Deutsche Bühne Ungarn

Wir haben schon öfter über Stücke der Deutschen Bühne Ungarn (DBU) berichtet. Was ist sie eigentlich?
Auch heute gibt es in Ungarn viele verschiedene Minderheiten, aber die deutsche Minderheit gehört vielleicht zu den bekanntesten. Im heutigen Ungarn nennt man die traditionelle deutsche Bevölkerung Schwaben (svábok), aber diese Gruppen sind nicht nur schwäbischen, sondern auch vielfältigen anderen, z.B. bayerischen, österreichischen, pfälzischen, hessischen, niederländischen und elsässischen Ursprungs. Die Anzahl der deutschen Minderheit in Ungarn beträgt etwa 200–220.000 Menschen, was 2,5% der ungarischen Gesamtbevölkerung ausmacht. Ihre Ansiedelung geht bis ins 18. Jahrhundert zurück.

Sie leben im Land verstreut. Die meisten wohnen im Regierungsbezirk Baranya und Bács-Kiskun, aber auch im Süden von Kalocsa leben Schwaben in großer Zahl. Die deutschsprachige Minderheit in der Umgebung von Budapest ist ebenfalls bedeutend. Die wichtigste deutsche Gruppe findet sich aber im Regierungsbezirk Tolna. Das kulturelle Zentrum der deutschen Minderheit ist Baja. Es gibt auch einige deutsche Schulen in Ungarn, zum Beispiel das Deutsche Nationalitätengymnasium (Német Nemzetiségi Gimnázium) in Budapest. Eine der wichtigsten Institutionen zur Pflege der deutschen Kultur ist die Deutsche Bühne Ungarn (Magyarországi Német Színház).

Die Deutsche Bühne Ungarn (DBU) befindet sich in Szekszárd im Regierungsbezirk Tolna. Ursprünglich beherbergte das Gebäude kein Theater, sondern fungierte als Kino, welches im Jahr 1913 eröffnet wurde. Die Besucher und Besucherinnen hatten damals die Möglichkeit, Stummfilme anzuschauen und an Podiumsveranstaltungen teilzunehmen. 1986 wurde das Gebäude Opfer eines Brandes. Natürlich wurde es danach renoviert, und seit 1994 ist es der Sitz der DBU.

Die primären Aufgaben des Theaters sind, die deutsche Sprache zu pflegen und zu vermitteln bzw. die kulturellen Werte der deutschen Minderheit von Ungarn zu erhalten. Die DBU funktioniert auch als offenes Forum des Dialogs zwischen der deutschen Minderheit und der ethnisch ungarischen Mehrheitsbevölkerung.

Das Repertoire der DBU ist reichhaltig. Sie ist darum bemüht, ein interessantes und ansprechendes Programm für Geschmäcker aller Altersstufen anzubieten: Das Theater organisiert für Kinder bzw. Schüler und Schülerinnen Märchen und Jugendvorstellungen; Erwachsenen bietet es Komödien und Tragödien, daneben nimmt es Musicals und musikalische Kabarett-Abende ins Programm auf. Auf jeden Fall bemüht sich die DBU, ihren Fokus auf deutschsprachige klassische und zeitgenössische Dramen zu legen. Wer kein Deutsch versteht, kann trotzdem die Programme genießen, ungarische Übersetzungen werden nämlich immer projiziert.

Von großer Bedeutung sind die Besuche der DBU mit manchen Programmen in weiter entfernten Städten, deren Menschen ansonsten keine Möglichkeit hätten, diese zu besuchen. Auch nach Szeged kommt die DBU regelmäßig. Zu ihren Programmen gehören Leseabende, Workshops und Puppentheater-Programme. Neben diesen Programmen werden weiterhin jedes Jahr Veranstaltungen zum Gedenken an die deutsche Minderheit in Ungarn und über die wichtigen Ereignisse der Theaterwelt organisiert.

Wer Lust dazu hat, das Theater zu besuchen, kann hier weitere Informationen finden: http://www.dbu.hu.

