Den Helden zum Gedenken

70 Jahre Kriegsende

Ein globaler Krieg, der bislang größte militärische Konflikt der Menschheit. Involviert waren über 60 Staaten und er forderte mehr als 70 Millionen Menschenleben. Der zweite Weltkrieg. Er begann mit dem Überfall auf Polen am 1. September 1939 und endete am 8. Mai 1945, als alle deutschen Truppen, die noch an den Fronten waren, kapitulierten.

In unzähligen Büchern und Filmen wurde er behandelt, daher möchte ich mich lieber mit einigen Einzelschicksalen beschäftigen, um den vergessenen Soldaten ein virtuelles Denkmal zu setzen. Über den Krieg hört man in der Schule auch in der Geschichtsstunde. Da werden aber nur allgemeine Informationen erwähnt und man kann nur schwer begreifen, was für Konsequenzen der zweite Weltkrieg für die einfachen Menschen hatte.

Die folgenden Männer hatten an der Seite der königlich-ungarischen Armee (als Teil der Achsenmächte) gedient und gekämpft und waren so Teil des Weltkriegs. Wichtig zu erwähnen ist, dass das Königreich Ungarn am 20. November 1940 mit der Unterzeichnung des Dreimächtepaktes in den Krieg eintrat. Dieses Datum bedeutete für viele den Anfang eines großen Krieges, an dem sie teilnehmen mussten.

  1. Bálint Bíró

Bíró, Jahrgang 1897, arbeitete als Bauer. Schon im Jahre 1916, im ersten Weltkrieg musste er zum Dienst antreten. Er war Husar und kämpfte an der Isonzo-Front. Nach den Gräueln des Krieges kehrte er heil zurück zur seiner Familie und arbeitete wieder in seinem eigentlichen Beruf. Als der zweite Weltkrieg ausbrach, wusste er nicht, dass später auch ältere Männer zum Militärdienst einberufen werden. Wieder als Soldat, musste er an der Ostfront gegen den sowjetische Armee kämpfen. Verwundet geriet er da in Kriegsgefangenschaft. Er starb 1945 noch in Gefangenschaft.

Bíró Bálint-1

  1. Lajos Berta

1927 meldete er sich als 18-Jähriger freiwillig zum Militärdienst. Nach seiner Ausbildung wurde er Feldwebel. Als Ungarn in den Krieg eintrat, wurde er als Teil der ungarischen Luftwaffe ebenfalls an die Ostfront geschickt, um Kriegserfahrungen zu erwerben. Er verbrachte drei Jahre dort. In den Kämpfen gegen die sowjetische Armee hatte er mehrmals seine Soldaten gerettet und half, die strategischen Pläne auszuführen. Er wurde neben anderen, ungarischen Auszeichnungen mit der Deutschen Verdienstmedaille ausgezeichnet. Für ihn ging der Weltkrieg 1945 zu Ende. Wegen der neuen politischen Situation in Ungarn konnte er keinen besseren Beruf finden, er arbeitete als Mechaniker weiter und starb 1965 im Alter von 55 Jahren.

Berta Lajos

  1. Gergely Bődi

Ein außergewöhnlicher Lebenslauf. Geboren am 5. November 1905 als Sohn eines Landwirts, ahnte er noch nicht, was ihn erwartet. Er konnte sehr gut reiten und mit Pferden umgehen, so wurde ihm angeboten, als Berufssoldat (Husar) zu dienen. Wegen seiner guten Fähigkeiten wurde er schnell zum Offizier und einer der Leibwächter des Landesverwesers Miklós Horthy. Es war eine Arbeit mit Prestige und großer Verantwortung. Wegen Mangel an ausgebildeten Soldaten musste er aber 1942 zur Luftwaffe wechseln. Nach Kriegsende bot man ihm einen Job als Soldat an, um den neuen Armee zu stärken. Er hatte das Angebot abgelehnt, was das Ende seiner Karriere bedeutete. Nachher musste er als Gleisenleger arbeiten, um seine Familie zu ernähren.

