Interview mit unserer neuen Lektorin am Lehrstuhl für österreichische Literatur und Kultur

Seit September 2016 hat das Institut für Germanistik eine neue Lektorin aus Österreich, Frau Christina Schrödl, die sich am Lehrstuhl für österreichische Literatur und Kultur betätigt. Warum kommt eine Wienerin nach Szeged? Wie gewöhnt sich eine Ausländerin an Szeged? Wie findet sie die ungarische Sprache? Darüber habe ich mich mit Christina Schrödl unterhalten und in diesem Interview bekommen wir auf alle Fragen die Antwort.

GeMa:Sie sind im September 2016 nach Szeged gekommen und einige Monate sind jetzt schon vorbei. Wie gelang es Ihnen, sich an Szeged und die Uni zu gewöhnen?

Christina Schrödl: An die Stadt habe ich mich noch nicht richtig gewöhnt, aber an die Uni schon. Es gibt große Unterschiede zwischen der Uni Wien und der Szegeder Universität, z.B. die Struktur des Studiums. Das Semester beginnt hier schon im September, das ist komisch bzw. neu für mich, weil in Wien der Unterricht später – erst im Oktober – anfängt. Es ist auch ein Unterschied, dass die StudentInnen die Prüfungen nicht in der letzten Vorlesungseinheit schreiben, sondern in der Prüfungszeit. Eine Prüfungszeit in dem Sinn gibt es in Österreich nicht. Vorlesungen werden in der letzten Semesterwoche und (meistens) in der ersten Semesterwoche des darauffolgenden Semesters schriftlich geprüft. Das Ablegen einer Vorlesungsprüfung ist bis ein Jahr nach Ende der Vorlesung möglich. Alle Studierenden haben drei reguläre Möglichkeiten bzw. Antritte, um die Prüfung zu schreiben. Die StudentInnen und DozentInnen hier finde ich natürlich sehr nett.

GeMa: Woher stammen Sie und was haben Sie studiert?

CS: Ich stamme aus dem Burgenland und habe ganz nahe an der ungarischen Grenze gewohnt bzw. bin ich am Eisernen Vorhang aufgewachsen und nach der Matura bin ich zum Studium nach Wien gezogen. Da habe ich bis August 2016 gelebt. An der Universität Wien habe ich Germanistik und Geschichte studiert, es war eigentlich ein Lehramtsstudium. Im September danach habe ich mein einjähriges Unterrichtspraktikum an einem Gymnasium gemacht und gleichzeitig begonnen, bei der Österreichischen Akademie der Wissenschaften zu arbeiten. Ein Jahr darauf habe ich mein Doktoratsstudium begonnen, das ich auch jetzt noch mache. Seit letztem Juli bin ich im Lektoratsprogramm der OeAD GmbH und habe im Zuge dessen auch am ersten Teil des Zertifikatskurses „Kompetenzfeld Auslandslektorat“ am Postgraduate-Center der Universität Wien teilgenommen.

GeMa: Wo haben Sie schon gearbeitet?

CS: In meiner Schulzeit (mit 17) habe ich ein Praktikum im Gastgewerbe gemacht und auch die folgenden Jahre habe ich im Sommer als Kellnerin gearbeitet. Kurz nach dem Beginn meines Studiums bis zum Ende meines Studiums war ich Sekretärin bei einem Ziviltechniker. Wie bereits oben angesprochen, habe ich auch ein Jahr an einem Gymnasium unterrichtet. Auf Werkvertragsbasis habe ich beim ÖBV (Österreichischen Bundesverlag) bei der Digitalisierung bzw. der digitalen Aufbereitung und beim Korrektorat des Österreichischen Wörterbuchs mitgearbeitet. An der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW) war ich unter anderem im Projekt Wörterbuch der bairischen Mundarten in Österreich tätig. In den letzten Jahren habe ich mich auch mit Korpuslinguistik beschäftigt. Im Rahmen meiner Tätigkeit bei der ÖAW habe ich auch Vorträge gehalten, Aufsätze geschrieben, Tagungen organisiert und ein binationales Drittmittelprojekt koordiniert.