/Edina Timea Szabó/

Erste Praktikantin am Institut für Germanistik

Seit dem Wintersemester 2011 wird an der Universität Wien das Masterstudium Austrian Studies – Cultures, Literatures, Languages (Österreichstudien – Kulturen, Literaturen, Sprachen) angeboten. Ziel des Studiengangs ist es, Österreich aus verschiedenen Perspektiven zu beleuchten und so den Österreich-Begriff im jeweiligen Kontext kritisch zu hinterfragen. Wer sich beim Auslandspraktikum für eine wissenschaftliche Assistenz bei einem Absolventen oder einer Absolventin des Franz Werfel-Programms entscheidet, wird von der Universität Wien bei der Bewerbung unterstützt und erhält ein Stipendium der OeAD-GmbH (Österreichische Austauschdienst-Gesellschaft mit beschränkter Haftung: www.oead.at). Katharina Schätz, eine Studentin des genannten Programms, hatte nun die Möglichkeit, im Rahmen dieses Stipendiums im September 2016 zwei Wochen in Szeged zu verbringen. Darüber hat das GeMa mit ihr gesprochen.

GeMa: Wie gefällt Ihnen Szeged und die Universität? Warum wollten Sie nach Ungarn fahren?
Katharina Schätz:
Szeged ist ein Jugendstil-Juwel, das mich sofort begeistert hat. Ich habe versucht, in Stadtspaziergängen möglichst viele Sehenswürdigkeiten zu besuchen. An der Universität hat mich besonders das gute Betreuungsverhältnis beeindruckt. In Wien ist Germanistik ein Massenstudium und Seminare mit 8–15 TeilnehmerInnen sind ein absoluter Wunschtraum. Das war aber nicht der Grund, weshalb ich Szeged ausgewählt habe. Freunde haben mir die Universität empfohlen und mich sehr unterstützt und da das Semester in Ungarn bereits im September beginnt, versäume ich in Wien keine Lehrveranstaltungen. Die starten dort nämlich erst im Oktober.

GeMa: Was waren Ihre Aufgaben hier? Welche Seminare oder Kurse haben Sie besucht?
KS:
Meine Aufgaben in Szeged waren sehr vielfältig. Beispielsweise habe ich an der grafischen Gestaltung des Herbst-Veranstaltungsprogramms mitgewirkt, kurze Texte verfasst, korrigiert und auch lektoriert und schließlich einen großen Bücherschrank sortiert. Natürlich habe ich auch mehrere Kurse besucht und wenn möglich auch mitgearbeitet, neben den Sprach- und Übersetzungsübungen ein Seminar zur Österreichischen Literatur der Zwischenkriegszeit, zur Moderne bzw. Postmoderne, die Landeskunde-Vorlesung und natürlich das GeMa-Seminar.

GeMa: Was waren Ihre Lieblingsprogramme oder Lieblingsaufgaben?
KS:
In Szeged habe ich Arthur Schnitzler für mich wiederentdeckt, der in meinem Wiener Studienplan eigentlich – wahrscheinlich durch Zufall – gar nicht vorkam. Darüber hinaus habe ich gelernt, was für eine große Herausforderung es ist, wissenschaftliche Publikationen zu lektorieren. Gleichzeitig hat es mir jedoch großen Spaß gemacht. Grafische Programmgestaltungen habe ich früher für Konzerte und auch damals schon sehr gern gemacht. Alles in allem habe ich den Abwechslungsreichtum geschätzt, da mir so nie langweilig wurde und ich in viele verschiedene Bereiche Einblicke erhalten habe; und genau das ist der Sinn des „Austrian Studies“-Studiengangs und auch dieses Praktikums.

GeMa: Haben Sie schon andere Universitäten in anderen Ländern besucht? Wenn ja, was mussten Sie dort machen?
KS:
Andere Universitäten außerhalb Österreichs habe ich noch nicht besucht. Neben dem Auslandspraktikum gehört jedoch auch ein Inlandspraktikum zu meinem Studium. Dieses habe ich am Ludwig Boltzmann Institut für Geschichte und Gesellschaft absolviert. Meine Aufgabe dort bestand darin, online – zum Beispiel über „anno“, das Zeitungsarchiv der Nationalbibliothek – zum Wiener Prater und zum Konzerthaus zwischen 1916 und 1921 zu recherchieren.

