Der tödliche Tanz

Der tödliche Tanz

Wir sind zusammen, allein in der Nacht

Ich bin die Marionette und du die Macht

Du greifst mich fest, ich bin in deinen Händen

Feinde sind wir nicht, aber auch keine Geliebten

 

Ich liebte dich, so tief wie der Ozean

Du warst ein Teil in meinem Zukunftsplan

Ohne dich konnte ich mir (gar) nichts vorstellen

Aber du wolltest unsere Geschichte zu früh beenden

 

Und was machst du jetzt mit mir?

Fängst du mich, lässt du mich nicht?

Oh, es ist ein Zwang, mit dir zu tanzen

In die Ewigkeit; niemand wird mich retten

 

Es ist so süß, aber auch so bitter

Ein Gefängnis, ein ewiger Winter

Du bist so stark und durch deine Kraft

Erfriert mein Herz, es wird zu hart

 

Während unseres Tanzes zerfällt das Eis

Die scharfen Splitter bilden einen Kreis

Sie sind gefährlich, verletzen schnell

Stirbt das Feuer, ist nichts mehr hell

 

Und wir sind zusammen, allein in der Nacht

Der Himmel donnert, bedrohlich deine Macht

Wir tanzen ihn für immer, diesen tödlichen Tanz …

An der Stelle meines Herzens ist nur noch dunkler Glanz

 

/Adrienn Kohári, den 14. 10. 2015/

 

Zu Gast an der Universität Szeged im Erasmus- und im Doppeldiplomstudium

Alle Wege führen nach Rom, heißt es sprichwörtlich. Und viele, wenn auch nicht alle, Wege führen auch nach Szeged. In einem Interview erfahren wir, auf welchen Wegen drei ausländische Studierende im Wintersemester 2015/2016 ihren Weg zu uns fanden.

GeMa sprach mit:

Anna-Christina Madaras, Studentin der Deutschen Philologie und Politikwissenschaften im Zwei-Fächer-Bachelor an der Universität Göttingen.

Jenny Kunke und Jonas Sowa, Studierende des sogenannten „Master Germanistik mit binationaler Option” von der Universität Kassel. Es besteht eine Kooperation zwischen Szeged und Kassel für MA-Studierende: sie verbringen ein Semester jeweils an der anderen Universität. Am Ende des Studiums bekommen die Studierenden ein Doppeldiplom.

GeMa: Wie gefällt euch Ungarn? Welche Sehenswürdigkeiten mögt ihr am liebsten in Szeged?

Anna-Christina: Mir gefällt Ungarn sehr gut. Die Menschen, denen ich in Szeged begegnet bin, sind alle sehr nett und hilfsbereit. Ich bin sehr vom Baustil der Stadt begeistert. Ich persönlich mag Art Nouveau sehr und viele Häuser hier sind ja nach der großen Flut von diesem Stil inspiriert, neu aufgebaut worden.

Jenny: Mein erster Stopp in Ungarn waren ein paar Tage Budapest und ich war begeistert von der Stadt, auch wenn ich mir alles größer vorgestellt habe. Die Architektur ist wirklich sehenswert. Ein Ort mit Geschichte, genauso wie Szeged. In Szeged mag ich den großen Park am liebsten, da er ein Teil meiner Joggingstrecke geworden ist. Ein Stück grüne Heimat im Ausland.

Jonas: Außer Szeged habe ich eigentlich nur Budapest gesehen, wo es mir aber sehr gefallen hat. In Szeged habe ich keinen Ort, den ich gesondert hervorheben möchte; ich mag es einfach, durch die Stadt zu laufen und das Stadtbild, die Architektur wahrzunehmen.

GeMa: Warum habt ihr gerade Ungarn gewählt?

Anna-Christina: Ein Teil meiner Familie wohnt in Ungarn und da ich nie richtig Ungarisch gelernt habe, war dies einer der Hauptgründe für mich, mein Erasmussemester in Ungarn zu verbringen. Außerdem steht das Germanistische Institut in Szeged in sehr engem Kontakt mit dem in Göttingen und von Göttinger Seite habe ich nur Bestes über die Stadt Szeged und die Universität gehört.