Bődi Gergely

Anhand dieser Lebensläufe könnte man denken, dass diese nicht die wichtigsten Rollen und Posten im Weltkrieg waren. Für mich sind sie aber sehr bedeutungsvoll. Aber wieso? Alle, die hier erwähnt wurden, waren Mitglieder meiner Familie. Heutzutage wissen viele in der Regel gar nicht mehr, was ihre Vorfahren gemacht hatten und wie sie lebten. Deshalb fand ich es wichtig, eine Artikel zu schreiben, in dem nicht die üblichen objektiven Themen in Verbindung mit dem Weltkrieg stehen, sondern einer Art Memento an die schon fast vergessenen Soldaten, die oft ihr Leben für ihr Vaterland geopfert hatten. Auch deshalb ist es wichtig, wenn jemand über seine Familie weiß. Leider werden immer mehr Menschen von ihren Familienmitglieder vergessen, obwohl sie nicht selten alles für die weiteren Generationen opferten.

 

/Benedek Béres/

(Quelle: Lüdeke/Alexander: Der Zweite Weltkrieg. Ursachen, Ausbruch, Verlauf, Folgen. Berlin 2007. )

Die Fotos stammen aus dem Privatbesitz des Autors.

RILKE-Abend im Grand Café

Zum 140. Geburtsjubiläum von Rilke

Am 31. März fand im Grand Café Szeged eine literarisch-musikalische Gedenkfeier zum 140. Geburtsjahr von Rainer Maria Rilke statt. Das Österreichische Kulturforum Budapest veranstaltete zusammen mit dem Lehrstuhl für österreichische Literatur und Kultur (Universität Szeged) sowie der Österreich-Bibliothek den Event. Den anderen Anlass für den Abend bot die 2014 erschienene Briefsammlung von Rilke, die Csaba Báthori ins Ungarische übersetzte. Der Moderator des Abends war Dr. habil. Attila Bombitz.

Der Abend fing mit einer kleinen Animation und einem Rilke-Gedicht an. Es waren fast nur Studierende und Dozentinnen und Dozenten anwesend, wodurch das Ereignis familiärer wurde. Nachdem das Gespräch von Herrn Bombitz eröffnet worden war, erzählte Csaba Báthori über seine Beziehung zu den Werken von Rilke. Er ist schon seit Jahrzehnten Rilke-Forscher und weiß daher auch so ziemlich alles über ihn. Er sprach auch das Rilke-Wörterbuch an, das unbedingt nötig sei, wollte man Rilke verständig lesen oder gar analysieren. (Als Beispiel für ein „typisches Rilke-Wort“ wurde die Rose genannt, die in vielen Werken und auch Briefen auftaucht.) Für erwähnenswert hielt Herr Báthori auch die Personen, die auf Rilke großen Einfluss hatten. Zu diesen gehört zum Beispiel Antonio Kippenberg, der den Verlag leitete, der die Werke von Rilke veröffentlichte und ihn auch sponsorte.

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Im Gespräch hervorgehoben wurde insbesondere das Jahr 1922, das für Rilke  den Durchbruch bedeutete. In diesem Jahr entstanden seine berühmten Sonette. Über den Lebenslauf hinaus wurde den Anwesenden auch noch manches über Rilke mitgeteilt, was weniger bekannt war, wie z.B. die Hintergrundinformationen zu Dezső Kosztolányis Rilke-Übersetzungen oder wie der erste Weltkrieg Rilkes Leben und Schaffen beeinflusste. (So konnte man auch über seine Zeit in der Kadettenschule spannende Details erfahren.)

Eines der Hauptthemen des Abends waren die Briefe. Neben seinen lyrischen Werken war Rilke einer der größten Briefschreiber. Bemerkenswert war, dass nach Báthori 90% der Briefe an Frauen geschrieben wurden (auch an seine Mutter) und dass noch viele Briefe in Privatsammlungen aufbewahrt werden und vorerst nicht zugänglich sind. In diesem Zusammenhang sprach der Gast des Abends auch über seine Arbeit an der Briefsammlung, die über zwanzig Jahre lang dauerte.

