„Lesungen und ihre Orte”

Kann man sich vorstellen, eine Lesung auf einem Schiff zu besuchen oder in einem Kunstsalon zu organisieren? Wo und wie wurden die Vorträge um 1900 gehalten? Welche Ziele sind heute bei der Organisation der Lesungen in Literaturfestivals berücksichtigt? Auf diese Fragen hat Frau Dr. Sandra Rühr, die akademische Rätin am Lehrstuhl für Buchwissenschaft an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg ist, in ihrem Gastvortrag ausführliche Antworten gegeben.

Mit dem Titel „Lesungen und ihre Orte” hielt Dr. Sandra Rühr am 06. Mai 2014 einen spannenden Vortrag. Sie beschäftigt sich seit zwei Jahren mit der Untersuchung der Lesungen und des Leseevents und diskutiert mit Kulturwissenschaftlern über die Wirkungen der modernen Medien.

sandra ruehr beim vortrag

Frau Rühr begann ihren Vortrag mit der Darstellung eines Standbilds, dann zeigte sie einen ironischen und lustigen Filmausschnitt aus der Filmkomödie Pappa ante Portas von Loriot, der eine Vortragssituation veranschaulichte. Mit Hilfe dieses Filmausschnittes stellte Frau Rühr die typischen Merkmale der Lesungen dar: ihre Orte, die Art und das Publikum. Ein Schauspieler oder der Autor selbst können Werke vorlesen. Heutzutage sind „Wasserglas-Lesungen” noch immer typisch: Auf dem Tisch sind im Allgemeinen das Manuskript und ein Glas Wasser, vielleicht weitere Bücher zu sehen und es wird keine Musik gespielt. Der Autor kann gefragt werden, so zum Beispiel über das Thema des Vortrags. Die Lesungen haben auch eine ökonomische Funktion. Wegen der Vermarktungsstrategie können öffentliche Vorträge auch gehalten werden, um Leser zu gewinnen.

Im Mittelpunkt des Vortrags standen die Lesungen um 1900 am Beispiel von Karl Kraus und heute bei den Literaturfestivals. Karl Kraus ist in erster Linie ein Schriftsteller und bekannt für seine Lesungen, die an außergewöhnlichen Orten stattgefunden haben, wie im Kunstsalon, in Festsälen, in Kultur- oder Konzerthäusern. Die gemütlichen, hellen und freundlichen Orte dienten dazu, neue Formen der Vergemeinschaftung zu entwickeln. Kraus‘ Ziel war, die gesellschaftlichen Grenzen zu überschreiten. Die Lesungen wurden ohne Beschränkungen organisiert, d.h. sie waren auch für Studenten zugänglich. Kraus hielt seinen ersten Vortrag 1910 im Dunkeln, weil er auf seine Zuhörer so besser einwirken konnte. Besonders interessant ist, dass er nicht gern in der Nähe der Zuhörer gesessen und manchmal aus Werken anderer Autoren vorgelesen hat. Dabei sollte man sich heute überlegen, wie es wohl in einem riesigen Raum ohne jede elektronische Ausstattung, ohne Mikrofon, ohne Lautsprecher auf ein großes Publikum gewirkt haben mag.

sandra ruehr_publikum2

In dieser Zeit war das Ziel dieser Veranstaltungen, die gemeinsamen Interessen zur Kultur zu teilen, aber heute ist es z. T. anders. Die Gesellschaft von heute nennt man Erlebnisgesellschaft, d. h. die kulturellen Veranstaltungen werden mit dem Ziel organisiert, schöne Erlebnisse zu erfahren. Die Literaturevents bieten heutzutage geplante, einzigartige Programme an und die kommerziellen Erfolge spielen auch eine wichtige Rolle. Die 14. Lit.COLOGNE wurde als Beispiel für ein Literaturfestival genannt, die ein mehrtägiges Ereignis im Bereich der Literatur ist. Ihr Inhalt ist heterogen, um die Interessen aller potenziellen Besucher zu bedienen: von der klassischen Literatur bis zu politischen Themen finden Programme statt. Die 14. Lit.COLOGNE folgte dem Aspekt der Internationalität mit dem Ziel, die nationalen Barrieren aufzulösen. Außerdem fördert sie die variable Kulturvermittlung.

Schließlich wurden sechs Beispiele mit Fotos gezeigt, die die neuen Formen der Lesungen präsentierten, wie zum Beispiel auf einem Schiff, in der Kölner Lanxess Arena und im Pfandhaus (einer Veranstaltungsstätte für Konzerte, Kunst und Kultur). Sie stellten verschiedene Formen des Erlebnisses dar: Man kann in greifbarer Nähe des Autors sein oder auf einer großen Leinwand den Vortrag sehen.