Jenny und Jonas: Die Kooperation der Universitäten Kassel und Szeged bieten diese Kombination an, von daher war es weniger eine Auswahl, als die Nutzung des vorhandenen Angebots. Durch unseren Studiengang, den Master Germanistik mit binationalem Schwerpunkt, ist die Universität Szeged die Partnerhochschule der Universität Kassel. Wir finden es aber interessant, ein Land kennenzulernen, welches nicht zu den gängigen Reisezielen von Schülern und Studenten gehört, wie zum Beispiel die USA.

GeMa: Lernt ihr auch Ungarisch? Wenn ja, wie schwierig ist es für euch?

Anna-Christina: Ja, ich lerne auch Ungarisch. Da ich schon innerhalb meiner Familie mehr oder weniger Kontakt mit der Sprache hatte, ist es nicht ganz so schwer. Dennoch habe ich auch meine Probleme. Die Sprache lässt sich dann doch nicht so leicht und so schnell lernen wie das Englische. Man muss lange dran bleiben und viel lernen, bis man erste Erfolge erzielt.

Jenny und Jonas: Igen. Wir haben im Zuge unseres Studiums im ersten Semester einen Sprachkurs Ungarisch und einen Landeskundekurs besucht. Es war eine gute Vorbereitung, auch wenn man nur die Grundlagen der Sprache vermittelt bekommen hat. Wir waren eine tolle Gruppe und deshalb hat mir das Lernen Spaß gemacht, auch wenn die Sprache „ausgefallener” ist, als zum Beispiel das gängige Französisch oder Spanisch.

GeMa: Was denkt ihr darüber, in drei Monaten das ganze Semester zu absolvieren?

Anna-Christina: Ich bleibe nur noch bis Mitte Dezember hier in Ungarn, da ich bereits Anfang Dezember mit all meinen Klausuren fertig sein werde und Weihnachten bei meiner Familie in Deutschland verbringen möchte.

Jenny: Einerseits hat man es dann auch schnell hinter sich gebracht. Man hat das Gefühl, dass das Semester hier, durch die integrierten Aufgaben, sehr schnell rumgeht. Andererseits sollte man, so wie in Kassel, in den Semesterferien Zeit für Seminararbeiten, etc. haben. Da kann man sich dann wirklich Gedanken dazu machen und hat nicht das Gefühl, man ist total überarbeitet.

Jonas: Die Dauer des Semesters ist ja nur unwesentlich größer als in Deutschland. Der größte Unterschied ist, dass alle Prüfungen und Arbeiten noch während des Semesters absolviert werden, was schon eine Umstellung ist. Aktuell ziehe ich das System in Deutschland vor, da es während des Semesters mehr Freiheiten erlaubt, aber ich werde es sicher genießen, wenn in der vorlesungsfreien Zeit tatsächlich nichts ansteht. Und grundsätzlich glaube ich, dass es für die Qualität der Hausarbeiten von Vorteil ist, wenn man sich mehr Zeit dafür nehmen kann.

GeMa: An welchen Veranstaltungen nehmt ihr am liebsten teil?

Anna-Christina: Mir hat das Seminar von Herrn Dr. habil Géza Horváth sehr gut gefallen (besagtes Seminar mit der vielen Lektüre). Wir haben eine gute Einsicht von den Autoren um die Jahrhundertwende bekommen und u.a. auch zwei meiner Lieblingsautoren (Thomas Mann und Hermann Hesse) sehr intensiv behandelt.

Jenny und Jonas: Unser Favorit ist der Unterricht bei Herrn Dr. habil. Attila Bombitz, da man kontroverse Debatten führen kann. Durch diese Interaktionen kann man mehr für sich aus dem Seminar mitnehmen.

GeMa: Könnt ihr auch Themen benennen, die für euch völlig neu sind und wenn ja, möchtet ihr euch mit diesen Themen mehr beschäftigen?

Anna-Christina: In Frau Dr. Erzsébet Szabós Seminar habe ich einiges über kognitive Prozesse beim Lesen gelernt bzw. wie wir lesen und wie man den Leser als Autor lenken und beeinflussen kann. Diese kognitive bzw. psychoanalytische Seite der Literaturwissenschaft habe ich vorher noch nicht gekannt, fande es aber sehr interessant und spannend.

Jenny: Die sehr vielen und tiefgründigen Seminare in der Linguistik waren für mich völlig neu. Auch aus der österreichischen Literatur waren mir nur vereinzelte Autoren bekannt.