GeMa: Wie kamen Sie auf die Idee, nach Ungarn zu gehen und hier zu arbeiten?

CS: Wie ich schon erwähnt habe, stamme ich aus dem Burgenland, das an Ungarn grenzt und bis 1921 ein Teil Ungarns war. Ich wollte mehr über Ungarn erfahren, weil ich es ganz interessant finde und schon oft darüber nachgedacht habe, wie es gewesen wäre, wenn das Burgenland ein Teil Ungarns geblieben wäre. Einer meiner Vorfahren – mein Urgroßvater – war vermutlich ungarischsprachig. Er stammte aus der Gegend südöstlich meines Heimatortes, also aus dem heutigen Ungarn.

GeMa: Wie finden Sie eigentlich die ungarische Sprache und Szeged?

CS: Die Sprache finde ich sehr schön und nicht so kompliziert, wahrscheinlich sagen das hauptsächlich Menschen mit linguistischem Hintergrund. In Wien habe ich drei Sprachkurse besucht, die mir viel geholfen haben, aber leider konnte ich sie jetzt im Wintersemester nicht fortsetzen, da ich zu viel zu tun hatte. Die Grammatik ist meiner Meinung nach sehr interessant, weil sie – zumindest auf den ersten Blick – sehr regelmäßig ist. Diese Geschichte mit den Bindevokalen bedeutet kein Problem für mich und die Suffixe (z.B. ban, ben; tól, től) sind auch nicht so kompliziert. Natürlich möchte ich die Sprache noch besser lernen, aber ich kenne schon die Begrüßungen, kann im Restaurant bestellen und solche Dinge, die man eben am Anfang in einer Fremdsprache lernen muss.

Szeged ist die erste mittelgroße Stadt, in der ich lebe. Ich finde es sehr gut, dass man innerhalb des Tisza Lajos-Ringes alles zu Fuß erreichen kann. Die Menschen auf der Straße und in den Geschäften sind freundlich. Einmal ist es mir im Geschäft passiert, dass ich Topfen kaufen wollte, aber es sah wie ein Butterpaket aus, obwohl Túro draufstand. Ich wusste nicht, ob ich jetzt Topfen oder Butter gekauft hatte, aber zum Glück war es Topfen. Ich wollte nämlich Túrós Tészta (in meinem Heimatort sagen wir dazu Topfennockerl oder Topfenfleckerl mit Speck) machen.

GeMa: Was meinen Sie, welche Unterschiede gibt es zwischen der Lehre an der Uni in Österreich und in Ungarn?

CS: Ich habe nicht selbst an der Uni unterrichtet und mein Studienbeginn ist schon sehr lange her. Ein Doktoratsstudium lässt sich damit nicht vergleichen. Für mich war es damals eine neue Welt, da ich wirklich vom Land (ca. 2000 EinwohnerInnen) in eine Millionenstadt und damit in ein vollkommen anderes Umfeld gezogen bin. Der Beginn war deshalb sehr schwierig für mich und es hat mich sehr viel Überwindung gekostet, in den Lehrveranstaltungen an der Uni zu sprechen, vor allem auch, da die Seminare und Übungen teilweise oft von 40 oder mehr Studierenden besucht wurden. Deshalb kann ich die Studierenden hier verstehen, wenn sie sich zu Anfang nicht so recht trauen, im Sprachunterricht wirklich zu sprechen und mitzumachen. Ich hatte damals Hemmungen in meiner Muttersprache, daher denke ich, dass es nicht verwunderlich ist, wenn man bei einer neuen muttersprachlichen Lehrenden vielleicht nicht gleich besonders viel spricht. Meiner Meinung nach ist es mir aber relativ gut gelungen, die Studierenden im Laufe des Semesters dazu zu motivieren, in den Sprachübungen auch viel zu sprechen. Ohne Übung geht es nämlich nicht.

GeMa: Sie leiten zusammen mit Herrn Christoph Beeh das GeMa. Wie finden Sie die Arbeit bei dem Magazin?

CS: Sie ist anspruchsvoll, aber in diesem Semester gibt es nur wenige Leute. In der kleinen Gruppe ist es jedoch schwierig, die StudentInnen zu motivieren, etwas zum Text zu sagen. Deshalb habe ich verschiedene Kriterien zusammengestellt, die uns bei der Herangehensweise an die Texte und ihrer Bewertung helfen. Seit wir das so machen, läuft es ganz gut, denke ich. So haben nämlich alle aus der Gruppe etwas zu sagen. Bei einer größeren Gruppe wäre es kein Problem, dass die StudentInnen ihre Meinung zu einem Text äußern. Es könnte dann aber passieren, dass sich immer dieselben fünf bis sechs Leute melden.

GeMa: Wie finden Sie die Deutschkenntnisse der StudentInnen?

CS: In den Sprachübungen kann ich sagen, ziemlich gut, eigentlich besser als erwartet. Besonders bei den StudienanfängerInnen ist das Niveau aber relativ unterschiedlich, sodass es manchmal schwierig ist, das richtige Tempo zu wählen: eines, das die einen nicht über- und die anderen nicht unterfordert. Für manche ist es schwierig, sich auszudrücken, aber es ist unsere Aufgabe, alle innerhalb von drei Semestern in allen Sprachkompetenzbereichen auf C1-Niveau zu bringen, damit sie die Grundprüfung schaffen!

/Lívia Gyulai/

Bücherberg im Eingangsbereich des Ady-Gebäudes

Blick auf die Belvárosi Híd

Unterkunft, Bürgeramt, Uni? So geht Erasmus+ ohne Probleme!

Im GeMa können wir bereits viele Artikel über das Erasmus-Stipendium lesen. Mit diesem Artikel möchte ich einem Mangel abhelfen, und zwar möchte ich Euch einige Fehler nennen, denen man mit etwas Vorbereitung leicht vorbeugen kann. Ich möchte Euch praktische Tipps an die Hand geben, um Probleme zu lösen oder zu umgehen, auf die man sicher treffen wird, falls man vorhat, ein Erasmus-Semester in Deutschland, speziell in Berlin, zu verbringen.

Problem 1: Unterkunft suchen
Wenn man sich für ein Erasmus-Stipendium bewirbt, denkt man, dass alles klappen wird: Man bekommt das Geld und muss nur reisen. An den meisten Universitäten in Deutschland, die sich in kleineren Städten befinden, hat man wirklich kein Problem mit der Unterkunftssuche, aber in der Hauptstadt, in Berlin, wo auch ich mein Auslandssemester verbracht habe, hat man noch viel vor dem Reisen zu tun.
Ich empfehle, so früh wie möglich eine Unterkunft zu suchen, weil die Studierendenwohnheime voll sind. Wenn man Glück hat, kann man dort einen Platz finden, den muss man aber ein Jahr vorher buchen. Die Plätze sind meistens unabhängig von den Unis, aber wirklich gute Unterkünfte für vier Monate.
Falls man allein wohnen will, gibt es viele Einzelwohnungen, aber diese sind natürlich teurer und man muss mehr Energie und Zeit investieren, um eine gute Wohnung zu finden. Mein Tipp für Euch ist, dass es sich lohnt, alle Bekannten, die helfen können, aufzusuchen. Die Preise in Studierendenwohnheimen liegen bei 200–400 €, für Einzelwohnungen bei 400–800 €. Wenn man natürlich FreundInnen hat, mit denen man sich zu einer Wohngemeinschaft (WG) zusammentun kann, ist die Miete billiger.