Die Lesungen fanden nicht nur um 1900, sondern auch heute an ungewöhnlichen Orten statt. Aus Frau Rührs Vortrag ging auch hervor, dass heute sowohl die typischen Wasserglas-Lesungen als auch die vielfältigen und speziellen literarischen Veranstaltungen beliebt sind.

 

/Erika Banok/

Bildquelle (Beitragsbild): tseeling.blogspot.com

„Die fünfte Jahreszeit”

Die pelzigen, maskierten Ungeheuer verjagen jedes Jahr Ende Februar in Mohács den Winter und die Kälte. Der Busó-Umzug bildet einen wesentlichen Teil unserer Landeskunde und trägt seit 2009 den Titel UNESCO Weltkulturerbe. Es ist in vielen Ländern verbreitet, das Ende des Winters zu feiern, aber wie und was zelebriert man in Deutschland überhaupt? Welche Traditionen gibt es dort?

Deutschland ohne Karneval ist undenkbar. „Die Fünfte Jahreszeit” feiert man jedes Jahr in Deutschland, aber was steckt eigentlich dahinter? Die Bezeichnung dieser Bräuche weicht innerhalb einiger Gebiete Deutschlands ab und ebenfalls die Ursprünge des Festes werden unterschiedlich erklärt. Von der Fastnacht spricht man in Süddeutschland und diese Bezeichnung hat althochdeutsche Wurzeln. Sie verweist auf den Abend vor Beginn der Fastenzeit. Fasching wird in Ostdeutschland, in Bayern und in Österreich verwendet und bedeutet Ausschank vor der Fastenzeit. Die Bezeichnung Karneval ist vor allem in Köln verbreitet. Carne vale bedeutet Fleisch lebe wohl und ist ebenfalls ein Hinweis auf das Fasten. Eine andere Theorie sagt, dass die Göttinnen des Frühlings und der Fruchtbarkeit bei den Umzügen wieder erscheinen.

Dieses fröhliche Volksfest feierte man ursprünglich schon lange vor dem 12. Jahrhundert. „Die tollen Tage” haben heidnische Wurzeln, womit man den Frühling begrüßte und das Ende des Winters zelebrierte. Die Masken und Kostüme dienten dazu, die Kälte und Krankheiten zu vertreiben.

In Köln entwickelte sich der Karneval unter dem Einfluss der französischen und preußischen Obrigkeit (18./19. Jahrhundert) weiter. Ursprünglich wollten sie die Franzosen verspotten und in bunten Kostümen und Masken parodisierten sie das Militär.

Aber wie feiert man heutzutage? Als Sessionseröffnung gilt immer der 11. November, wenn die Narren in bunten Kostümen um 11:11 Uhr das Fest eröffnen. Am „Elften Elften” beginnt zwar die Session, aber der Karneval findet eigentlich im Januar oder im Februar statt, von Weiberfastnacht (Donnerstag) bis Aschermittwoch, also etwa sechs Tage. Weiterhin interessant ist, dass die Zahl „Elf” anhand einiger Theorien die Maßlosigkeit und die Sünde symbolisiert, deshalb gilt sie als die Zahl der Narren.

Wie läuft der Kölner Karneval eigentlich ab? Mit der Weiberfastnacht beginnt der Straßenkarneval im Zentrum der Domstadt pünktlich um 11:11 Uhr. Während des Karnevals gibt es viele Umzüge, auch in vielen kleinen Städten. Die Jecken (=Die Teilnehmer an Karneval) tanzen in Kostümen und singen kölsche Karnevalslieder auf den Straßen. Die Leute verkleiden sich auch heute gern als Karikaturen der Politiker, aber die Fabelwesen, Figuren aus der Dorfgeschichte und Tiere als Kostümideen sind ebenfalls sehr beliebt. An diesen Tagen übernehmen die Jecken die Regierung und „die närrischen Frauen” schneiden den Männern die Spitze der Krawatte ab.

In Köln erklingt während des Karnevals laut das „Kölle Alaaf”. Das ist der Schlachtruf der Narren und bedeutet soviel wie „Köln über alles”. Mit Hilfe dieses Schlachtrufes verjagen sie die bösen Geister. Jeder Karneval hat ein Motto und in der Session 2014 lautete es: „ZOKUNFT – MER SPINGKSE WAT KÜTT“. Auf Hochdeutsch bedeutet es „Zukunft, wir schauen, was kommt!“.

Am Aschermittwoch nehmen die Jecken dann vom Karneval Abschied und diese Verabschiedung verläuft in jeder Stadt unterschiedlich. In Bonn wäscht man den Geldbeutel im Rheinwasser aus, dagegen ist es in Düsseldorf ein Brauchtum, den Karnevalsnarr Hoppeditz zu Grabe zu tragen. Um 11:11 Uhr am Aschermittwoch verbrennen die Jecken jammernd die symbolische Puppe. Mit der Verbrennung der Puppe büßt diese für die Sünden, die im Karneval begangen wurden. Das Narrentreiben kann mit der Verbrennung, Bestattung oder mit dem Ersaufen einer Hexenpuppe beendet werden.