GeMa: Können Sie ein bisschen über die Universität Wien erzählen? Dabei denke ich an die Fächer, aber auch an die Menschen an der Uni.
KS:
Es ist wahrscheinlich die Offenheit, die ich an der Universität Wien am meisten schätze. Das Lehrveranstaltungsangebot ist sehr breit aufgestellt und die Studierenden haben bei der Auswahl auch relativ viele Freiheiten. Die Uni ist außerdem ein Ort der Begegnung von Menschen verschiedenster Kulturen, Ansichten und Altersklassen. Neben den 18- bis 22-Jährigen studieren auch einige berufsbegleitend und in vielen Lehrveranstaltungen finden sich auch interessierte PensionistInnen. Es wird anscheinend erfolgreich ein Gefühl dafür vermittelt, dass hier jede/r willkommen ist.

GeMa: Welche Pläne haben Sie für die Zukunft?
KS:
Derzeit arbeite ich als Standesbeamtin bei der Stadt Wien. Nach Abschluss meines Studiums werde ich mich vielleicht bei der Kulturabteilung der Stadt bewerben. Der in Wien relativ neue Masterstudiengang „Austrian Studies“ ist dabei mein Ass im Ärmel.

GeMa: Und meine letzte Frage: Würden Sie wieder nach Ungarn fahren, wenn Sie noch ein Praktikum dort machen könnten?
KS:
Ein Praktikum in Ungarn kann ich wirklich sehr empfehlen. Ich würde eine solche Gelegenheit sofort wieder ergreifen.

Vielen Dank für das Interview!

/Edina Timea Szabó/

Architektur im Text

Am 22. September 2016 wurde ein Gastvortrag mit dem Thema Architektur im Text organisiert. Der Vortrag fand im Ady-Gebäude der Fakultät in der Egyetem utca 2, im Raum VIII, statt. Der Lehrstuhl für österreichische Literatur und Kultur des Instituts für Germanistik der Universität Szeged veranstaltete zusammen mit der örtlichen Österreich-Bibliothek und mit dem Österreichischen Kulturforum Budapest das Event. Der Referent war Universitätsprofessor Roland Innerhofer von der Universität Wien.

Der Vortrag begann mit einer kurzen Vorstellung Professor Innerhofers durch Dr. habil. Attila Bombitz, Lehrstuhlleiter des Lehrstuhls für österreichische Literatur und Kultur, der ihn als hervorragenden Dozenten des Instituts für Germanistik der Universität Wien ankündigte. Er ist im Bereich Neuere Deutsche Literatur tätig. Die Veranstaltung war gut besucht, viele Interessierte, darunter nicht nur Studenten und Studentinnen, sondern auch viele Dozenten und Dozentinnen, nahmen am Gastvortrag teil.

Die wesentliche Aussage des Vortrags war, dass Literatur wie ein Bauwerk betrachtet und Architektur wie ein Text gelesen werden kann. Der Referent hat die Kategorien Raum und Zeit vorgestellt, was diese miteinander verbindet und was sie voneinander trennt.
Gemeinsam ist ihnen, dass sie durch Geschichte in politischen Situationen geformt sind. Beide hüten Erinnerungen von Vergangenheit. Der Universitätsprofessor hat in seinem Vortrag die avantgardistischen Tendenzen hervorgehoben: Der Bruch mit den Traditionen führte zu einer verstärkten Reflexion intermedialer Beziehungen und Differenzen. In der Architektur und in der Literatur sind im 20. Jahrhundert neue Motive und neue formale Veränderungen aufgekommen. Durch diese Veränderungen haben beide eine starke Wirkung aufeinander ausgeübt. Deshalb kann man sagen, dass Architektur und Literatur eng zusammenhängen.

Der Vortrag wurde durch den Einsatz historischer Bilder sehr schön illustriert und damit anschaulicher für das Publikum. Nicht nur für Studenten und Studentinnen, sondern auch für Dozenten und Dozentinnen war er deshalb auch ebenso anspruchsvoll wie ansprechend. Am Ende des Programms konnte die Zuhörerschaft Herrn Innerhofer Fragen stellen. Der Dozent hat die Fragen herzlich aufgenommen.

/Edina Timea Szabó/

Roland Innerhofer

Publikum