Problem 2: Anmeldung im Bürgeramt
Egal wohin man fährt: Es ist Pflicht seitens Erasmus+, dass man während des Aufenthaltes eine angemeldete Adresse im Gastland hat. Die Unterkunft in einem Studierendenwohnheim ist ganz legal und diesbezüglich unproblematisch! Man bekommt eine Bescheinigung, mit der man sich im Bürgeramt anmelden kann.
Etwas komplizierter ist die Situation, wenn man in einer Wohnung Unterkunft findet: Viele Wohnungen sind Mietwohnungen, was bedeutet, dass die Wohnungen schon MieterInnen haben. Willst du legal zur Untermiete wohnen, muss der/die MieterIn in seinem/ihrem Vertrag nachschauen, ob es möglich ist, und dann einen Antrag bei der Hausverwaltung stellen. Erst danach kannst du deinen Wohnsitz dort auch im Bürgeramt anmelden. Das Ganze ist natürlich sehr bürokratisch. Darum mein Tipp: Miete eine Privatwohnung, am besten eine Wohnung direkt von dem/der EigentümerIn!
Einzelzimmer in einer Wohngemeinschaft findest du am schnellsten in Facebook-Gruppen oder auf Internetseiten wie WG-gesucht oder Studenten-WG.
Um sich im Bürgeramt anzumelden, muss man zuerst einen Termin bekommen. Normalerweise geht das binnen weniger Tage, aber in Berlin kann es teilweise monatelang dauern. Wenn man trotzdem schnell einen Termin bekommen möchte, muss man am Telefon sagen, dass es ein Notfall ist, weil man nur vier Monate hier verbringt und die Uni eine angemeldete Adresse braucht. In diesem Fall geben sie einem in ein paar Tagen oder Wochen einen Termin. Auch in den Randbezirken Berlins (z.B. in Schöneweide, Marzahn-Hellersdorf oder Lichtenberg) bekommt man sehr zeitnah einen.

Problem 3: Aktive Mitarbeit an der Uni
Zuletzt möchte ich einen Tipp im Zusammenhang mit dem Unileben geben. An unserer Heimatuniversität habe ich gesehen, dass es immer problematisch ist, in den Seminaren aktiv mitzuarbeiten. Niemand meldet sich zu Wort, wir sitzen nur und hören zu, was die DozentInnen sagen. In Deutschland war es für mich merkwürdig, dass die StudentInnen sehr viel in den Sitzungen sprechen. Es wird zwar auch erwartet, bereitet ihnen aber keine Probleme, ihre Meinungen und auch Kritik offen auszudrücken. Ich kann Euch empfehlen, so früh wie möglich auch aktive Mitarbeit zu zeigen, weil es viel dazu beiträgt, auch an der Heimatuni bessere Leistungen zu erbringen.

Ich hoffe, dass ich einige nützliche Informationen geben konnte. Wenn man diese Probleme gut meistert, kann man das Erasmus-Semester sehr gut verbringen und genießen sowie mit vielen schönen und bereichernden Erlebnissen im Gepäck nach Hause zurückkehren.

/Lívia Gyulai/

Über „Faust” aus der Sicht des Übersetzers

Der neue „Faust” erschien und wir hatten das Glück, den Übersetzer hier in Szeged willkommen zu heißen: Mit László Márton hat sich Júlia Tóth-Czifra, die Redakteurin dieses Bandes, über die Geheimnisse der Übersetzung, die gemeinsame Arbeit mit dem Budapester Katona József-Theater sowie über strukturelle und sprachliche Fragen in Goethes Werk unterhalten. Die Veranstaltung am 06. Oktober 2016 wurde im Rahmen des Kulturprogramms des DAAD-Lektorats im Grand Café organisiert.