Ist es nicht interessant, dass diese Traditionen im Hintergrund des Karnevals stehen? Handelt es denn beim Karneval heute um das Weiterleben der Traditionen oder spielt vor allem der Spaß eine wichtige Rolle?

/Erika Banok/

Quelle:

http://www.welt.de/vermischtes/article717993/Stichwort-Fastnacht-Fasching-Karneval.html

http://www.karnevalswierts.com/karneval

http://www.planet-wissen.de/kultur_medien/brauchtum/rheinischer_karneval/wissensfrage.jsp

http://www.welt.de/videos/article125269371/Seit-11-11-Uhr-schunkeln-die-Jecken-wieder.html

http://www.welt.de/regionales/duesseldorf/article125457366/Die-fuenfte-Jahreszeit-ist-vorbei.html

http://www.martin-von-tours.de/legenden/

http://de.wikipedia.org/wiki/Martinstag

http://de.wikipedia.org/wiki/Martin_von_Tours

 

„Österreich: ankommen und aufleben”

Ein Winterurlaub oder lieber eine Sommererholungsreise? Eine spontane Kurzreise oder vielleicht ein ausführlich geplanter Urlaub? Welche sind die beliebtesten Urlaubsformen in Österreich? Wie hat sich der österreichische Tourismus in den letzten 10 Jahren entwickelt? Diese Fragen standen im Mittelpunkt des Vortrags von Mag. Emanuel Lehner, dem Regional-Manager für Zentraleuropa und Leiter der Österreich-Werbung Budapest.

Am 24. Ferbuar 2014 fand mit dem Titel „Tourismus in Österreich” ein interessanter Vortrag von Mag. Emanuel Lehner statt. Im Rahmen der Spezialisation für Fremdenführung und Tourismus und im Landeskunde-Seminar beschäftigen wir uns mit dem kontrastiven Vergleich von einschlägigen Fragen in Bezug auf Österreich und Ungarn. Aus diesem Grund lud Frau Elisabeth Peschke, Österreich-Lektorin des Institut für Germanistik in Szeged, Herrn Lehner ein, um den Zuschauern ein aktuelles Bild über den Stand des Tourismus und innerhalb dessen über die Lage in Österreich zu vermitteln. Während des Vortrags wurden Statistiken gezeigt. Trotz der zahlreichen Daten und Tabellen wurde das Thema spannend interpretiert und mit persönlichen Erfahrungen ergänzt.

Die Firma Österreich Werbung bietet Arbeitsplätze für 230 Mitarbeiter – in Österreich und auch weltweit – und organisiert Urlaub in Österreich. Herr Lehner verwies darauf, dass ihre wichtigsten Aufgaben sind, Österreich für Touristen attraktiver zu machen und den emotionalen Mehrwert eines Österreich-Aufenthalts zu vermitteln. Die Österreich Werbung besitzt weltweit Büros: in einigen Städten in den USA, in China und in allen europäischen Ländern.

Der Tourismus entwickelte sich in den letzten zehn Jahren sehr positiv. Angesichts der Ankünfte in Österreich zeigen die Statistiken ein Wachstum von 1,8%: Konkret ist die Zahl der Ankünfte in 10 Jahre auf 36,8 Millionen gestiegen. Die Gründe dafür können die billigeren Flugtickets, die besseren Verkehrsmittel und die gut ausgebauten Straßen sein. Allerdings kann man anhand der Nächtigungen feststellen, dass die Touristen statt einer längeren Reise den Kurzurlaub bevorzugen. Früher war der dreiwöchige Urlaub beliebt, aber heutzutage zeigt die Nachfrage eher in Richtung mehrerer kleiner Reisen. Früher waren die Reisekataloge weit verbreitet, um einen Urlaub zu organisieren. Heutzutage ist es zu einem neuen Trend geworden, das Internet für die Planung, Suche und Buchung einer Reise zu benutzen.

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Tourengeher in Osttirol / Großglockner Resort bei Kals-Matrei © Österreich Werbung, Fotograf: Joe Wörgötter

Österreich verbindet man oft mit dem Wintersport- und Wintererholungsurlaub, deshalb es ist kaum zu glauben, dass im Sommer mehr Touristen nach Österreich fahren. Herr Lehner erklärte die Gründe dafür: Im Sommer stehen mehr Angebote zur Verfügung und das Skifahren verliert heute an Bedeutung.

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Neusiedler See Strandbad Illmitz © