen ganzen Korb voll frischer Narzissen aus dem eigenen Garten mit. Der imaginäre Duft der Narzissen des Leseabends ist nun zu einem tatsächlich wahrnehmbaren geworden.

*

Der nächste Leseabend und Vortrag findet am 16. April an selber Stelle und zum selben Zeitpunkt statt. Das Thema werden diesmal die Schwaben (Kultur und Stereotypen) sein. Alle sind herzlich wilkommen. Fortsetzung folgt…

 

Informationen über den vorigen Vortrag sind auf folgender Seite erreichbar:

–          http://www.gema.hu/2015/03/ein-programm-fur-jeden-dritten-donnerstag-im-monat/

Weiteres zum Nationalitätenhaus und zu den Programmen findet ihr auf den Seiten:

–          http://www.minority-szeged.hu/

–          http://www.gema.hu/2012/09/das-haus-der-minderheiten-in-szeged/

–          http://www.gema.hu/2014/10/wahlen-vor-der-tur/

1): d) Kaum jemand bekommt sie zu Gesicht. Aber sie sind da, im Hainich gibt es sie noch: die Wildkatzen…

2): b) 1934 wurde erstmals in Europa der Waschbär am Edersee ausgesetzt, der sich seitdem verbreitet hat.

3): c) Das Auerhuhn gilt in weiten Teilen Mitteleuropas als „vom Aussterben bedroht“ und steht in Deutschland auf der Roten Liste mit der höchsten Gefährdungsstufe. Deshalb ist es umso erfreulicher, dass es im Schwarzwald mit ca. 600 Exemplaren noch heimisch ist.

4): a) Im Bayerischen Wald leben so viele Luchse, dass man sie von dort in andere Nationalparks umsiedelt.

5): e) In Bechtersgaden kann man auf den zahlreichen Wanderwegen einen der scheuen tierischen Alpenbewohner beobachten: das Murmeltier

/Samantha Kokolovec/

 Bilderquellen: Samantha Kokolovec, Gábor Váradi

 

 

 



[1] Er wurde am 7. Oktober 1970 als erster Nationalpark Deutschlands gegründet.

[2] Gegründet am 1. Januar 2014.

Ein Programm für jeden dritten Donnerstag im Monat

Die kulturhistorischen Vorträge werden fortgesetzt

Am 19. Februar fand wieder ein informationsreicher Vortrag von Gábor Váradi im Nationalitätenhaus (Osztróvszky utca 6.) statt. Der Titel des Vortrags war Ki szúrta le Rittbergert? (Auf Deutsch: Wer hat Rittberger erstochen?). GeMa war natürlich auch dabei.

Und wieso das? Worum geht es eigentlich? Erstens natürlich deswegen, damit ihr nichts verpasst, und zweitens mache ich mein Praktikum im Rahmen der Studienspezialisation Deutsche Nationalität im Nationalitätenhaus (oder auch Haus der Minderheiten), wo die Minderheiten in Szeged ihr buntes kulturelles Leben führen können. Die Einrichtung bietet den Minderheitenselbstverwaltungen Platz und ist gleichzeitig ein Kulturzentrum, wo man an verschiedenen kulturellen Programmen teilnehmen kann (Tanzschule, Vorträge, Leseabende, deutsche kulturelle Woche usw.). Mehr zum Nationalitätenhaus könnt ihr auf den unten angegebenen Seiten lesen.

Von den Programmen des Szegeder Deutschen Vereins würde ich zwei hervorheben, die in diesem Semester veranstaltet werden. Der erste war am 19. Februar. An diesem Donnerstag fing um 17:00 der Leseabend an, wo einige kürzere Texte aus deutschen Artikeln in einer Gruppe auf Ungarisch übersetzt wurden. Diese Leseabende sind Interessierten zu empfehlen, die gerne ihren Wortschatz erweitern und sich im Übersetzen üben würden, egal, ob es sich um Anfänger oder eben Germanistikstudierende. Für jeden ist was dabei. Die Atmosphäre war sehr freundschaftlich, ja fasst familiär, obwohl die Teilnehmer und Teilnehmerinnen sich kaum oder gar nicht gekannt haben. Der Leseabend wurde von der Vorsitzenden des Vereins Emma Rozental geleitet.

Anschließend ging es ab 18 Uhr mit dem ersten Vortrag zur deutschen Kulturgeschichte in diesem Semester weiter. Der Vortragende ist Gábor Váradi, ein ehemaliger Germanistikstudent unserer Uni. Er wurde vor Jahren eingeladen, Vorträge im Themenbereich deutsche Literatur- und Kulturgeschichte zu halten, und er steht seither regelmäßig mit den unterschiedlichsten Themenschwerpunkten zur Verfügung. Hier einige Beispiele aus dem facettenreichen Programm der vergangenen Semester: Schiff! Ahoi! (deutsche Schiffe und Seefahrer); Die ‚deutsche’ Frau der letzten 1000 Jahre; Lebende Legenden; Im Land der Schokolade (deutsche Konditorei und Süßwarenindustrie); Wahl der Waffen (mit einer Schwertvorführung der Brüder Róka); Stein der Weisen (Entdeckungen von deutschen Chemikern).

Diesmal ging es um deutsche Namensstifter. Der Vortrag trug den Titel: Ki szúrta le Rittbergert? (Wer hat Rittberger erstochen? Es ist ein Wortspiel im Ungarischen. Mehr dazu unten.) Gábor Váradi konzentrierte sich bei seinem Vortrag auf folgende Namen:

1) Ferdinand von Zeppelin;  2) Heinrich Hertz; 3) Hieronymus Carl Friedrich von Münchhausen; 4) Alexander von Humboldt; 5) Hermann Rorschach; 6) Moritz Schreber; 7) Johann Jacob Schweppe; 8) Ernst Litfaß; 9) Alois Alzheimer; 10) Robert Wilhelm Bunsen

Könnt ihr diese Namen folgenden Bildern zuordnen?

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Die Lösungen sind am Ende des Artikels angegeben.

Zum Schluss haben wir auch erfahren, was es mit diesem Rittberger auf sich hat. Viele waren überrascht, dass der Rittberger eigentlich ein Kantensprung im Eiskunstlauf und im Rollkunstlauf ist. Er verdankt seinen Namen dem mehrfachen deutschen Vize-Weltmeister Werner Rittberger. In der ungarischen Fachsprache dieser Sportarten verwendet man diese Bezeichnung für eine spezielle Sprungart, die auf ihn zurückzuführen ist. Die einzelnen Varianten des Sprungs werden durch das Attribut leszúrt unterschieden. Den Fachausdruck „leszúrt rittberger“ (wortwörtlich übersetzt: niedergestochener r.) gibt es nur im Ungarischen. Dieses Wortspiel nutzte Gábor bei der Titelgabe seines Vortrags. Rittberger starb übrigens eines natürlichen Todes am 12. August 1975 in Krefeld.

Gábor Váradi hat erneut bewiesen, dass ein Vortrag auch humorvoll und interessant ablaufen kann. Man konnte viel lachen und hatte nicht das Gefühl, dass es langweilig ist. Die Zeit ist schnell vergangen und man hatte in 90 Minuten mehr gelernt als in einer Woche.

Und das Lernen geht weiter, denn am 19. März gibt es den nächsten Vortrag von Gábor Váradi. Das Thema ist diesmal die Nationalparks in Deutschland. Man könnte wetten, dass das Thema mehr in sich birgt, als der Titel auf den ersten Blick verrät. Es sollte ferner nicht vergessen werden, dass alle Interessenten auch zum Leseabend vor dem Vortrag herzlich eingeladen sind. GeMa wird auch darüber berichten. Fortsetzung folgt…

Weiteres zum Nationalitätenhaus und zu den Programmen findet ihr auf den Seiten:

–         http://www.minority-szeged.hu/

–         http://www.gema.hu/2012/09/das-haus-der-minderheiten-in-szeged/

–         http://www.gema.hu/2014/10/wahlen-vor-der-tur/

Und die Lösungen:

1):  d) Zeppelin/Luftschiff , 2): g) Hz, 3):  a) die Geschichten vom Baron Münchhausen, 4):  c) Humboldt-Pinguin, 5): i) der Rorschachtest, 6): h) Schrebergarten, 7): j) Schweppes, 8): f) Litfaßäule, 9): b) Alzheimer-Krankhei, 10): e) Bunsenbrenner

