Ein Sprung in die Jahrhunderte. Die Faszination wird auch dich packen, mitreißen, weinen lassen

Erhöhter Testosteronspiegel, schlammiges Regenwetter und durchdringend blaue Augen inklusive

Zeitspringer ist der zweite als E-Book veröffentlichte Roman von Leonie Kruschinsky. Er tauchte erstmals 2015 bei dem “Kindle Storyteller Self Publishing Award“ bei amazon auf, einem organisierten Wettbewerb von Kindle Direct Publishing, FOCUS und dem Freien Deutschen Autorenverband für junge Schriftsteller/innen, dessen erster Platz unter anderem ein Druckrecht des eigenen Buches vorsah. Zeitspringer stieß bisher auf sehr positive Resonanz von Seiten der Leserschaft, auch wenn es zum ersten Platz nicht reichte. Das Buch sei wie in einem Rausch innerhalb von nur drei Monaten entstanden, wobei sowohl der Anfang, als auch das Ende bei jedem ihrer bisher geschriebenen Bücher im Vorfeld vorhanden wären und sich der konkrete Handlungsstrang während des Schreibprozesses entwickeln würde, so die Autorin. Auch würden ein Satz, ein Lied oder ein Gedanke für eine weitere Buchinspiration genügen.

Wer möchte nicht einmal in die vergangenen Jahrhunderte reisen, um berühmte Persönlichkeiten zu treffen, historische Gebäude zu erkunden oder den Gang der Dinge zu verändern? Menschen könnten neu getroffen, Tragödien verhindert, das eigene Glück selbst in die Hand genommen werden. Doch ist dies nicht auch mit einem Chaos gleichzusetzen, wenn jeder versucht den größten Nutzen aus der Geschichte zu schlagen? Die Idee des Reisens in die Vergangenheit ist keinesfalls in Literatur oder Hollywood-Verfilmungen neu. Sich selbst als Herrscher über Zeit und Raum verstehen zu können, übte schon seit jeher eine Faszination auf die Menschen aus. In Zeitspringer versucht der Zeitspringer Paul wider die Vernunft und gegen die ihm entgegengebrachte Liebe sein Ziel zu erreichen. Ohne Rücksicht auf die Geschichte oder die zwei Freundinnen Lilian und Annabelle zu nehmen, die unwissend außerhalb der Zeit leben und sich deshalb sowohl für ihn als auch für den Zeitspringer Dean als sehr nützlich erweisen, verfolgt er zielstrebig seinen Plan. Der Plan von was? Diese Frage stellt sich der Leser, wobei der Spannungsaufbau des Buches bis zum Schluss andauert.

Nach einem sehr schweren Schicksalsschlag und einer beklemmenden Atmosphäre am Anfang des Buches, können zwar die eingeführten Charaktere mit ihren Persönlichkeiten überzeugen, jedoch muss sich der Leser erst an die sehr pathetischen Monologe von Lilian und ihre Lebensweisheiten gewöhnen. Sie klammert sich im Laufe des Buches gerne an das Klischee der blauen Augen fest oder begegnet den Herren der Schöpfung scharfzüngig mit der „Moralkeule“. Aberwitzig gestalten sich jedoch die Gedächtniseinwürfe ihrer rechten und linken Gehirnhälfte. Während des ganzen Buches hat der Leser dadurch eine direkte Verbindung zu Lilians Vorstellungswelt, wobei diese teilweise fraglich ist, teilweise zum lauten Lachen anregt. Ab dem dritten Zeitsprung, der Ankunft im Zeitalter Napoleons, kann sich dann der Leser förmlich in detailgetreuen und lebensnah nachempfundenen Beschreibung von Gebäuden, Personen und Landschaften verlieren, die die Seiten des Buches fast von alleine umblättern lassen. Eine aberwitzige Reise beginnt, wobei die Protagonisten, losgelöst von Zeit und Raum, allen bekannten historischen Persönlichkeiten vis a vis gegenübertreten können und so Geschichte hautnah miterleben, indem sie schreiend vor dem blutrünstigen Heinrich VIII. fliehen, lehrreiche Gespräche mit Rasputin führen oder ausschweifende Feste am französischen Hof feiern; viele weitere Begegnungen inbegriffen.