Jonas: Die österreichische Literatur. Natürlich hat man einzelne Autoren auch in Kassel gelesen, aber da wurde nicht weiter auf Österreich eingegangen, sondern Texte sind halt alle gleichermaßen deutschsprachige Literatur. Sowohl die Einblicke in die Korpuslinguistik bei Herrn Péter Kappel, als auch der grundsätzlich kontrastive Ansatz von Herrn Dr. habil. Attila Péteri und Frau Dr. habil. Ewa Drewnowska-Vargáné waren neu.

GeMa: Was werdet ihr euren deutschen Kommilitonen über das ungarische Studium erzählen? Gab es Probleme, die unerwartet auftauchten?

Anna-Christina: Dass es mir hier sehr gut gefallen hat. Dass es eine große Auswahl an unterschiedlichen Kursen gab und die Seminare zwar klein, aber nicht so überfüllt wie in Deutschland sind und dadurch auch nicht so unpersönlich.

Jenny: Du musst lernen, dich noch selbstständiger zu organisieren und natürlich aktiver in den Seminaren dabei zu sein. Auch die hohe Anzahl an benoteten Leistungen muss man im Gedächtnis haben, wenn man nach Szeged kommen will. Hätten wir am Anfang keine Hilfe von einer sehr netten Studentin, bei universitären und wohnungstechnischen Problemen gehabt, dann wäre ich bestimmt verzweifelt.

Jonas: Eigentlich das bisher Gesagte. Es gibt neue Themen, über die man etwas lernen kann und dass es zumindest unterschiedliche Tendenzen gibt. Und dass man in Szeged mehr benotete Leistungen absolvieren muss. Probleme gab es nicht, außer dass es in Ungarn scheinbar kein Bananeneis gibt. Das war verstörend. J

GeMa: Vielen Dank für das Gespräch!

 

/Adrienn Kohári/

Adrienn Koháris Gedicht

Der Kampf zwischen Gefühlen und Sinn

Ich fühle mich allein in der Mitte der Welt
Wo das Wichtigste ist immer nur das Geld
Millionen von Menschen, die oberflächlich sind
Mit falschem Grinsen umringen mich wild

Inkompetente Leiter, inkonsequente Taten,
Die nur das Chaos und die Furcht steigern
Man kennt die Wahrheit nicht und hat kein Ziel
Wir sind nur Marionetten in einem rauen Spiel

Und hier bin ich mit meinen Gedanken
Die sich als Schatten an mich machen
Finde keine Ruhe, es gibt nur Her und Hin:
Ein ständiger Kampf zwischen Gefühlen und Sinn

Das Leben rennt und ich stehe nur erstaunt
Der kalte Wind weht unter meine Haut
Einmal geliebt sein, dann plötzlich verlassen
Warum konnte ich nicht besser aufpassen?

Ich möchte nur laufen, frei und selbstvergessen
Um meine Tränen und den Zorn herauszulassen
Schreien, wenn ich will, oder nur tief atmen
Stehen, wenn ich will, oder nur im Regen tanzen

Im Zimmer herrscht Stille, alles ist ruhig
Nur meine Seele und mein Herz sind traurig
Ich war so glücklich, jetzt habe ich nur Angst
Und das Leben rennt noch immer, dauerhaft.

/Adrienn Kohári, am 30. März 2015 in Szeged/

 

Studentenarbeit in Österreich

Viele Studierende interessieren sich für einen Job im Ausland. Die Gründe dafür sind vielfältig: man möchte etwas Neues erleben, verschiedene Impulse erfahren und natürlich Geld verdienen.  Aber worauf muss man achten? Welche Kriterien sind unerlässlich, einen guten Job zu finden? Überhaupt, was für Arbeitsmöglichkeiten gibt es für die Studierenden?

Wenn man in Österreich arbeiten möchte, ist es ratsam, in erster Linie die Webseite des Arbeitsmarktservice Österreichs zu besuchen. Hier kann man unmittelbar Stellen suchen. In der erweiterten Suche ist es auch möglich, differenziert nach Arbeitszeit, Dienstverhältnis, Ausbildung, Beruf, Arbeitsort, Bundesland zu recherchieren. Wenn man damit fertig ist und eine passende Arbeit findet, kontaktiert man am besten direkt den Arbeitsgeber. Ich empfehle meinen Kommilitoninnen und Kommilitonen, dass sie beim Dienstverhältnis die Ferialstelle (ein kurzfristiges und befristetes Arbeitsverhältnis, das Schüler oder Studenten während der Schul- bzw. Semesterferien eingehen) oder die Lehrstelle wählen, weil wir während des Studiums nur im Juli und im August eine Arbeit im Ausland machen können.