Faust: ein zu langes Werk?
Zunächst hielten seitens des DAAD-Lektorats Dr. Andreas Nolda und seitens des Instituts für Germanistik Dr. habil. Endre Hárs eine Begrüßung. László Márton war schon öfter in Szeged zu Gast, sodass man die Stimmung als frei und unbeschwert bezeichnen kann. Bereits Anfang der 90er-Jahre beschäftigte er sich mit dem ersten Teil. Darum beschrieb Júlia Tóth-Czifra Lászlo Mártón als wahren „Faust”-Kenner. Er übersetzte den „Faust” und bekam daraufhin einen Ruf von Árpád Schilling, den zweiten Teil für das Budapester Katona József-Theater zu übersetzen, weil dieser das Stück aufführen wollte. Márton nahm den Auftrag an und begann so, sich tiefgehender mit „Faust” zu beschäftigen.
Nach eigener Auskunft mochte er „Faust” früher nicht, weil er ihm zu lang, langweilig und schwer vorkam. Frau Tóth-Czifra hat die Frage gestellt, was für ein Gefühl Márton im Zusammenhang mit dem Übersetzen gehabt hat. Márton sagte, er habe gewusst, dass es eine große Arbeit sein werde, er habe deshalb Hilfe und Zuspruch gebraucht. Nachdem er mit dem Verlag Kalligram bezüglich der Herausgabe gesprochen hatte, bekam er sofort die Zusage und ab diesem Zeitpunkt sei alles klar gewesen. Er entschied sich, auch das „Volksbuch” und den „Urfaust” einzuarbeiten.

Übersetzen nach festen Regeln
Als nächstes sprach Frau Tóth-Czifra mit Herrn Márton darüber, wie eigentlich das Übersetzen vonstattengehe. Ich hatte den Eindruck, als wäre der Übersetzer ziemlich offen zu uns gewesen. So sagte er, dass der erste Akt theatralisch gesehen unbrauchbar sei, also habe er mit dem zweiten Akt begonnen. Márton hielt fest, dass das Übersetzen ein Kommunikationsprozess sei, einerseits zwischen dem Autor und dem Übersetzer, andererseits zwischen dem/der LeserIn und dem Übersetzer. Seiner Ansicht nach sollte alles so übersetzt werden, dass der Übersetzer nach mechanisch festgelegten Regeln arbeitet. Damit ist z.B. gemeint, jeden Tag 80 Zeilen zu übersetzen, ohne Rücksicht darauf, ob es sich gerade um schwere oder leichte Stellen handelt. So habe er erst einmal vom II. bis zum V. Akt übersetzt, dann am Ende den ersten.
Anschließend kam zur Sprache, wie Márton den Faust hinsichtlich seiner Gattung einordnen würde. Die meisten sagen, dass er eine dramatische Dichtung sei, aber laut Márton existiert keine solche Gattung. Seiner Meinung nach sind die Funktionen der Formen des Gedichts sehr wichtig, z.B. evoziere Goethe gern daktylische Sonette. Dann kam eine sehr wichtige Frage auf, die ein großes Dilemma bei Übersetzungsarbeiten ist: Was ist wichtiger beim Übersetzen, das starre Übersetzen oder die gut nachvollziehbare Gedankenfolge? Laut Márton ist der Verstand viel wichtiger. Die ÜbersetzerInnen sollten nicht alle Reime strikt verfolgen, sondern den LeserInnen den Text so vermitteln, also übersetzen, dass er gut verständlich ist.

Der „Faust” hat keine Struktur
Auch die Dramaturgie des Werkes wurde diskutiert. „Faust” habe eine sehr starke sprachliche und poetische Dramaturgie, die sehr spezifisch sei. Bei Márton sind die Reime schrill, aber deswegen ist sein „Faust” nicht weniger poetisch. Márton sieht sich selbst nicht als Dichter, er habe nur verschiedene Reimtechniken erlernt. Es sei für ihn von Vorteil, dass er keinen eigenen poetischen Stil habe, den er ins Werk einbauen könnte. Es wurde auch festgehalten, dass „Faust” keine Struktur habe, was den Zuschauern seltsam anmutete. Wir konnten alles über die Heterogenität des Werks erfahren, zuletzt über „Urfaust”, was im Publikum, wie ich gesehen habe, auf reges Interesse stieß.
Klar ist, dass László Márton ein großartiger Goethe- und „Faust”-Kenner ist. Als er den „Faust” übersetzte, habe er fast mit Goethe gelebt. Er habe alles so tief untersucht, dass er sogar die kleinsten Geheimnisse über Goethe und sein Werk kennt. Am Ende des Vortrags hatte das Publikum die Möglichkeit Fragen zu stellen, sodass wir einiges über die gemeinsame Arbeit mit Frau Tóth-Czifra erfuhren, die auch sehr dankbar dafür war, dass sie dieses Projekt mit Márton durchführen konnte. Zuletzt möchte ich auch im Namen des GeMas dem DAAD-Lektorat, dem Institut für Germanistik, dem Grand Café und der Stiftung für die Szegeder Germanistik einen herzlichen Dank sagen, dass sie die Veranstaltung organisiert und ermöglicht haben.