In diesem Erlebnisrausch muss Lilian, abgesehen von den immer wieder auftauchenden, „kackbraunen“ Schlabberklamotten und den „Lederlatschen“, nicht nur mit der Anpassung an das Benehmen der Jahrhunderte kämpfen, sondern auch mit Hilfe des charmanten Zeitspringers Dean den Unruhestifter finden und ihn an seinem Plan zu hindern suchen. Zu allem Überfluss kann sich dieser jedoch zahlreicher Tricks bedienen und darüber hinaus noch Annabelle als Mittel zum Zweck missbrauchen. Im Laufe des Buches werden Schritt für Schritt die wahren Beweggründe der einzelnen Personen offengelegt, wobei die Autorin böse Überraschungen für die Protagonisten in die Geschichte eingeflochten hat, die die Spannung greifbar machen.

Wie mir die Autorin mitgeteilt hat, möchte sie nach der Veröffentlichung von Zeitspinger als E-Book diesen auch als gedrucktes Buch herausbringen. Mit Amejan und das Geheimnis des verbotenen Buches feierte die junge Autorin bereits 2012 im (Verlag) Papierfresserchens MTM-Verlag ihren Debütroman und gab diverse Lesungen in Schulen oder Buchhandlungen im Ruhrgebiet, Hessen, Bayern und am Niederrhein, wobei sie die gebannten Zuhörer bei ihren „Wasserglaslesungen“ – bei denen die Autorin bei einem Glas Wasser aus ihrem Roman vorliest – begeistern konnte und nachher für Autogramme und ein offenes Wort für die kleinen und großen Leser bereit stand. Auch lokale Zeitungen, wie die Hessische/Niedersächsische Allgemeine, kurz HNA, berichteten mehrfach über ihre große Leidenschaft, das Schreiben. Das Abenteuer rund um Amejan sei jedoch noch nicht abgeschlossen, sondern als Trilogie angelegt, wobei der zweite Teil schon geschrieben sei und bald zur Veröffentlichung zur Verfügung stehen solle, ebenso wie ein viertes Buch, dessen Titel noch nicht preisgegeben werden würde, so Frau Kruschinsky. Es würde jedoch ein Abenteuerroman werden, der einige Leser an Die Schatzinsel von Robert Louis Stevenson erinnern könnte. Um nicht untätig zu bleiben und die Leserschaft bei Laune zu halten, hat die Autorin erst vor wenigen Tagen mit ihrem fünften Buch angefangen. Na dann, auf zu neuen spannenden Abenteuern. Wer wird heute denn nicht mehr an Märchen glauben?

/Jenny Kunke/

Autorin: Leonie Kruschinsky

Buch: http://www.amazon.de/s/ref=a9_sc_1?rh=i%3Aaps%2Ck%3Aleonie+kruschinsky&keywords=leonie+kruschinsky&ie=UTF8&qid=1447856454

ASIN: B014LC8YJ6

Preis: 8,80 Euro

Weitere Informationen zur Autorin unter: www.lennybeee.blogspot.de

Zwischen Argumentation und Erzählung

Eine linguistische Reise zurück in die Schulzeit

Am 01. Oktober 2015 um 18 Uhr durfte die Universität Szeged Frau Dr. Miriam Langlotz von der Universität Kassel für einen Gastvortrag mit dem Thema „Themenentfaltungsmuster und spezifische Ausdrucksformen in Schülertexten, Junktionsausdrucksprofile von Erzählung und Argumentation im Vergleich“ begrüßen. Der 45-minütige Vortrag mit anschließender Diskussion im Haus der Filiale der Ungarischen Akademie der Wissenschaften ist als Nachhall ihrer Dissertation zu verstehen, die sie bei Herrn Prof. Dr. Vilmos Ágel zum Thema „Junktion und Schreibentwicklung“ verfasste und 2014 bei De Gruyter veröffentlicht hat. Der Vortrag lud sowohl Dozenten/Dozentinnen als auch Studierende ein, sich an ihre eigene Schulzeit mit dem Erwerb von argumentativen und narrativen Textstrukturen zu erinnern.

Frau Miriam Langlotz studierte Deutsch im Lehramtsstudium an der Universität Kassel und arbeitet zurzeit an dieser als wissenschaftliche Mitarbeiterin. Darüber hinaus hat sie das Amt einer Lehrkraft für besondere Aufgaben an der Universität Gießen inne und forscht und lehrt in diesem Rahmen zu Fragen der Schreibentwicklung, Textlinguistik, Soziolinguistik und Grammatik-Didaktik.

In Verbindung dazu steht der von ihr gehaltene Vortrag, der 2016 in Form eines Aufsatzes in dem Sammelband Mündliches und schriftliches Handeln im Deutschunterricht. Wie Themen entfaltet werden bei Peter Lang in der Reihe Positionen der Deutschdidaktik erscheinen wird. Als Begründung für die Auswahl ihres Vortragsthemas betonte Frau Langlotz, dass es ein textlinguistisches Thema sei, welches hoffentlich gut zu den Forschungsschwerpunkten des Institutes der Universität Szeged, allen voran von Frau Doktor Drewnowska-Vargáné, passen werde.

 Frau Dr. Miriam Langlotz

Nach einer freundlichen Einführung durch Frau Dr. Habil. Anna Fenyvesi, Dozentin und Institutsleiterin des Instituts für Anglistik und Amerikanistik der Universität Szeged und Vorstand der Linguistischen Kommission der Szegeder Filiale der Ungarischen Akademie der Wissenschaften, begann der Abend. Der Vortrag stehe für den langjährigen, gut funktionierenden didaktischen und wissenschaftlichen Austausch zwischen den beiden Universitäten in Kassel und Szeged, so Frau Drewnowska-Vargáné zur Begrüßung der Dozentin und des Publikums, welches den Saal gut füllte. Die Schnittstelle sei die Textlinguistik und Sprachdidaktik, vor allem im aktuellen Deutschunterricht an deutschen Schulen im Bundesland Hessen, so Langlotz. Den Einstieg boten die hier behandelten Themenentfaltungsmuster wie die im Deutschunterricht zu erwerbende literale Kompetenz[1], mit der sich der Schüler/die Schülerin sowohl durch Rezeption als auch durch Produktion schriftlicher Texte das Wissen einer Schriftkultur aneignen kann. Die funktionale Gestaltung wurde in ihrem Forschungsprojekt in den Fokus gestellt, woraufhin sie argumentative und narrative Situationen in insgesamt 382 Texten für die fünfte, siebte und neunte Klasse in Schulen des Bundeslandes Hessen entwickelte. Diese Eingrenzung des Untersuchungsrahmens liegt nahe, da die Dozentin an der Universität Kassel lehrt und im Landkreis Kassel zu Hause ist. Insgesamt sollte jeder Schüler/jede Schülerin in zwei Texten die Aufgabenstellungen beantworten, wobei bei der zweiten Befragung einige Kinder krank waren und deshalb nur 202 Schüler/Schülerinnen für die Untersuchung zur Verfügung standen. Eine Aufgabe war zum Beispiel die implizite Aufforderung des einleitenden Textes, den eigenen Tagesablauf zu beschreiben. Die Frage, von welchem Alter an man Themenentfaltungsmuster einsetzen kann, war hier zentral.

Die Gliederung des Vortrages sah vor: 1. Themenentfaltungsmuster und spezifische Ausdrucksformen im Erwerb, 2. Junktion in Themenentfaltungsmustern, 3. Empirische Untersuchung, 4. Beispieltextanalysen, 5. Fazit. Diese Punkte wurden systematisch behandelt, wobei sowohl die deutschen, als auch die ungarischen Dozenten/Dozentinnen und Studenten/Studentinnen thematisch, als auch im Hinblick auf das Sprechtempo sehr gut folgen konnten. Es war eine sehr gute Verknüpfung von exemplarischen Forschungspunkten, der Einbettung der Ergebnisse in einen Gesamtzusammenhang und deren strukturierte Präsentation, so das Fazit einiger Studenten/Studentinnen.

Das didaktische Konzept der Textprozeduren, welches auch unter einer kulturellen Prägung steht, beschreibt die textliche Ausführung eines Themas mittels bestimmter sprachlicher Handlungen. Je nach Rückgriff auf ein bestimmtes Formulierungsmuster lässt sich eine Textsorte identifizieren. Junktoren erleichtern dabei dem Rezipienten das Verständnis des Textes, da sie eine Verbindung zwischen Ursache und Folge schaffen. Deshalb sind sie auch als ein zentraler Bestandteil zum Aufbau von Themenentfaltungsmustern zu werten. Anhand von unterschiedlichen Beispieltexten wurden die Junktoren in der deutschen Syntax anschaulich erklärt. Bei der Auswertung der Texte zur Argumentation wurden die drei Typen der adversativen, temporalen und kausalen Argumentation besonders berücksichtigt. So wird zum Beispiel „aber“ in dem Junktionsausdrucksprofil der Adversativität bei den argumentativen und erzählenden Texten besonders in der fünften Klasse verwendet und nimmt bis zur neunten Klasse prozentual gesehen ab. Die häufige Verwendung des Junktors kann auf seine syntaktische und semantische Flexibilität zurückgeführt werden. Demnach gibt es fünf verschiedene Lesarten von „aber“. Bei dem Junktionsausdrucksprofil der Kausalität fiel „weil“ auf, da auch dieser Junktor syntaktisch und semantisch gesehen sehr flexibel einsetzbar ist. So werden im Verhältnis zu „aber“ und „weil“ in Erzählungen „doch“ und „denn“, in Argumentationen „allerdings“, „jedoch“ und „da“ realisiert. Ihre Untersuchungen zeigten, dass die Schüler/Schülerinnen bereits ab der fünften Klasse Erzählungen verfassen konnten, wobei eine logisch und begründbar aufgebaute Argumentation erst in der neunten Klasse sichtbar wurde. Diese Tendenz zeigte sich auch bei der Verwendung der Junktoren „doch“ und „da“, die von den Schülern/Schülerinnen in höheren Jahrgängen häufiger realisiert werden und spezifische Funktionen innerhalb der Themenentfaltungsmuster von Argumentation und Erzählung abdecken. So die Markierung der Komplikation durch „doch“ in der Erzählung oder die Überzeugungsfunktion von „da“ in der Argumentation. Die Frage nach der intuitiven Entwicklung der Kinder oder der vom Lehrer/von der Lehrerin geforderten Muster zur Textgestaltung blieb jedoch offen.

Das Fazit zeige, dass sich die Orientierung der Schüler/Schülerinnen stark an ein Normengeländer[2], als eine Art Produktionsstrategie verstanden, anlehnt, welches in höheren Jahrgängen freier verwendet wird. Dieses besagt, dass Kinder zu Beginn des Schreibens Regeln der Grammatik strikt anwenden und erst mit der Zeit Unregelmäßigkeiten im System erkennen, diese in ihrem Prozess der Textproduktion umsetzen und in ihrer eigenen Textentwicklung freier verwenden. Die Texte weisen dann eine höhere sprachliche Flexibilität und Komplexität auf. Dabei stellt der Prozess der Textprozeduren ein didaktisches Instrument dar, welches zur Förderung der literalen Kompetenz beiträgt, in dem auch der Formenerwerb und der resultierende Funktionserwerb eine Verbindung eingehen.

Bei der sich anschließenden Diskussion, angeleitet von Frau Drewnowska-Vargáné, wurde unter anderem die aktuelle Forschungsdebatte in der Schreibentwicklungsforschung angesprochen. Demnach können die Schüler/Schülerinnen bereits in der Grundschule argumentieren, wobei das gezielte Üben im Bundesland Hessen erst mit dem neunten Schuljahr im Lehrplan auftaucht. Sollte man damit nicht früher anfangen?, so die eingeworfene Frage von Langlotz. Die Fähigkeit zur Ausarbeitung von Pro- und Contra-Listen lässt sich bereits vor der neunten Klasse nachweisen. Dieser zentrale Punkt wird aktuell in der Forschung diskutiert, wobei ein klares Resultat noch aussteht. Wichtig ist jedoch, dass Dozentinnen wie Frau Langlotz einen entscheidenden Beitrag zur aktuellen Forschung leisten, indem sie auf einer empirisch nachprüfbaren Basis Forschungsergebnisse präsentieren, die Thesen und andere Annahmen bekräftigen oder widerlegen.

 

/Jenny Kunke/

[1]    Dieser Fachbegriff befindet sich in der u.g. Fachpublikation Feilke, Helmut (2014a)

[2]    Interessierte können in der Publikation von Dannerer, Monika (2012) mehr erfahren.

Quellen:

Feilke, Helmut (2014a): Begriff und Bedingungen literaler Kompetenz, In: ders.; Thosten Pohl    (Hrsg.) Schriftlicher Sprachgebrauch – Texte verfassen. Baltmannsweiler. 23-53

Dannerer, Monika (2012): Narrative Fähigkeiten und Individualität. Mündlicher und schriftlicher Erzählerwerb im Längsschnitt von der 5. bis zur 12. Schulstufe. Tübingen.