/Samantha Kokolovecz/

 

Wisdom und Iron Maidnem in Deutschland

Interview mit NG und Krisztián Balogh

Ausbrechen, Erfolg haben, und den Deutschen zeigen, dass sie es draufhaben. Das haben Wisdom und Iron Maidnem mehrmals bewiesen. Aber wer sind sie eigentlich? Wisdom ist eine der bekanntesten ungarischen Power-Metal-Bands. Ihre Lieder beziehen sich auf ein Zitat von berühmten Denkern. Das Leben der Band wird von der Lebensgeschichte des weisen alten Mannes – Wiseman – begleitet. Ähnlich begleitet Eddie die Band Iron Maiden. Diese weltbekannte britische Band wird in Ungarn von sogar drei Tribute-Bands gefeiert. Eine davon ist Iron Maidnem. Die Jungs tun alles dafür, den Fans das Original so gut wie möglich wiederzugeben. GeMa hatte die Ehre, mit dem Sänger von Wisdom (NG ist sein Künstlername) und mit den Schlagzeuger von Iron Maidnem Krisztián Balogh ein Interview zu führen.

Es gibt viele Bands, die nicht nach Ausland ausbrechen können. Wie konntet ihr es erreichen, so viele Konzerte in Deutschland zu geben? Wie war der Weg, der dazu geführt hat?

NG: Leider herrschen in Ungarn sehr schlechte Umstände auf dem Mainstream-Musik-Markt. Deswegen haben Bands in unserem Style es nicht leicht. Allerdings denke ich, wenn jemand die Musik mit nötiger Hingebung macht, dann gibt er auf keinen Fall eine Flickarbeit aus der Hand. Er bemüht sich um das Maximum, sowohl inhaltlich, als auch formal. So kann man ohne Hindernisse die Band berühmter machen oder erreichen, dass größere ausländische Plattenfirmen aufmerksam werden.

Bei uns war es auch der Fall. Wir versuchten alles in der Musikbranche. Demzufolge verbreitete sich unser Ruf, und darauf wurden die Plattenherausgeber im Ausland aufmerksam. Drei-vier Monate nach der Erscheinung des ersten Albums in Ungarn, bei dem ich mitgearbeitet habe, bekamen wir von den Plattenfirmen Angebote, international herauszukommen. Es war unfassbar, dass wir sogar zwischen den Plattenausgebern wählen konnten. Wir unterschrieben einen Vertrag mit Noisearts Records, bzw. mit Rock The Nation Booking Büro (das ist eine auf Metal und Hard Rock spezialisierte Konzert- und Künstleragentur mit Sitz in Salzburg). Die Voraussetzung des Vertrags war, dass wir gleich auf eine größere Tour gehen mussten, was einen gemeinsamen Kreis mit Sabaton und Eluveitie bedeutete. Danach ergaben sich die Dinge wie von sich selbst, und zum Glück ist es heute so, dass wenn wir nach Deutschland fahren, dann ist es als würden wir nach Hause fahren.

NG (alias Gábor Nagy)

NG (alias Gábor Nagy)

KB: 2003 und 2005 hat Iron Maidnem schon  mal eine Einladung nach Deutschland bekommen, und zwar zu zwei Motorradfestivals. Da es sich nicht über eine authentische Band mit eigenen Songs handelt, stattdessen aber eine Tribute-Band ist, die auf dem Trampelpfad des Mutterbands wandert (ha-ha), so ist es offensichtlich leichter an einen internationalen Ruf zu kommen, als sagen wir mal im Falle einer frischen Band, die eigene Songs spielt. Selbstverständlich war dieser sogenannte Trampelpfad keineswegs glatt und leicht begehbar, weil wir seit 1996 sehr viel arbeiten mussten, damit unser Name überhaupt in das Allgemeinwissen gerät. Während der Jahre wurden der Maiden-Klang, die Erscheinung und die Aufführungsart geschliffener. Nach der anstrengender Arbeit erreichte unser Name Tony Califanon, der sich innerhalb seiner Tribute-Organisation Rock Imitations mit deutschen Tribute-Bands beschäftigt. Seit dem sind wir bei diesen Verein, wo sich aus der geschäftlichen Kontakt bereits eine freundschaftliche Beziehung ausgebildet hatte. Im Jahre 2006 lud er uns nach Deutschland ein und die Konzerte kamen von da an hintereinander. So konnten und können wir immer noch auf diesem Pfad trampeln. /er lächelt/

Wie sehr seid ihr deiner Meinung nach mit Wisdom/Iron Maidnem berühmt in Deutschland, und woran lässt sich das erkennen?