/Lívia Gyulai/

Publikum bei „Faust“ aus der Sicht des Übersetzers

László Márton im Gespräch mit Júlia Tóth-Czifra

Germanistenparty 2015 – Ein toller Abend mit den StudentInnen aus Göttingen

Viele freuten sich, als sie via Facebook erfuhren, dass es auch im Sommersemester 2015 eine Party der Germanistik-Studierenden stattfinden wird. Die Party fand am 14.April in Popper Mór Mulatója statt. Diesmal hatten wir einige besondere Gäste: die Studendtengruppe aus Göttingen. Tolle Stimmung, gute Musik und perfekte Organisation.

Die Gäste sollten bis halb acht ankommen, um am Wettbewerb teilnehmen zu können. Als alle da waren, konnte es in den hübsch dekorierten Räumlichkeiten des Pub losgehen. Die Moderatorin, Tímea Kis-Szabó, trug ein Kleid, das an die traditionelle deutsche Tracht erinnerte, und unterstrich damit die Grundidee der Veranstaltung noch mehr. Gegen acht Uhr begann der Wettbewerb, der alle Teilnehmenden auf die nachfolgende Party einstimmte. Die Teilnehmer bildeten zusammen mit den Studierenden aus Göttingen fünf gemischte Gruppen, darunter auch mehrere Dozentinnen und Dozenten.

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Es gab drei Aufgabe. Erstens ein Assoziationsspiel: Es wurden Bilder projiziert wurden, die humorvoll einen Dozenten oder eine Dozentin dargestellt haben. Die Aufgabe war natürlich herauszufinden, um wen es sich dabei handelte. Die zweite Aufgabe war ein Quiz, die Fragen in Grammatik, Landeskunde und Literaturwissenschaft beinhalteten. Es gab drei Stufen mit immer schwierigeren Fragen, die manchmal großes Kopfzerbrechen bereiteten. Die letzte Aufgabe war die Identifizierung von Musikstücken. Die Lieder waren natürlich deutsche Songs. Diese Aufgabe war am schwierigsten, weil es darunter auch Lieder gab, die die Studierende noch nie gehört haben. Aber das war kein Problem, alle hatten sehr viel Spaß. Während die Organisatoren die Punkte zusammenzählten, sorgte eine waschechte „germanistische Band“ für gute Stimmung. Die Mitglieder heißen: Balázs Béres, Benedek Béres und Dénes Beck. Sie spielten auch deutsche Songs und das Publikum war an Anfang an begeistert.

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Über die Idee der Band fragte GeMa eines der Mitglieder, Benedek Béres,: „Die Idee für die Band kam schon früher. Der Name ist übrigens „Scarified“. Wir wollten Musik machen, die nicht sehr bekannt ist. Das Genre ist so zu sagen eine Fusion von Funk und auch Metall, vermischt mit anderen Elementen. Zurzeit spielen wir Songs von der Band Primus und Rush, arbeiten aber auch an eigenen Liedern. Für die Germanistenparty hatten wir einen Rammstein Song als Party-Gag bearbeitet. Dass alle Mitglieder Germanistikstudenten sind, ist ein Zufall. Alle hatten/haben auch andere Musikprojekte neben Scarified. Auch deshalb hatten wir gedacht, dass wir uns mal auf der Germanistenparty vorstellen. Ehrlich gesagt hatten wir nicht gedacht, dass unsere Musik so vielen gefallen würde.“

Nach dem Konzert kam es zur Verkündung die Wettbewerbsergebnisse. Danach konnten die Studierenden miteinander und mit den Dozenten und Dozentinnen plaudern und die Sprache mit den Gästen aus Götting üben.

