Meuchelbrut – Es bleibt in der Familie

Eine Rezension des Kriminalromans von Dorothea Böhme

„Wir brauchen ein Ablenkungsmanöver“, stimmte Frieda zu. Gesine verdrehte die Augen. „Wie wäre es mit einem Mord?“, fragte sie. „Das lenkt sie sicher ab.“ „Sei nicht albern, Kind“, schalt Mutter. „Wen sollen wir denn ermorden? Den armen Opa etwa?“ Glenn fiel vor Schreck fast aus dem Rollstuhl. „Himmel, hört doch auf mit diesen schrecklichen Gedanken!“, rief Tante Martha. Mutter goss ihr schnell Brandy nach. Glenn versuchte, sich zu beruhigen. Mutter hatte sicher nur einen Witz gemacht. Oder?*

Am 5. Februar ist der zweite Kriminalroman Meuchelbrut von Dorothea Böhme im Gmeiner Verlag erschienen. Ihr erster Roman Sauhaxn, ebenfalls im Gmeiner Verlag publiziert, kam vor zwei Jahren, am 9. Juli 2012, in die Verkaufsregale.

Laut Kurzbiographie auf der Seite der Autorin (www.dorotheaboehme.de) wurde sie 1980 in Hamm geboren. Sie hat in vielen verschiedenen Ländern gelebt, während ihres Studiums ist sie von Deutschland nach Quito (Ecuador) gefahren, dann lebte sie in Triest (Italien). Nachdem sie nach Deutschland zurückkehrte, entschied sie sich nach Ungarn zu kommen, um Deutsch zu unterrichten. Sie hat an unserer Universität mehrere Jahre lang als Lektorin gearbeitet.

Sie lebte aber auch in Österreich, Kärnten, wo ihre Romane spielen. Meuchelbrut ist ein Kriminalroman voll mit schwarzem Humor und Sarkasmus, trotzdem kann der Leser wahrnehmen, wie ein netter Stil die grotesken Szenen irgendwie doch versüßt.

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Die Autorin bei der Buchpräsentation in Hamm

Der Roman Meuchelbrut beginnt mit einem gar nicht alltäglichen Vorfall: Onkel Harry begeht Selbstmord. Anscheinend zerrüttet dieser „Unfall“ seelisch niemanden. Was allerdings ärgerlich für die Familie ist: Im Fall eines Selbstmords zahlt die Lebensversicherung nichts. Während Onkel Harrys Gehirn und Blut über den ganzen Raum verteilt sind, führt die Familie ein ruhiges Gespräch darüber, was sie tun sollen, irgendwie doch an Onkel Harrys Versicherungsbetrag zu kommen. Bald schon erfahren wir, dass dieser Unfall nicht der einzige Zufall in dieser Familie ist. Seltsame und gruselige Geschehnisse beginnen, als die Familie sich dazu entschließt, einen Einbruch vorzutäuschen, um die Lebensversicherung zu kassieren.

Nicht nur die Geschichte ist es, die diesen Roman so spannend macht, sondern auch die Charaktere. Nehmen wir zum Beispiel Glenn. Er ist schon über 80 und einer der Besitzer des Herrenhauses, in dem die Familienmitglieder alle zusammen leben. Er benutzt seit einem Unfall einen Rollstuhl, aber was niemand in der Familie weiß, ist, dass er diesen Rollstuhl nicht mehr unbedingt braucht. So lebt er sein Leben unter den Familienmitgliedern, ist aber gleichzeitig ein Außenseiter. Außerdem scheint er immer ein bisschen mehr als die Anderen zu wissen. War sein Unfall wirklich ein Unfall oder wollte jemand ihn töten? War Onkel Harrys Selbstmord ein richtiger Selbstmord, und wenn nein, ist Glenn dann nicht in schrecklicher Gefahr? Dies sind die Fragen, die er beantworten möchte, und deswegen entscheidet er sich, ein Testament zu schreiben.

Gibt es einen Mörder in dieser nicht alltäglichen Familie? Aber wer von ihnen könnte töten, da sie alle trotz der komischen Vorfälle so ahnungslos erscheinen? Und was hat die Versicherungsagentin Marie außer ihrer Arbeit noch mit der Familie zu tun? Wenn jemand diese Frage beantwortet haben möchte: Dieser Roman bietet eine interessante und spannende Geschichte für alle.

Gute Nachricht für diejenigen, die schon das erste Buch der Autorin lieben: Ende April wird ihr dritter Roman publiziert mit dem Titel Neben der Spur ist auch ein schöner Weg. In diesem neuen Buch kann man diesmal keinen Kriminalfall, sondern eine Geschichte über Freundschaft finden. Aber darüber später mehr…

Böhme, Dorothea: Meuchelbrut. Krimi. Verlag Gmeiner, Meßkirch, 2014, 245 Seiten, 9,90 Euro.

*Böhme, Dorothea: Meuchelbrut, 2014, S. 102.

 

Die Rezension von Sauhaxn im GeMa findet man hier:

http://www.gema.hu/2013/05/was-in-lendnitz-passiert-bleibt-in-lendnitz/

Quelle des Beitragsbildes: http://www.gmeiner-verlag.de/

Quelle des Fotos: www.wa.de

 

/Zsófia Bodó/

Pro Campus-Presse Award 2013

Der Gewinner des Pro Campus-Presse Awards 2013 ist die Studierendenzeitung der Universität zu Köln. „Die Kölner Studierendenzeitung überzeugte mit ihrer schlichten und reduzierten Art”, sagte der freie Journalist Oliver Wurm, Mitglied der Jury.