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Die Veranstaltung wurde durch eine Filmaufführung über das RILKE-Projekt abgerundet. Dabei handelt es sich um ein musikalisches Projekt des Produzenteneams Schönherz & Fleer, im Rahmen dessen Schauspieler mit passender musikalischer Begleitung Gedichte von Rilke interpretieren.

Insgesamt war die Veranstaltung in erster Linie für diejenigen, die sich mit Rilke beschäftigen, interessant, aber auch diejenigen, die Rilke „nur“ lesen, kamen auf ihre Kosten. Uns Studierenden, die erst gerade dabei sind, den Dichter zu entdecken, wurde eine vielseitige Kostprobe aus dessen Schaffen geboten.

/Benedek Béres/

Fotos: Benedek Béres

„Es geht mir gut!“

Postkarten im ersten Weltkrieg

Es ist gewiss, dass die Kommunikationsmöglichkeiten im Zeitalter des ersten Weltkrieges sehr beschränkt waren. Heute ist es sehr schwer, sich die damaligen Verhältnisse vorzustellen, deshalb kann man diese Seite des ersten Weltkrieges nur aus Geschichtsbüchern oder aus anderen Quellen erforschen. Als so eine Quelle könnten die Postkarten von damals dienen, die meist von den älteren Mitgliedern der Familien auch nach 100 Jahren noch gehütet werden.

Im ersten Weltkrieg (1914-1918) gab es noch sehr wenige Fernkommunikationsmittel. Damals wurden schon Morse-Apparate verwendet und auch die sogenannten Feldfernsprecher (Telefon) wurden zur dieser Zeit benutzt, aber nur für militärisch-strategische Zwecke.

Dem einzelnen Soldaten blieb nur die Möglichkeit, einen Brief oder eine Postkarte zu schreiben, um mit den Zuhausegebliebenen kommunizieren zu können. Briefe waren aber zumindest bei der k.u.k. (kaiserlich und königlich) Armee strengstens verboten. Der Grund des Verbots war sehr einfach: die Unüberprüfbarkeit der Briefe. Deshalb blieb die einzige Möglichkeit, Postkarten zu schreiben.

Ein Soldat auf Kriegsgebiet konnte bei „Feldpostbeamten“ Postkarten kaufen. Es gab aber auch andere Wege. Zu dieser Zeit waren Postkarten sehr populär, auch bei der Zivilbevölkerung, deshalb gab es auch relativ viele Verkäufer. Manche Fotografen boten sogar an, die Bilder, die von jemandem gemacht wurden, als Postkarte zu drucken. Diese Option war sehr beliebt im Heer. Die Soldaten verschickten Gruppenfotos oder Fotos, auf denen sie stolz mit ihren Auszeichnungen posierten. Es gab auch Postkarten, die zur Ermutigung der Soldaten dienten. Bilder von kämpfenden Männern, die alle Angriffe abgewehrt hatten, Bilder über Heimkehrende, Bilder über Frauen, die von der Heimkehr ihrer Geliebten träumen. Auch Karten über Militärparaden und sogar über Krankenschwestern und auch welche, auf denen man die noch verbleibende Dienstzeit angeben konnte, gehörten zu den Favoriten.

Interessant ist, dass Postkarten in der k.u.k. Armee die Offiziere und die Mannschaftsleute miteinander verbanden, denn auch ein Oberst konnte nur per Postkarte mit seiner Familie kommunizieren. Dies war in dieser Zeit von großer Bedeutung, denn den damaligen militärischen Regeln zufolge waren Offiziere und die anderen Soldaten gesellschaftlich auf unterschiedlichen Ebenen.

Es muss aber auch bemerkt werden, dass im ersten Weltkrieg die Post nur sehr langsam zu den angegebenen Adressen gelangte. Der Zeitraum zwischen dem Verschicken und der Übergabe an den Empfänger war im optimalen Fall ein Monat. Es gab auch Fälle, in denen die Postkarten 4 Monate brauchten – oder gar nicht mehr ankamen. Die Post wurde meistens mit Pferdekutschen transportiert, da die Automobile für wichtigere Zwecke verwendet wurden.

Heute, in der Zeit der digitalen Medien, sind diese Gegebenheiten für manche kaum vorstellbar. Damals hatten aber die Menschen keine andere Wahl. Die Zuhausegebliebenen warteten immer auf Post, nur so konnten sie erfahren, wer von ihren Familienmitgliedern den Krieg überlebt hat. Auch die Soldaten, die in Kriegsgefangenschaft gerieten, hatten die Möglichkeit, Postkarten zu schicken.

In solchen wurden immer die verschiedensten Themen besprochen. Es gab Karten mit Gedichten, einfache Meldungen, dass alles gut ist mit Sätzen wie „Ich lebe noch.“ oder „Alles ist in Ordnung“. Man konnte aber auf solche Postkarten nur ein paar Sätze schreiben und diese durften nur wenig Informationen beinhalten, um die schon erwähnte Zensur umgehen zu können. Die Karten, die nicht durch die Zensur kamen, wurden meistens verbrannt. Es gab auch Kriegsgebiete, in denen die Truppen so isoliert wurden, dass fast keine Kommunikation mit der Umwelt mehr möglich war, zum Beispiel bei den Bergkämpfen an der Isonzofront (Italien). Die Soldaten erkundigten sich auch oft durch dieses Medium, ob zum Beispiel die Verwandten den Krieg überlebten. Für Familien war es aber immer eine große Freude, wenn nach 1-2 Jahren vom Vater eine Postkarte durch den Boten überreicht wurde.

Es gab auch Soldaten, die zuletzt nur eine Postkarte als Abschied schicken konnten und es gab auch viele, von denen keine Postkarte mehr ankam…

 

/Benedek Béres/

Anm. der Redaktion: Die hier gezeigten Postkarten bilden einen Teil der Sammlung des Autors.

 

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„Bis zum Ende der Welt“

Ein Doppelgeburtstag. Symposium zu den Werken von Christoph Ransmayr und 20. Geburtstag des Lehrstuhls für Österreichische Literatur und Kultur an der Universität Szeged.

Am 24. März wurde ein Symposium zu den Werken von Christoph Ransmayr eröffnet. Mit diesem Ereignis wurden gleich zwei Feierlichkeiten, nämlich der 60. Geburtstag des Autors und der 20. Jahrestag der Gründung des Lehrstuhls für Österreichische Literatur und Kultur an der Universität Szeged, gewürdigt. Das Symposium wurde von Dr. habil. Attila Bombitz ins Leben gerufen. Neben Gästen aus Österreich (z. B. Mag. Bernhard Fetz, Prof. Dr. Wolfgang Müller-Funk) kamen auch Besucher und Vortragende aus Polen (Dr. Gabriela Ociepa, Tymofij Havryliv und Prof. Dr. Slawomir Piontek) und natürlich auch aus Ungarn (Dr. habil. Zsuzsa Bognár, Dr. Edina Sándorfi und Dr. Edit Király). Es waren Gäste aus dem nahen Temeschwar und aus dem fernen New Jersey gekommen. Als eine Art Höhepunkt der Konferenz hatten die Besucher die Möglichkeit, Vorträge und eine zweisprachige Lesung aus den Werken Ransmayrs zu hören, gehalten von bekannten Übersetzern seiner Werke ins Ungarische.

Christoph Ransmayr, geboren am 20. März 1954, ist einer der bekanntesten deutschsprachigen Schriftsteller, der es schafft, Realität und Fiktion in den Werken miteinander zu verschmelzen. Ransmayrs Werke sind bekannt dafür, dass historische Tatsachen mit fiktionalen Elementen gemischt werden und erst so ein Ganzes bilden. Der Autor, der übrigens Philosophie und Ethnologie in Wien studierte, gewann auch schon mehrere Literaturpreise und Auszeichnungen. Seine wichtigsten Werke in chronologischer Reihenfolge sind: Die Schrecken des Eises und der Finsternis (1984), Die letzte Welt (1988), Morbus Kitahara (1995), Der fliegende Berg (2006), Atlas eines ängstlichen Mannes (2012).[1] Manche seiner Erzählungen wurden auch, wie bereits erwähnt, ins Ungarische übersetzt. Leider konnte Christoph Ransmayr selbst nicht an dieser Konferenz teilnehmen.

Der erste Tag des Symposiums wurde von Dr. Susanne Bachfischer (Budapest), Univ.-Prof. Dr. Árpád Bernáth (Szeged) und von Dr. habil. Attila Bombitz (Szeged) mit einer Erläuterung der Themen des Symposiums eröffnet. Am ersten Tag waren mehrheitlich Vorträge über die historischen Daten, die in Ransmayrs Werken vorkommen, und Untersuchungen von Werken unter verschiedenen Aspekten, wie zum Beispiel Die Schrecken des Eises und der Finsternis zu hören.

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Dr. Susanne Bachfischer, Direktorin des Österreichischen Kulturforums

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Prof. Dr. Árpád Bernáth hält seine Eröffnungsrede

Am 25. März wurden über diverse Themen rund um Christoph Ransmayr und sein Lebenswerk Vorträge gehalten: Allgemeines über Ransmayrs Erzählungen, von Dr. Dana Pfeiferova (Budweis), in denen auch die Dopplungen, die immer wieder vorkommen, mitsamt der häufig dargestellten Motive, erläutert wurden. Dem folgte ein interessanter Vortrag von Dr. Renate Langer (Salzburg) über die religiösen Motive, die in den Werken Ransmayrs zu beobachten sind. Am Nachmittag sprach Maria Naganowska (Poznañ/Wien) über einige Forschungsperspektiven, gefolgt von einem Vortrag von Dr. habil. Attila Bombitz über Ransmayrs „Letzte Welten“, in dem auch ungarische Parallelen genannt wurden. In diesem Vortrag war auch davon die Rede, wie Ransmayr in Ungarn von den Lesern akzeptiert wird. Es ist erfreulich, festzustellen, dass sich heutzutage immer mehr Literaturforscher mit den Werken Ransmayrs beschäftigen und auch der Leserkreis, dank der (guten) Übersetzungen, wächst.

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Dr. habil. Attila Bombitz bei der Eröffnung

Um 18:00 Uhr folgte aber das Ereignis, auf das schon viele Teilnehmer der Konferenz warteten, nämlich die zweisprachige Lesung aus dem Werk Die letzte Welt – eine Geschichte, in der eine fiktive Figur nach Naso (Ovid) sucht. Eröffnet wurde sie mit einem Ausschnitt einer Verfilmung des Werkes, die nie fertig gedreht wurde, gefolgt von Iván Sándor mit einer Art Einführung in das Thema. Lajos Adamik hielt dann einen Vortrag, er hatte Morbus Kitahara ins Ungarische übersetzt, über diesen Roman. Später konnten die Anwesenden eine digitalisierte Lesung von Ransmayr selbst anhören, aber auch Péter Esterházy und László Márton lasen in zwei Sprachen (deutsch-ungarisch) und hielten auch Vorträge über die Hauptmotive und über die wichtigsten Fragestellungen in Die letzte Welt. Man konnte auch über die Parallelen, die Gegensätze und über die Ovid/Naso-Problematik in den Werken von Hermann Broch und Christoph Ransmayr einen klaren Überblick bekommen. Außerdem erhielt man ein eindrucksvolles Bild über die poetische Sprache des Autors selbst und die Detailliertheit der Übersetzungen. Dieser Teil der Konferenz wurde von einem sehr großen Publikum äußerst positiv aufgenommen.

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László Márton liest vor

Am letzten Tag des Symposiums wurde schließlich die poetische Seite der Ransmayr-Erzählungen von Dr. habil. Zsuzsa Bognár (Piliscsaba) dargestellt, gefolgt vom Vortrag des polnischen Gastes, Prof. Dr. Slawomir Piontek, über Morbus Kitahara, einen Roman, in dem ein Land beschrieben wird, das nach einem Krieg deindustrialisiert wird.

Am Mittwochnachmittag wurde ein ganzer Vortragsblock den „polnischen Geschichten“ Christoph Ransmayrs gewidmet. Es wurde über die Erzählung Przemysl diskutiert, gefolgt von einer sehr umfassenden Übersicht über diese Werke Ransmayrs mit polnischer Thematik.

Das Ende des Symposiums wurde mit einem interdisziplinären Vortragsblock abgeschlossen: mit einen Vortrag von Dr. Eleonora Ringler-Pascu aus Temeschwar über das Odysseus-Motiv in Ransmayrs Roman. Der letzte Vortrag hatte das Thema Musik in der Literatur im Fokus. Als Beispiel wurde das Werk  Damen und Herren unter Wasser herangezogen, in dem es zahlreiche Elemente gibt, die für dieses Thema passend sind, wie zum Beispiel die Namen der Charaktere, onomatopoetische Wörter usw. Die Teilnehmer konnten auch eine Lesung des Autors selbst zu dieser Erzählung hören.

Fazit: Eine rundum gelungene Konferenz, mit einer sehr guten Stimmung, vielen Interessenten und auch vielen Fragen, die manchmal sehr ausführlich beantwortet wurden. Für mich war es eine sehr gute Gelegenheit, in nur drei Tagen enorm viel über Christoph Ransmayr und sein Lebenswerk zu erfahren und für mein weiteres Studium mitzunehmen.

Quelle des Beitragsbildes: www.aurora-magazin.at

Quelle der Bilder: Edit Bogdány

/Benedek Béres/



[1]
 http://www.ransmayr.eu/leben/

Leben als Soldat im I. Weltkrieg

Zum 100. Jahrestag des I. Weltkrieges

Als der „Große Krieg“ Ende Juli 1914 begann, wussten die meisten Menschen in der Österreich-Ungarischen Monarchie nicht, was sie erwarten wird. In diesem Artikel möchte ich einen kleinen Einblick in das Leben der Soldaten geben, die wegen des Krieges den Militärdienst antreten mussten. Über die Offiziere im I. Weltkrieg könnte man ganze Bücher schreiben, deshalb möchte ich mich jetzt vorwiegend mit der Mannschaft des Heeres  beschäftigen.

Ein normaler Bürger, der damals keinen Beruf oder keinen höheren Schulabschluss hatte, wurde zu den Mannschaftsleuten geschickt. Dies war die gefährlichste Option, weil diese Soldaten bei Angriffen immer die erste Reihe bildeten, und diese Männer waren es auch, die die schwierigsten Aufgaben erledigen mussten. Die Landstreitkräfte (Soldaten, die auf dem Land kämpften) bestanden aus der Infanterie und der Kavallerie.

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Gruppenfoto von Infanteristen in Szeged, 1915

Da die Kavallerie in der Zeit der Monarchie zu den Elite-Einheiten gehörte, konnten sich diejenigen, die zur Kavallerie zugeteilt wurden, oft glücklich schätzen. Zu den Fliegern, die in den späteren Jahrzehnten die Elitetruppe waren, konnten nur wenige gelangen, gehörten doch die Flugzeuge wegen ihrer begrenzten Zahl in dieser Zeit noch nicht zu den wichtigsten Waffen.

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Mein Ururgroßvater, István Fári im I. Weltkrieg als Soldat der Kavallerie

Für diejenigen, die zum intellektuellen Bürgertum gehörten und z. B. über einen Hochschulabschluss verfügten, gab es auch eine Möglichkeit, sich freiwillig für eine Offiziersausbildung zu melden. Diese Menschen hatten später eine viel leichtere Dienstzeit als die Mannschaftsleute.