NG: Dass wir berühmt sind, ist meiner Meinung nach stark übertrieben. Wir spielen im starken Mittelfeld, aus dem noch alles werden kann. Glücklicherweise haben wir mit Wisdom schon an sehr vielen Orten in Deutschland mit größerem Erfolg gespielt. Viele haben uns gesehen und gehört und wissen nun Bescheid über uns. Als Gastsänger kann ich über Iron Maidnem nicht viel sagen. Das überlasse Krisztián Balogh. Soviel kann ich schon verraten, dass die Konzerte, an denen ich als Gastsänger teilgenommen habe, sehr gut gelungen sind. Ich meine damit, dass viele gekommen sind und es auch genossen haben. Aber immerhin gilt der Applaus im Falle einer Tribute-Band eher der Mutterband.

Bei Wisdom lässt sich der Erfolg meist daran erkennen, dass die Menschen uns von Konzert zu Konzert folgen, und ich kann sogar in vielen, weit voneinander liegenden Städten bekannte Gesichter erkennen. Außerdem kann ich eine Menge von eigenen Band-T-Shirts an den Leuten sehen, viele kommen, um Autogramme zu bekommen oder ein gemeinsames Photo zu machen. Engere Freundschaften knüpften sich auch – am Anfang nur mit den Fans.

KB: Zum Glück wurde unser Name bekannt, so können wir jährlich neben den regelmäßigen Klubkonzerten auch auf 2-3 größeren Festivals auftreten. Von den Open-Air- bis zu Arena-Konzerten sind wir dabei. Meiner Meinung nach äußert sich unsere „Berühmtheit“ darin, dass wir nach dem einen oder anderen besser gelungenen Auftritt immer neue deutsche oder eben nicht deutsche Aufträge bekommen.

Im Norden werden die Vorbands mit großer Freude begrüßt, dagegen kommen die Menschen in Ungarn eher zu der Haupt-Band. Welche Erfahrungen hast du damit?

NG: Fast in allen Fällen waren die Plätze, wo wir mit Wisdom vor Sabaton, Powerwolf und Majesty spielten, voll. In Deutschland interessieren sich die Menschen auch für die Vorbands. Die Deutschen sind ein weitaus aufnahmefähigeres Volk, und weil sie Produktionen erwarten, möchten sie diese auch sehen. Es war auch unglaublich da! Wie es schon in deiner Frage suggeriert wird, ist die Lage zu Hause ein bisschen anders, obwohl wir Ungarn auch in diesem Bereich verbesserte Tendenzen zeigen. /er lächelt/  In Wahrheit ist es vielleicht dem zu verdanken, dass uns unser Ruf überholt hat, und dass wir an großen Produktionen teilgenommen haben. Ich weiß nicht, ob sich die Situation auch so entfaltet hätte, wenn wir Wisdom in Deutschland mit einer kleinen Tour gestartet hätten. /er lächelt/  Zum Glück entwickelte sich alles gut.

KB: Ich würde diese Sache nicht gerade auf den Norden zuspitzen … Meiner Meinung nach hängt es davon ab, wie niveauvoll das Konzert oder das Angebot ist. Als wir bei Sziget [seit Jahrzehnten bestehendes berühmtes ungarisches Musikfestival auf einer Insel bei Budapest; – Anm. d. Red.] gespielt haben, wurden wir auf 02:00 Uhr ausgeschrieben, und deswegen haben wir gedacht, dass niemand da sein wird. Erstaunlicherweise war das Zelt, das 5000 Menschen aufnehmen kann, voll.

Wo habt ihr mit Wisdom/Iron Maidnem größeres Publikum, und was ist der Grund dafür?