Was ist der Pro Campus Presse Award? Der Pro Campus-Presse Award wird im Rahmen eines Wettbewerbs für deutschsprachige Studierendenzeitungen verliehen. Seit vielen Jahren werden immer im Februar die Top 10 der prämierten Zeitungen und Zeitschriften bekannt gegeben. Der Wettkampf war auch diesmal recht eng unter den dreißig Bewerbungen; die zehnköpfige Jury hat es jedoch geschafft, die besten unter den guten, das heißt die drei Sieger und weitere sieben Platzierte zu finden. Die Jury berücksichtigte dabei verschiedene Aspekte wie Textqualität, Struktur der Redaktion oder Darstellungsformen.

Unter den drei Siegern finden wir die Kölner Studierendenzeitung, Furios aus Berlin sowie die Zeitschrift der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich (ETH), Polykum. Alle drei Zeitungen sind einzig in ihrer Art. Man kann oft hören, dass sich viele Studierendenzeitungen „Online Campus“ nennen. Dieser Ausdruck ist knapp und bündig und steht dafür, das Leben einer Universität in seiner Ganzheit aus der Perspektive der Studierenden zu reflektieren. Das trifft auch für diese drei Magazine zu. Man kann die Artikel online lesen und es gibt verschiedene Möglichkeiten miteinander zu kommunizieren, zum Beispiel in einem Forum, wo auch Kommentare zu den Artikeln untergebracht werden. Natürlich haben die Zeitungen auch eine Plattform in den Social Media wie zum Beispiel Facebook, wodurch die Zeitschriften noch mehr Leser erreichen.

Der Sieg der Kölner Studierendenzeitung ist vielleicht am interessantesten, denn sie ist „erst vier Ausgaben alt, und schon für gold befunden”, wie die Gewinner überglücklich auf ihrer Homepage bekannt gaben. Diese Zeitschrift wurde im November 2011 von zwanzig motivierten StudentInnen der Kölner Uni gegründet. Ihr Ziel schien ganz unkompliziert zu sein: Sie wollten die beste Studierendenzeitschrift in Köln produzieren und sie haben das nicht nur geschafft, sondern viel mehr erreicht. Ihre Zeitung ist die beste Studierendenzeitung im deutschsprachigen Raum. In ihren Artikeln fokussieren sie auf das Leben, die Probleme, den Alltag der StudentInnen. So zum Beispiel gibt es Artikel über Wohnungsprobleme und Freizeitmöglichkeiten oder eben, welche Versicherung man wählen sollte. (http://www.studierendenzeitung.de/index.php?id=home)

kolner studierendenzeitung

Auf dem zweiten Platz steht die Zeitung Furios der Freien Universität Berlin. Letzten Dezember feierte das Campusmagazin seinen fünften Geburtstag. Furios ist schon zum zweiten Mal auf dem zweiten Platz gelandet; sein Erfolg ist kein Wunder, das Magazin hat ein wirklich hohes Niveau. Der Leser kann eine weite Auswahl von Themen darin finden, von Wissenschaft über Kultur bis zum Unigeschehen. Es gibt Artikel über aktuelle politische Neuigkeiten und Fragen, die mit der Universität zu tun haben. Es gibt wissenschaftliche Themen über Gesundheit, Geographie oder Literatur. Alles immer aktuell.

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Besucht man die Drittplazierten – Polykum – hat man das Gefühl, dass es sich hier um ein sehr seriöses Magazin handelt, mit ganz ernsten Themen. Größtenteils ist dies auch richtig, man trifft aber auch auf überraschende Themen oder Beiträge, wie zum Beispiel Horoskope und Kreuzworträtsel oder die Autoren empfehlen Partymöglichkeiten. Natürlich werden auch sogenannte seriöse oder gar heikle Themen behandelt, aber weniger als in der Kölner Studierendenzeitung oder in Furios. In der letzten Ausgabe gibt es zum Beispiel Artikel über Intimität, sexuelle Aufklärung, Gedanken einer Frau über die Abtreibung usw. Bemerkenswert aus unserer Sicht ist, dass es auch fremdsprachige Artikel in der Zeitung gibt, zum Beispiel auf Französisch. Vergegenwärtigt man sich aber, dass man sich mit dem Polykum auf Schweizer Boden bewegt, kommt es einem nicht mehr so überraschend vor.

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Unser Magazin, das Germanistische Magazin (GeMa) kann auch sehr stolz auf sich sein, denn im Jahre 2004 hat GeMa es geschafft, unter den besten 10 Studentenzeitungen von 56 Bewerbungen zu sein. Unter der Chefredaktion von Herrn Dr. Tamás Kispál erreichte GeMa den vierten Platz. Es kommt nicht so oft vor, dass in einem nicht deutschsprachigen Land ein deutschsprachiges Magazin mit so hohem Niveau und so lange publiziert wird. Dies wurde von Pro Campus-Presse mit einem Sonderpreis für Studierendenzeitungen, die in nicht deutschsprachigen Ländern publiziert werden, gewürdigt. GeMa besteht nach wie vor, Germanistikstudierende bearbeiten Semester für Semester im Rahmen einer Projektveranstaltung aktuelle Themen und dokumentieren gleichzeitig das Leben am Institut für Germanistik der Universität Szeged.

Unter folgenden Adressen finden Interessierte weitere Informationen zu den prämierten Studierendenzeitungen sowie zu Pro Campus Presse:

http://www.procampuspresse.de/

http://www.studierendenzeitung.de

http://www.furios-campus.de/

https://www.vseth.ethz.ch/polykum

Bilderquellen: www.kisd.de; www.mediabox.ch; www.furios-campus.de

/Zsófia Bodó/