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Mannschaftsleute im ersten Weltkrieg (Sammlung von Marcell Tóth)

 

Verpflegung und Alltagsleben an den Fronten

Jeder, der zum Dienst antrat, bekam eine (oft nur kurze) Ausbildung und wurde dann ins Kriegsgebiet transportiert. Die Mannschaftsleute wurden oft in Höhlen und in niedergebrannten Häusern, nicht selten wochenlang, untergebracht. Sie mussten auch regelmäßig viele Kilometer zu Fuß zurücklegen. Häufig war aber kein Unterschlupf zu finden. In diesen Fällen mussten die Männer diese selbst bauen. Die schlimmsten Zustände für die Monarchie herrschten an den Fronten in Tirol und Italien. Weil die Schlachten hier schnell in einen Stellungskrieg übergingen, verschlimmerte sich die Lage Tag für Tag. Lebensmittel gab es kaum, auch Wasser war spärlich oder gar nicht vorhanden und wegen der vielen Kämpfe (Bomben, Fluggranaten, Trommelfeuer, Gasangriffe) konnten die Soldaten der Monarchie den Fluss Isonzo nur schwer erreichen. Ende 1917 hatten dann selbst die bislang privilegierten Offiziere keine guten Aussichten mehr.

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Soldaten marschieren im Winter (Sammlung von Marcell Tóth)

 

Kommunikation mit der Außenwelt

In der Zeit des I. Weltkrieges waren die „Mobilkommunikationsmöglichkeiten“ begrenzt. Es gab aber schon Telegraphen und Telefonnetze, aber die wurden nur für militärische Zwecke benutzt. Die einzige Möglichkeit, die die Soldaten (auch die Offiziere) zur Kommunikation mit Verwandten, Geliebten etc. hatten, waren Postkarten. Briefe waren nicht erlaubt, weil sie schwer zu kontrollieren waren. Auch die Postkarten wurden von einem Zensuramt überprüft. Die Post konnte nur äußerst schwierig zu den Empfängern gelangen und oft vergingen Monate bis zur Übergabe der Karten.

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Feldpostkarte aus dem I. Weltkrieg

 

Wirkung des Krieges auf die Soldaten

Berufssoldaten wurden für die Situationen an den Fronten und im Krieg vorbereitet, aber die Anderen, die nur wegen des Krieges eingezogen und kurz ausgebildet wurden, konnten sich die bevorstehenden Strapazen oft nicht vorstellen. Auch über die nötige Ausrüstung verfügten viele nicht und als diese Menschen in die Kriegsgebiete geschickt wurden, sahen sie den „Großen Krieg“ von seiner schlimmsten Seite. Viele Soldaten wollten schon nach den ersten Tagen nach Hause gehen, aber dies brachte ihnen schwere Strafen vonseiten der Offiziere. Viele wurden entweder getötet oder schwer verletzt. Es gab sogar Situationen, in denen Familienväter neben ihren eigenen Söhnen kämpfen mussten. Die schweren psychischen und körperlichen Strapazen hinterließen in allen, die in der Armee dienten, ihre Spuren. Viele konnten nicht mehr ins Alltagsleben zurückkehren. Als sich die Kriegslage verschlimmerte, wurden immer mehr Soldaten demoralisiert. Zeitgenössische Quellen, wie das Tagebuch oder Memoiren, liefern der späteren Nachwelt wertvolle Einblicke in die Situation der Betroffenen. Beispielsweise soll hier der Lebenslauf von Imre Dombi-Kiss erwähnt werden, der vor dem I. Weltkrieg als einfacher Bauer arbeitete. Zum Militärdienst musste er am 29. Juli 1914 in Szeged antreten. Nach einer schnellen Ausbildung als Infanterist wurde er nach Galizien geschickt. Tapfer kämpfte er bis zum 22. März 1915 an den Fronten in Italien und in Tirol, als er bei Przemysl in russische Gefangenschaft geriet. Mit anderen Monarchie-Soldaten wurde er als Zwangsarbeiter nach Südasien verfrachtet. Nach zwei Jahren gelang es ihm, nach Persien zu flüchten, wo er die österreichisch-ungarische Botschaft aufsuchte. Monate später kam er nach Hause zu seiner Familie zurück, die schon fast die Hoffnung auf ein Wiedersehen verloren hatte. Nach seiner Heimkehr schrieb er seinen Lebenslauf, zeigte ihn aber niemandem, und schrieb danach in seinem Leben nie wieder.