NG: Ein wirklich großes Publikum haben wir zu Hause nur in Budapest, weil wir im Vergleich zu Deutschland natürlich über ein weitaus kleineres Land sprechen. Deshalb können so viele Leute in einer Provinzstadt nicht zusammenkommen. Meiner Meinung nach würde sich unsere Publikumszahl zu Hause wahrscheinlich erhöhen, wenn die zwei Länder genau so groß wären, aber wenn wir es proportional betrachten, dann ergibt sich die gleiche Situation. /er lächelt/

KB: Ich kann wiederholt sagen, dass das ganze von der Promotion und vom Zielpublikum abhängt… es gibt unzählige Faktoren. Aber zweifelsohne (und hier möchte ich nicht die Lust der Ungarn auf Konzerte zu gehen charakterisieren), sind die Deutschen imstande, sogar 150-200 Km zu fahren, damit sie zu den Klubkonzerten (!!!) kommen. Von Ungarn kann ich auch ein Gegenbeispiel sagen, nämlich gibt es einige Fans, die an fast [es ist ein Wortspiel mit dem Bandnamen: fast heißt auf Ungarisch majdnem; Anm. d. Red.] allen unserer Konzerte im Land teilnehmen, egal wo wir spielen!

In welchen von den beiden Ländern bedanken die Fans euer Auftritt mehr, und worin zeigt sich das?

NG: Es ist unterschiedlich, aber so viel kann ich schon sagen, dass das deutsche ein extrem dankbares Publikum ist, deswegen geht aller Respekt an sie. Es ist ein gutes Gefühl, für sie zu spielen. Ich würde die beiden Seiten nicht vergleichen, weil die Fans beider Länder grundsätzlich dankbar sind, wofür wir auch dankbar sind.

KB:  Diese Frage löst bei mir gemischte Gefühle aus, denn wo immer wir auch spielen, können uns positive und auch negative Erlebnisse erwarten. Die Leute, die die Arbeit von Maiden tiefgreifender kennen, spielen Luftgitarre und sind aktiver auch bei den Songs Alexander The Great oder bei den Flash Of The Blade (weniger bekannt). Aber die, die nur für Fear Of The Dark (einer der bekanntesten Songs) kommen, die können mit den Kuriositäten nichts anfangen. Ich kann also eine sehr gemischte Antwort auf diese Frage geben. Daraus sieht man, dass wir danach streben, das Interesse des Publikums in den Vordergrund zu stellen. Es gibt also Leute die von den Seltenheiten in Ohnmacht fallen, und es gibt auch andere, die auf unsere Schultern klopfen, weil sie so gut auf Fear Of The Dark getobt haben. /er lächelt/

Balogh Krisztián

Krisztián Balogh

Ihr hattet schon sehr viele Konzerte in Deutschland, wodurch ihr sehr vieles schon erlebt habt. Welches ist für euch das unvergesslichste Erlebnis?

NG: Beginnen wir mit meinen ersten Konzert in Deutschland: Hannover. Als unser Intro anfing, hatte ich ständig Schüttelfrost (wohlgemerkt: im positiven Sinne). Das Publikum fing an „hey-hey” zu schreien, und dann hörte ich, wie sie anfingen nacheinander Wisdom zu schreien, obwohl wir eine ganz unbekannte Band waren, die vorher nie im Leben in Deutschland gespielt hat, plus unser Album war gerade paar Tage vorher dort erschienen. Ich dachte, dass unser erstes Konzert ein schlimmer Reinfall wird, aber ich habe einen solchen Schlag in meinen Magen bekommen, dass ich aufwachen musste… das war Realität. Es war so überwältigend. Ich denke, ein besseres Erlebnis könnte ich kaum erwähnen. /er lächelt/

KB: Was mir zuerst auf diese Frage einfiel, ist mein 18-ter Geburtstag. Wir spielten dann in Frankfurt und gaben ein unvergessliches Konzert. Das Timing war perfekt. Am nächsten Tag haben mich meine Freunde mit Schlappschuhen gehauen, damit ich aufwache. Dieses Erlebnis bringt mich oft zum Lachen.

Unterscheidet sich die Organisation der Konzerte in Ungarn und in Deutschland?