Wir hoffen, dass sich alle Teilnehmer wohlgefühlt haben und wir danken den Organisatoren für das schöne Erlebnis!

 

/Lívia Gyulai/

Bilderquelle: Gergely Kiss-Albert

Eine von vielen Möglichkeiten nach dem Studium

Interview mit dem ehemaligen Germanistikstudenten László Kecskeméti

László Kecskeméti studierte in Szeged Germanistik und arbeitet als IT-Fachmann bei Hewlett-Packard (HP). Anfangs am Service Desk, dann wurde er befördert. Er ist erst 32 Jahre alt, konnte aber aus beruflichen Gründen weltweit mehrere Länder besuchen. Wie ist kam es dazu, dass er mit einem Diplom in Germanistik einen Job bei einer Firma bekam, die sich nicht gerade auf germanistische Fragestellungen spezialisiert ist? GeMa hatte das Glück, sich mit László Kecskeméti zu unterhalten.

Ich begrüße Dich herzlich! Wie kam Dir die Idee, an der Uni Germanistik zu studieren? Wie war deine Studienzeit?

In dem Gymnasium habe ich eine Klasse mit erweitertem Englischunterricht besucht, Deutsch kam nur so. Ich habe viele deutschsprachige Fernsehsendungen gesehen, also als ich ins Gymnasium kam, konnte ich schon fließend Deutsch sprechen, schreiben jedoch noch nicht. 2001 habe ich an der Uni Szeged mit dem Englisch-Studium angefangen. Ich war wenig ausgelastet und dachte, noch ein Zweitfach zu machen. Es hat mich interessiert und ich war gut darin. Ich habe auch mehr Energie ins Germanistikstudium investiert. Allerdings wollte ich nicht Lehrer werden, machte ich mein Diplom nicht im Lehramtsstudium.

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Nach dem Abschlussexamen musstest Du einen Job finden. Warum warst Du in Budapest auf Jobsuche und nicht in Szeged?

Zu jener Zeit hatte ich schon seit drei Jahren eine feste Beziehung. Meine Freundin (meine spätere Frau) studierte in Budapest, daher lag es auf der Hand, dass auch ich in die Hauptstadt umziehe. Natürlich habe ich auch in Szeged nach einer passenden Arbeit gesucht, fand aber keine, die meinen Vorstellungen entsprochen hätte.

Hewlett-Packard ist eine bekannte Firma. Heutzutage ist es eines der größten IT-Unternehmen in der Welt. Wie bist Du auf sie gestoßen? Wie konntest Du Deine Sprachkenntnisse nutzen?

Erstens habe ich durch eine Vermittlungsagentur von einem Job bei EDS (Electronic Data Systems) erfahren, wo sie jemanden mit Englisch- und Deutschkenntnissen für einen Service Desk-Job gesucht haben. Ich habe mich gemeldet und zwei Tage später habe ich einen Telefonanruf bekommen, dass sie sich mit mir treffen wollen. Im Interview sprach ich 20 Minuten auf Englisch, dann mit einer anderen Dame auf Deutsch plaudern, die dann sagte, dass ich beide Sprachen so gut beherrsche, dass wir uns lieber auf Ungarisch unterhalten sollten. So bekam ich meinen ersten Job als Service Desk-Agent. Auf der Arbeit konnten natürlich alle auf Englisch und Deutsch.

Du hattest keine Erfahrung im Bereich Informations Technology. Wie waren die ersten Monate? Wie konntest Du ohne einschlägige Fachkenntnisse klarkommen?

Es war eigentlich kein Problem, weil ich alles, was ich wissen sollte, in kürzester Zeit erlernen konnte. Es gab z.B. Aufgaben, wo ich eine komplette „Lösung” hatte, die ich nur vorzulesen hatte. Kam ein Anruf von einem Flughafen zum Beispiel, dass es eine Panne im System der Drucker gibt, hatten wir nichts anderes zu tun, als einen Schablontext mit den einzelnen Arbeitschritten vorzulesen. Außerdem musste ich Kunden aushelfen, wenn sie Outlook-Probleme hatten. Diese Aufgaben waren also wirklich nicht so schwierig.