 

Hebung der Moral der Soldaten

Während des Krieges versuchten die Offiziere mit verschiedenen Mitteln die Moral der Soldaten zu heben. Die größte dieser Maßnahmen war die Verleihung von Auszeichnungen, die von den Soldaten sehr geschätzt wurden, weil sie nur schwer zu bekommen waren. Die am häufigsten verliehene Auszeichnung war die Tapferkeitsmedaille der Monarchie. Diese konnte man für „inspirierend große Tapferkeit und tapferes Verhalten dem Feinde gegenüber“ erlangen.

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Silberne Tapferkeitsmedaille, I. Klasse

Diese Auszeichnung hatte 6 Stufen: die Bronzene Tapferkeitsmedaille (TM), die Silberne T.M. II. Klasse, die Silberne T.M. I. Klasse, die Goldene T. M. und die letzten beiden Stufen noch dazu speziell für die Offiziere. Nach 1916 wurden auch Medaillen gestiftet, die verschiedene Taten der am Krieg teilnehmenden Soldaten symbolisierten, wie z. B. Orden für Verletzungen. Der zweite bekannteste Orden der Monarchie war das Karl-Truppenkreuz. Dieses konnte man nach 12 Wochen Dienst auf Kriegsgebiet bekommen.

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Karl Truppenkreuz

Diese Auszeichnungen und Orden wurden von den Soldaten stolz getragen, denn sie symbolisierten ihre Tapferkeit und ihren besonderen Beitrag zum Krieg. Auch nach dem I. Weltkrieg wurden viele Gedenkorden gegründet.

Es gab aber auch andere Versuche für die Hebung der Stimmung unter den Frontsoldaten. Es gab Plakate für diesen Zweck, die Menschen wurden manchmal aber auch durch die Postkarten ermutigt. Die anfallenden Feiertage wurden zum Beispiel auch an den Fronten gefeiert und es gab manchmal endlose Kartenspiele unter den Soldaten.

Als Erinnerung an die Familie oder als Lebenszeichen der Kämpfenden dienten Fotos, die man als Postkarten verschicken konnte. Viele Gruppenfotos wurden gemacht und auch weniger düstere Momente des Krieges wurden mit der Hilfe von Fotoapparaten verewigt. Die Soldaten posierten glücklich und voller Stolz in ihren Uniformen, nicht ahnend, was sie am nächsten Tag erwartet.

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Soldaten in einem Gasthaus, 1916

Quellen:

– Stevenson, David(2010): 1914–1918. Der Erste Weltkrieg. Mannheim: Patmos Verlag.

– Keegan, John(2003): Der Erste Weltkrieg. Eine europäische Tragödie. 2. Auflage, Hamburg: Reinbek bei Hamburg.

– Kiss Dombi, Imre (1983): Pokoljárásom, In: Szenti, Tibor (Hrsg.): Tények és Tanúk, Budapest: Magvető Könyvkiadó

/Benedek Béres/

Weitere Fotos:
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Mannschaftsleute im Kriegsgebiet in Italien (Sammlung von Marcell Tóth)
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Feldpostkarte aus dem I. Weltkrieg
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Silberne Tapferkeitsmedaille, II. Klasse

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Bronzene Tapferkeitsmedaille

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„Laeso Militi“ Medaille für Kriegsverletzungen

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Gruppenfoto: Soldaten mit Pflegerinnen, 1916

Anm. der Red.: Die Fotos ohne Angabe der Quelle stammen alle aus der Sammlung des Autors, Benedek Béres.