KB: Meiner Meinung nach könnten wir darüber nur dann eine Konsequenz ziehen, wenn wir auch eine deutsche Tribute-Band befragen würden, die in Ungarn eine Tour macht. Wir könnten unsere Erfahrungen vergleichen. /er lächelt/

NG: Diese Sache ist ganz anders, seitdem wir mit einer Profi-Agentur arbeiten. Ich kann darüber eigentlich nicht viel sagen. Es ist sicher, dass es nirgendwo leicht ist, ein gutes Konzert zu organisieren. In Deutschland gibt es mehrere Schauplätze, so gibt es auch mehrere Möglichkeiten. Vielleicht ist nur das der Unterschied.

Und hierbei bedanke ich mich für das Interview, und wünsche allen einen schönen Tag. Ich hoffe, dass wir uns auf den nächsten Konzert treffen.

\m/ 😀 \m/

 

Die Gründung der Bands:

Iron Maidnem

Iron Maidnem

Iron Maidnem: Miska (Mihály Bevíz) und Töfi  (Zoltán Cserfalvi) kamen im Jahr 1996 auf die Idee, eine Tribute-Band zu gründen, die nur Maiden-Songs spielen würde, und zwar so nahe am Original wie nur möglich. Der erste Plan der Setlist enthielt 30 Songs, von den fünf klassischen Alben von Iron Maiden. Diese 30 Songs erschienen damals als ein weit entfernter Traum, weil es sich inzwischen herausstellte, dass es gar nicht so einfach ist, diese Lieder originalgetreu wiederzugeben. Nach einiger Zeit schloss sich Béla Boros der Band als Bassist an. 2001 kam Áron Hidvégi am Synthesirer, da immer mehr solche Songs gespielt wurden, die ohne dieses Instrument kaum vorstellbar waren. Viele wissen es nicht, aber Iron Maiden hat seit 1986 tatsächlich einen Synthesizer, der hinter der Bühnendekoration spielt. Der Sänger wurde Zoli Kiss. Bei Iron Maidnem ist es ein bisschen schwierig zu entscheiden, wer gerade der Schlagzeuger ist. Seit 2008 ist auf diesem Posten Krisztián Balogh. 2012 konnten die Fans einen dritten Gitarristen auf der Bühne sehen, nämlich Ádám Makra.

Wisdom

Wisdom

Wisdom: Schon zu der Zeit des Millenniums spielten der Bassist Máté Molnár und der Gitarrist Gábor Kovács mit dem Gedanken, eine Heavy/Power-Metalband zu gründen. Sie verabredeten sich, um einige Covers (Gamma Ray, Judas Priest, Helloween) zu machen. Sie skizzierten auch das Ziel der neuen Band: In dieser musikalischen Gattung „kann man nichts Neues schöpfen, aber was Gutes schon“. Seitdem ist dies auch die Ars Poetica der Band. 2008 schloss sich Balázs Ágota (Schlagzeuger) an. Das nächste neue Mitglied wurde Gábor Nagy (der Sänger, Künstlername: NG), der seit 2010 in Wisdom singt. Nach NG kam Máté Bodor (Gitarrist). Dieses Jahr verließ leider Balázs Ágota die Band, und seitdem sitzt Péter Kern (ein ehemaliger Schlagzeuger von Wisdom) auf seinem Platz.

Diskographie:

2004: Wisdom EP

2006: Words of Wisdom

2007: At The Gates EP

2011: Judas

2013: Marching For Liberty

Bandhomepages:

–         http://www.wisdom.hu/band.php

–         http://www.ironmaidnem.hu/

–         http://www.sabaton.net/

–         http://eluveitie.ch/

–         http://www.powerwolf.net/

–         http://www.majesty-metal.de/

 

/Samantha Kokolovec/

Quellen der Bilder:

Fotos über Krisztián Balogh (auch auf dem Beitragsbild) und Iron Maidnem von: Tőrösné Kolozsy Erika

Fotos über NG von: Savafan

Bandhomepages

 

 

 

Wissenschaftsbonbons – Linguistische Genussmomente zu Péter Bassolas Geburtstag

Am 9. September 2014 kamen zahlreiche Linguisten nach Szeged, um auf eine außergewöhnliche Art Geburtstag zu feiern. Es wurde für Prof. Dsc. Péter Bassola ein Kolloquium im Gebäude der Szegeder Komission der Ungarischen Akademie der Wissenschaften organisiert, die Organisatoren waren Dr. habil. Ewa Vargáné-Drewnowska und Dr. Tamás Kispál.

