„Es hat sich viel geändert“ – Ein Rückblick auf fünf gemeinsame Jahre

Frau Dr. Tünde Katona ist Literaturwissenschaftlerin und Mediävistin am Szegeder Institut für Germanistik und hat von 2011 bis 2016 das GeMa geleitet. Zum Wintersemester 2016 hat sie das Amt der Institutsleitung übernommen und damit ihre Funktion beim GeMa abgegeben.

GeMa: Wo haben Sie studiert?
Tünde Katona:
Ich habe Deutsche Sprache und Literatur und Geschichte auf Lehramt an der Attila-József-Universität, der Rechtsvorgängerin der Universität Szeged, studiert.

GeMa: Wann wurde das GeMa gegründet?
TK:
Das Germanistische Magazin wurde auf die Initiative von Prof. Dsc. Árpád Bernáth, dem damaligen Leiter des Instituts für Germanistik, und von unserem Kollegen Dr. Tamás Kispál im Jahre 2001 gegründet.

GeMa: Wie viele Jahre haben Sie sich mit dem Magazin beschäftigt?
TK:
Es ist jetzt fünf Jahre her, dass ich vom meinem Vorgesetzten, Herrn Dr. habil. Géza Horváth, den Auftrag bekam, die Redaktionsarbeit zu übernehmen.

GeMa: Haben Sie davor bei einem anderen Magazin gearbeitet?
TK:
Oh, nein! Es war ein völlig neuer Tätigkeitsbereich, um mit einem Modewort zu sprechen: Es war eine neue Herausforderung. Als jemand, der privat und auch von Berufswegen viel mit Lesen und Schreiben zu tun hat, hat man natürlich eine gewisse Vorstellung davon, wie eine Zeitung entsteht oder entstehen mag. Aber konkrete journalistische Erfahrungen hatte ich überhaupt keine. Ich habe die neue Aufgabe als Teil meiner Unterrichtstätigkeit betrachtet, das heißt, das GeMa-Seminar sah ich als eine spezielle Lehrveranstaltung mit speziellen Extraaufgaben an. Parallel dazu habe ich mir immer vor Augen gehalten, was die Hauptaufgabe des Magazins ist. Die Komplexität war mir also von vornherein bewusst, aber so richtig damit konfrontiert wurde ich natürlich erst in der Praxis: Ein journalistisches Produkt entstehen zu lassen (sic!), das mittlerweile online und in Printversion erscheint, den Anforderungen einer speziellen Sprachübung für die Studierenden gerecht zu werden und im Optimalfall gar eine kleine studentische Werkstatt zustande zu bringen, in der sich die Mitglieder unter freundlichen Voraussetzungen kreativ mit der komplexen Aufgabe der Texterstellung auseinandersetzen können.

GeMa: Wie viel Zeit hatten Sie für das Magazin neben der Arbeit?
TK:
Die Redaktionsarbeit ist Teil meiner Aufgaben gewesen. Über die allen, die unterrichten, bekannten grundsätzlichen Aufgaben hinaus muss man im ständigen Austausch sein mit den KollegInnen, um die notwendigen Informationen über die vielfältigen Aktivitäten am Institut zu haben. Gegebenenfalls mussten sogar logistische, organisatorische Aufgaben erledigt werden. Und dann der lange Weg, bis ein Text fertig war!

GeMa: Was sind Ihrer Erfahrung nach die Lieblingsthemen der Studierenden?
TK:
Die Themen, die die Studierenden vor allen Dingen gern freiwillig bearbeiten, sind Freizeitgestaltung, Sport und Musik. Je nachdem, ob sie selbst Musik oder Sport machen, haben sie die Möglichkeit gehabt, darüber zu berichten. Wenn Sie zum Beispiel in früheren GeMa-Heften nachschauen, da gibt es zahlreiche Artikel über Musiker aus unserem Fach oder andere, die aktiv und professionell Sport treiben. So haben wir über eine Fußballerin berichtet, eine andere Studentin schrieb zum Beispiel über das Spartan Race Hungary, an dem sie selbst teilgenommen hatte. GeMa bot aber auch Themen über Tierschutz an, wenn es der Autorin zum Beispiel am Herzen lag. Wir sind für alle Themen offen, allerdings muss es im Einklang mit dem Grundprofil des GeMa sein, bzw. muss die Redaktionsgruppe von Fall zu Fall entscheiden, ob das zur Diskussion stehende Thema akzeptabel ist.