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Aus eigener Erfahrung weiß ich zu schätzen, dass man in Österreich für die formalen Angelegenheiten und für die Reise nur den Personalausweis braucht. In Österreich gibt es im Bereich Hotellerie die breiteste Auswahl an Arbeiten. Es lohnt sich insbesondere, wenn man sowohl Kost als auch Logis frei bekommt, denn dann hat man nur die Fahrkosten zu bezahlen – von Budapest nach Tirol kostet das ca. 70-80 Euro, aber es gibt immer günstige Gelegenheiten bei ÖBB (Österreichische Bundesbahnen) – und etwa 150-200 Euro für den ersten Monat mitzubringen (z. B. für Arznei, persönliche Bedürfnisse, usw.) Im Allgemeinen bekommen die Studierenden 700-1000 Euro netto pro Monat. Falls kein (freies) Logis angeboten wird, muss man in dem gegegeben Ort eine Unterkunft finden, z. B. in einer Jugendherberge oder in einem Arbeiterwohnheim. Über die Preise haben wir eine Mitstudentin, Viktória Oláh gefragt, die im Sommer auch in Österreich gearbeitet hat. Sie musste für Verpflegung und Unterkunft selbst aufkommen: „Man muss für das Logis eine Kaution von 300 bis 500 Euro bezahlen und die Unterkunft kostet ca. 300 Euro pro Monat. Für die Lebensmittel muss man mindestens 150 Euro pro Monat haben, das heißt aber auch, dass man ziemlich sparen muss.”

Für die Hotellerie sind folgende Arbeitsmöglichkeiten typisch: Zimmermädchen bzw. -bursche, Küchenhilfe, Kinderbetreuerin bzw. Kinderbetreuer und Rezeptionistin bzw. Rezeptionist. Nicht alle Hotels erwarten von den Berberwern praktische Erfahrungen.

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Ich arbeitete als Kinderbetreuerin in einem Vier-Sterne-Hotel in Ladis (Tirol). Ladis ist eine hübsche Gemeinde im Bezirk Landeck. In der ersten Woche musste ich mich im sogenannten Gemeindehaus anmelden, aber die Europäische Krankenversicherungskarte hat mir meine Chefin besorgt. Am Ende meines Ferialjobs sorgte ebenfalls sie für meine Abmeldung.

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Zirka 42 Stunden pro Woche zu arbeiten ist gar nicht viel und jeder Samstag war frei. Die Ruhetage sind natürlich nicht an jedem Arbeitsplatz am Samstag, es ist unterschiedlich. Es gab kleinere Wanderungen für die Kinder, Wettbewerbe am Spielplatz, Ponyreiten und Basteln. Am meisten kamen Familien aus der Schweiz, um eine schöne und abwechslungsreiche Woche in Tirol zu verbringen, aber es gab auch natürlich einige deutsche und niederländische Gäste. Schweizerdeutsch ist besonders schwer zu verstehen, genau wie der Tiroler Akzent, aber die Eltern verwendeten Hochdeutsch und die Schweizer Kinder, die in der Schule schon Hochdeutsch lernen, auch. Diese tägliche Kommunikation mit den Muttersprachlern förderte mein Selbstvertrauen, was einfach unerlässlich ist.

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Mein Aufenthalt in Österreich war aber nicht nur eine Arbeit für mich, sondern auch ein Urlaub. Tirol ist wunderschön. Die Berge sehen so aus wie auf den allbekannten Postkarten. Alles in allem: Von einem solchen Abenteuer kann man nur profitieren, weil das Selbstvertrauen, das Selbstbewusstsein, die Selbständigkeit, die Ausdauer und die Selbstkenntnis sehr gefordert werden können. Und, was das Wichtigste ist: Man hat genug Geld für das Leben während des Studiums. An jeden, der noch Zweifel hat, geht die Botschaft: Wir können nichts verlieren, sondern nur gewinnen.

/Adrienn Kohári/

Fotos: Adrienn Kohári