Um 9:00 Uhr fingen die Eröffnungsreden an. Herr Bassola wurde von Prof. Dr. Gábor Szabó, dem Rektor der Universität Szeged, von Prof. Dr. Mihály Szajbély, dem Dekan der Philosophischen Fakultät, und von Dr. habil. Endre Hárs, dem Leiter des Instituts für Germanistik, begrüßt. In diesen offiziellen, dem bei solchen Anlässen gewöhnlichen Protokoll angemessenen Ansprachen herrschte ein freundschaftlich-persönlicher Ton, der auch im weiteren Verlauf des Tages blieb. Über den wissenschaftlichen Werdegang des Jubilars hinaus wurden seine allen bekannten persönlichen Eigenschaften hervorgehoben, wobei man auch auf seine Passionen wie das Radfahren eingegangen war. So erwähnte unser Institutsleiter die noch gültige Wette zwischen ihm und Herrn Bassola, mit dem Fahrrad von Szeged nach Budapest zu fahren, allerdings schlage er aus seiner Sicht eine kürzere Strecke vor. Die Reden, mit einer Prise Humor, lockten allen ein Lächeln auf das Gesicht.

rektor spricht

dekanendre

Bevor das angekündigte Programm begann, hatten die Organisatoren für eine besondere Überraschung gesorgt. Frau Prof. Dr. Gisela Zifonun, eine langjährige Mitarbeiterin des Jubilars am Institut für Deutsche Sprache in Mannheim, sprach Glückwünsche der Mannheimer Kolleginnen und Kollegen aus

gisela zifonun

Nach den herzlichen Grußworten gab es selbstverständlich viele “linguistische Köstlichkeiten”. Das Vormittagsprogramm fing mit der linguistischen Betrachtung von loben und kritisieren an. Einige herauszuhebende Beispiele dafür aus Frau Professor Cathrine Fabricius-Hansens Vortrag: „Alle loben Péter Bassola u. A. dafür, dass er eine Reihe wichtiger Arbeiten zur Valenz publiziert hat. … Die Kollegen loben, dass P. B. sich intensiv für den germanistischen Nachwuchs eingesetzt hat. … Kann man P. B. dafür kritisieren, dass er in Budapest und nicht in Szeged wohnt? …  Können wir P. B. als nicht streng genug kritisieren? … Manche kritisieren, P. B. sei ein viel zu guter Mensch.“ Diese Beispiele zeigen, dass sich im Raum nicht nur Linguisten, sondern auch Freunde versammelt hatten. Die Atmosphäre war voller Emotionen.

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Das nächste Bonbon überreichte Professor Ludwig M. Eichinger in seinem Vortrag über das Thema „(Mehr-)Wertigkeit – Mehrwert(igkeit)”. Es wurden 18 Beispiele dafür angeführt, wie mehrwertig das Wort geben ist. Z.B.: geben = etwas verabreichen, etwas als Resultat haben, jemandem etwas gewähren, usw. Die Entscheidung, ob das Wort geben absichtlich gewählt wurde (um hervorzuheben, wie viel uns Herr Bassola gegeben hatte), bleibt dem Publikum überlassen.

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Nach einer Pause konnten wir weiter „naschen“, und zwar die deutschen Dialekte in Ungarn. In dem Vortrag von Frau Prof. Dr. Erzsébet Knipf-Komlósi wurde erläutert, dass es unter den Ungarndeutschen verschiedene Dialektsprecher gibt: Deutsch-Pilsener, Schwaben; Rheinfranken, Donaubayern, Ostfranken, usw. Nach statistischen Angaben erklärten sich bei der Volkszählung im Jahr 2011 in Ungarn 38.248 Personen als deutsche Muttersprachler. Neben den Verschiedenheiten der Dialekte wurden uns Forschungsfragen und Perspektiven vorgestellt.