GeMa: Haben sich die Lieblingsthemen der Studierenden verändert?
TK:
Ich habe in den fünf Jahren, während ich die Redaktion geleitet habe, nicht den Eindruck gehabt, dass sich die Lieblingsthemen geändert haben.

GeMa: Gab es auch Studierende von anderen Fakultäten, die mitgewirkt haben?
TK:
Es ändert sich alles sehr schnell und während meiner fünf Jahre in der Redaktion kam es dazu, dass nicht nur Germanistikstudierende an der Arbeit teilgenommen haben, sondern auch Studierende aus dem Ausland, zum Beispiel Kasseler Studierende, die im Rahmen des sog. Doppeldiplom-Studiengangs, oder mit einem Erasmus-Stipendium aus Deutschland in einem anderen Studiengang (Finnougristik z.B.) bei uns studiert haben. Sie haben von der Arbeit bei GeMa erfahren und sich uns angeschlossen. Ich fand das sehr gut, denn durch jedes neue Redaktionsmitglied wurde unsere Arbeit in der Redaktionsgruppe bereichert. Studierende von anderen Fakultäten gab es während meiner Zeit noch keine. Aber ich bin sehr neugierig, wie das funktioniert. Ich bin überzeugt, dass es beiden Parteien zum Vorteil gereicht: GeMa profitiert auf jeden Fall, aber ich bin sicher, dass auch die betroffenen Studierenden Wesentliches erfahren.

GeMa: Welche Veränderungen hat es bei GeMa gegeben?
TK:
Es hat sich, wie gesagt, sehr viel verändert im Vergleich zu den ersten Jahren von GeMa. Die Kommunikation unter den Studierenden, aber auch zwischen den Studierenden und dem Institut oder der Redaktion gewann neue Formen. Vieles verläuft schon auf der virtuellen Ebene und diese virtuelle Kommunikationsebene wollten wir dazu nutzen, die GeMa-Artikel soweit wie es geht zeitnah zu publizieren. Früher gab es eine Printversion pro Semester, die naturgemäß erst viel später, oft erst im kommenden Semester erschien. Durch die Online-Version können wir zeitnah vom Geschehen berichten, und das halte ich für einen großen Vorteil. Das sollten wir auch beibehalten.

GeMa: Vermissen Sie die Zeit, die Sie beim Magazin verbracht haben?
TK:
Ja, weil das bedeutet: Ich habe jetzt einen anderen Aufgabenbereich, der noch zeitaufwendiger ist als die Redaktionsarbeit bei GeMa. Ich habe die enge Zusammenarbeit mit den Studierenden immer sehr genossen. Im Falle des GeMa kommt dann auch noch der besondere Aspekt hinzu, dass am Ende der intensiven Arbeit ein gemeinsames Produkt entsteht, auf das alle Beteiligten stolz sein können. Es ist immer ein schönes Erlebnis gewesen, das ich nun missen muss. Ich hoffe aber, dass die neue Redaktionsgruppe ähnlich schöne Erlebnisse haben wird.

GeMa dankt Frau Dr. Katona ganz herzlich für das Gespräch und wünscht ihr beruflich und privat weiterhin alles Gute!