Am Anfang hast Du am Service Desk gearbeitet. Was war eigentlich Deine Aufgabe dort?

Service Desk ist Stufe 1. Dort hilft man den Benutzern bei alltäglichen Problemen. Diese Fragen bedeuteten eigentlich keine Schwierigkeiten. Aber zum Glück bin ich schnell vom Service Desk gekommen. Die Zeit, die ich am Service Desk verbracht habe, hat sich trotzdem als eine sehr wichtige Erfahrung erwiesen.

Später wurdest Du befördert und hast als Incident Manager weitergearbeitet. Was soll man darunter verstehen?

Erstens möchte ich erklären, was Incident Manager eigentlich bedeutet. Auf jeden Fall geht es dabei um eine wesentlich komplexere Aufgabe. Meine Aufgabe war, die Arbeit der Anderen täglich zu kontrollieren, mit den Techniker-Gruppen den Kontakt zu halten, bei komplizierteren Problemen das Kommando zu übernehmen. Es is eigentlich eine Koordinationsaufgabe. Die Zeit, die ich am Service Desk verbracht habe, erwies sich z. B. deshalb als sehr nützlich später, weil ich den ganzen Prozess überblicken konnte. Die Lösung für das jeweilige Problem zu finden war leichter, weil ich schon wusste, was im Hintergrund vor sich geht. Ich habe diese Arbeit ein Jahr lang gemacht, dann hat HP EDS aufgekauft und ich habe im Project Management weitergearbeitet.

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Das war vor fünf Jahren, seither arbeitest Du in diesem Bereich. Wegen dieser Arbeit hattest Du das Glück, in mehrere Länder zu fahren, und zwar nicht nur in Europa, sondern weltweit. Welches Land war für dich am interessantesten?

Alle Länder waren sehr interessant. Es gibt drei Hauptziele der Firma: England, Bulgarien und Irland. Meine erste „Geschäftsreise” führte mich nach England. Meine Aufgabe war, die IT-Unterstützung einer Bierbrauerei nach Ungarn zu bringen. Ich habe drei Wochen dort verbracht. Wahrscheinlich ist mir diese Reise deshalb so intensiv in Erinnerung geblieben, weil meine Position noch sehr neu war. Am entferntesten, wohin ich gereist bin, war Bangalore in Indien. Darüber hinaus habe Städte wie Poznań oder Bukarest gesehen, die ich vermutlich privat sonst nicht besucht hätte. Heutzutage reise ich nicht mehr so viel, da wir fast alles von zu Hause aus erledigen können. Deshalb haben wir uns mit meiner Frau entschieden, nach Hódmezővásárhely zurückzuziehen.

Was bedeutet für Dich, dass Du im Home office arbeitest?

Einerseits erlaubt es mir die technologische Entwicklung, von zu Hause aus meine Arbeit erledigen zu können, ich brauche nur einen zuverlässigen Laptop. Andererseits denken wir schon über Familiengründung nach. Im Home office zu arbeiten bedeutet, dass ich nicht ans Büro gebunden bin. Ich arbeite in einem Team, das ich regelmäßig online, virtuell treffe. Natürlich besuche ich auch das Büro in Budapest ungefähr zweimal pro Monat.

Was sind Deine Pläne für die Zukunft?

Beruflich möchte ich mich in den Bereich Project Management vertiefen. Obwohl ich schon seit fünf Jahren in dieser Abteilung arbeite, habe ich noch sehr viel zu lernen. Ich möchte noch an vielen erfolgreichen Projekten teilnehmen. Und wie gesagt, möchten wir mit meiner Frau eine Familie gründen.

Danke für das Interview! GeMa wünscht Dir viel Glück!

/Lívia Gyulai/