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Den Vormittag schloss Prof. Dr. Gerhard Stickel mit seinem Vortrag über „Wörter und Unwörter”. Er sagte, das Präfix un– verändert die Bedeutung des Stammworts in sein Gegenteil: Glück > Unglück, Sinn > Unsinn. Unwort passt aber nicht in dieses Bedeutungsmuster, denn es ist nicht das Gegenteil von Wort. Unwort verhält sich zu Wort ähnlich wie Unmensch zu Mensch. „Ein Unmensch ist auch ein Mensch, doch mit schlimmen Eigenschaften. So sind auch Unwörter keine Nichtwörter, sondern solche Wörter, die man nicht mag.“ Was allerdings jeder mochte, war die Mittagspause, worauf der Nachmittagsteil des Kolloquiums folgte.

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Im Anschluss führte uns Dr. Krisztina Molnár wieder in die Welt der Linguistik. Sie untersuchte die Infinitivkonstruktionen als Objekte im Deutschen, Italienischen und Ungarischen. Diese Konstruktionen umfassen zwei Konstruktionstypen, die sog. AcI-Konstruktionen (1) und die Objektsinfinitive (2), welche im Deutschen durch zu+Infinitiv-Konstruktionen ausgedrückt werden:  (1) Ich sehe den Mann kommen.  (2) Ich verspreche dir, pünktlich zu kommen. Im Vortrag wurden Erstergebnisse der Analyse präsentiert. Es wurde der Versuch unternommen, zum besseren Verständnis von AcI-Konstruktionen beizutragen.

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Und weil alles einmal vorbei ist, gab es einen letzten Vortrag, der den Titel „Recycling und Substantivvalenz” trug. Prof. Dr. Vilmos Ágel präsentierte in seinem Vortrag wichtige Grundgedanken seiner (neuen) Textgrammatik. Dabei zeigte er, welche Rolle die Substantivvalenz bei der Interpretation von grammatischen Werten auf Mikro- (Wortgruppen-), Meso- (Satz-) und Makroebene (Textebene) spielen kann. Es wurde auch erläutert, wie durch diese Dreiteilung und die Neuinterpretation von Begriffen ambige bzw. problematische Strukturen adäquater analysiert werden können.

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Das reichhaltige Programm war spannend und gleichzeitig sehr harmonisch, was nicht zuletzt den drei Moderatoren: den Herren Tamás Kispál, Péter Kappel und Dr. Andreas Nolda zu verdanken war, die freundlich-bestimmt die lebhaften Diskussionen nach den Referaten leiteten und die technischen Zwischenfälle gekonnt lösten.

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Herr Bassola schätzte die Bemühungen und Arbeit seiner Kollegen und Freunde. Er bedankte sich am Ende des Kolloquiums bei allen, besonders bei seiner Frau, dass sie immer so verständnisvoll gewesen war, als er sehr viel am Arbeitstisch gesessen habe. Seine Gerührtheit und Freude konnte man in seiner Stimme fühlen.

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So sieht also eine Geburtstagsparty bei Linguisten aus: überaus kurzweilig. Die Anwesenden konnten neue hochinteressante Informationen erfahren, wie z.B., dass Herr Stickels Meinung nach das schönste deutsche Wort Rhabarbermarmelade ist. Viele denken bestimmt, dass das keine große Sache ist (ung. Ez nem egy nagy vaszizdasz = was ist das.), die Anwesenden wissen aber Bescheid: Es ist Wissenschaft, Freundschaft und Humor in Form von mundgerechten Bonbons. Auch an dieser Stelle: Herzlichen Dank an die Organisatoren Frau Drewnowska und Herrn Kispál!

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Informationen zu Herrn Bassolas Werdegang:

– Gründer und Leiter des Deutschen Programms der Linguistischen Doktorenschule (NYDI) an der Universität Szeged (SZTE)

– Professor am Institut für Germanistik (SZTE)

-1969: Gymnasiallehrerdiplom für Deutsch und Latein (erworben an der Eötvös Loránd Universität = ELTE)

– 1976: Promotion an der ELTE

– 1984: Verteidigung seiner zweiten Dissertation an der Ungarischen Akademie der Wissenschaften (= CSc, i. e. Candidatus Scientiarum)

– 1995: Habilitation (ELTE)

– 2008: Erlangung des wissenschaftlichen Titels Doktor der Ungarischen Akademie der Wissenschaften (DSc)

– Haupt-Forschungsgebiete: deutsche historische Linguistik, Syntax, kontrastive Linguistik, Valenzforschung, vor allem Substantivvalenz, usw.

 

Fotos: Samantha Kokolovec