/Dávid Kókai/

Institutsleiterin Dr. Tünde Katona

Eine Filmkritik zu Die Familie

Im Rahmen der Filmreihe des Instituts für Germanistik der Universität Szeged veranstaltete Christoph Beeh M.A., DaF-Lektor am Lehrstuhl für Germanistische Linguistik, mit Unterstützung des DAAD einen besonderen Filmabend zum 27. Jahrestag des Mauerfalls. An den Filmabenden, die jeden zweiten Mittwoch um 19:30 Uhr anfangen, nehmen Dozent/innen und Studierende teil. Zum Film gibt es immer eine kurze Einleitung, sowie die Gelegenheit zu lockerer Diskussion und Meinungsaustausch im Anschluss. Dieses Mal hieß der Film Die Familie. Der Dokumentarfilm, der am 09.11.2016 im SZTE Ady-Gebäude gezeigt wurde, dauert 92 Minuten.

Was könnte für Eltern schlimmer sein, als der Verlust ihres Kindes? Wenn sie nicht wissen, wo es hingegangen ist, ob es gestorben ist, wo es sein könnte, ob es noch lebt. Bis zum Ende ihres Lebens in der Unwissenheit zu leben. Mehrere Geschichten verschiedener Familien werden im Film des Regisseurs Stefan Weinert gezeigt.

Mit dem Bau der Berliner Mauer begann Ostdeutschland, sich von Westeuropa zu isolieren. Jeder Mensch, der die Grenze ohne Erlaubnis überqueren wollte, durfte erschossen werden. Aus diesem Grund sind mindestens 168 Menschen zwischen 1968–1989 ums Leben gekommen. Nach ihrer Fertigstellung war es viel wichtiger, die Grenze zu beschützen, als das Leben einer Person. Die Mörder der Opfer sind bis heute nicht immer zur vollen Verantwortung gezogen worden. Aber nicht nur die Toten sind Opfer, sondern auch die, die am Leben geblieben sind: Mütter, Väter, Geschwister, die nicht ein Wort von ihren Verwandten gehört haben, die noch nicht einmal den Ort kennen, an dem diese vielleicht begraben worden sind. Die Ungewissheit über die Beweislage und Verfälschungen der Akten, die nicht mehr rekonstruiert werden können, sind für die meisten ein weiteres Trauma, das nie verdaut werden kann.

Natürlich spricht kein Mauerschütze, aber umso erstaunlicher ist die Tatsache, dass ein Sohn namens Heiko zu seines Vaters Mörder fährt und wir dem Gespräch lauschen können. Eigentlich wusste auch Heiko nicht, was er fragen wird. Aber interessant war, dass er gar nicht erst fragen musste. Eigentlich wollte er das Gespräch verweigern, doch kam dann schließlich selbst ins Reden. Darüber, dass er kein Verbrecher sei. Einerseits sei er damals 19 Jahre alt und „Opfer im System“ gewesen, wie er sich ausdrückt. Andererseits habe er einen Warnschuss abgegeben. Es sei eine verkehrte Entscheidung gewesen, sagte er. Meiner Meinung nach sieht man hier ganz deutlich, wie der Mörder den Mord vertuschen will, ohne Gewissenbisse.
Zum Schluss möchte ich hervorheben, wie klar der Film das Gefühl der Opfer zeigt und dass auch die Zusammenhänge von Ursache und Wirkung so durchschaubar sind wie die Aufdeckung der Ermordungen hätten sein sollen.

Die Familie, Weinert (2013), 92 Min. Weitere Infos rund um den Film sowie den Trailer gibt es hier.

/Dávid Kókai/

Freiwillige Arbeit in Österreich

Mein Name ist Dávid Kókai. Ich studiere eigentlich Pharmazie, gerade bin ich im siebten Semester. Ihr fragt euch vielleicht: Was macht er hier beim GeMa? Eigenlich habe ich im Gymnasium angefangen Deutsch zu lernen. Nachdem ich die Sprachprüfung und die Matura in Englisch gemacht hatte, dachte ich mir, dass ich eine weitere Sprache vervollkommnen möchte.
So kam es dazu, dass ich im Sommer 2011 an einem Programm teilnahm, das in Österreich eine Arbeit bot und von dem ich im Folgenden berichten möchte.
Was ich dadurch erhalten habe? Freundschaften, eine andere Sicht auf die Welt, einen schönen Sommer, und natürlich Sprachkenntnisse.

Warum habe ich an diesem Programm teilgenommen?
Eigentlich wollte ich, wie schon erwähnt, meine Sprachkenntnisse verbessern und etwas Neues erleben. Zu guter Letzt wollte ich etwas Nützliches im Sommer machen.

Wo habe ich mich angemeldet?
Beim Maschinenring, einem Dienstleistungsunternehmen. Er bietet jedes Jahr ein Programm („Freiwillig am Bauernhof“), bei dem man freiwillig bei einer Bauernfamilie helfen kann. Man bekommt kein Geld dafür, aber die Unterkunft und das Essen sind frei. Man muss nur die Anreise bezahlen.

Wo und was habe ich gearbeitet?
In Osttirol habe ich bei einer Familie geholfen, die höher leben als der Kékestető (1014m). Als ich ankam, mussten wir Kirschen pflücken, später musste das Heu eingebracht und das Holz für den Winter gespalten werden. Die Kuh musste in der Früh immer etwas zum Fressen bekommen und sie musste auch ein paar Mal pro Tag gemolken werden. Im Laufe der Zeit haben wir Freundschaft geschlossen und so habe ich natürlich auch auf die Kinder aufgepasst. Die Arbeit war nicht leicht, das muss ich schon sagen, aber man kann sich daran gewöhnen und sie auch genießen. Die Stimmung war immer locker und so habe ich schnell alles gelernt, auch wie man Traktor fährt.
Natürlich kann, wer das lieber möchte, auch nur beim Kochen, Putzen oder bei der Kinderbetreuung helfen. Bei der Anmeldung kannst du auswählen, bei welcher Arbeit du helfen möchtest.

Wie habe ich mich integriert?
Vom ersten Moment an stimmte die sogenannte „Chemie“ zwischen uns. Im Sommer 2016 habe ich meine Gastgeber-Familie schon das fünfte Mal privat besucht. Wir haben in nachträglichen Gesprächen festgestellt, dass sie Angst gehabt haben, was dabei herauskommen wird, wenn ein Mann, der aus Ungarn und dann auch noch aus Budapest stammt und die Sprache nicht so gut beherrscht, aufs Dorf kommt. Natürlich hatte ich auch Angst wegen der Sprache und habe mir darüber Gedanken gemacht, wie ich mit der Familie auskomme. Aber wir sind immer auf einen gemeinsamen Nenner gekommen und waren uns einig, dass sowohl die Familie als auch die freiwillige Person ein bisschen weltoffen sein muss. Dann ist alles viel leichter.

Wie war es mit der Sprache?
Leicht war es nicht, das muss ich schon sagen, aber lustig, das ist sicher. Die Gastgeber sprechen miteinander Mundart und behaupten, dass es Deutsch ist… aber ich kann dir versichern, dass es das nicht ist. Beim fünften Mal habe ich sie noch immer nicht verstanden! Beim ersten Mal habe ich mir gedacht, dass ich mich verfahren habe. Es ist sicher nicht Deutsch. Gott sei Dank haben sie sich immer bemüht, mit mir Standarddeutsch zu sprechen.

Noch einmal: Wie kam ich zum GeMa?
Es war für mich absehbar, dass dieses Studienjahr ein bisschen leichter wird als das letzte. Die Chance, dass man sich an einer anderen Fakultät zu anderen Kursen anmelden kann, wollte ich dann ausnützen. Die Sprache wollte ich nicht vergessen und mich ein bisschen beim Schreiben verbessern, um eine C1-Prüfung abzulegen.
Zum Schluss möchte ich erwähnen, dass es eine der besten Entscheidungen meines Lebens war, mich für dieses Programm anzumelden. So viel gelernt und erlebt hatte ich bis dahin noch nicht.
Also, wenn du ein bisschen Affinität zur Anpassung hast und ein bisschen Mut, die Welt zu sehen, dann ist dieses das richtige Programm für dich.

/Dávid Kókai/

Du hast Lust auf Freiwilligenarbeit in Österreich bekommen? Dann findest du hier mehr Infos.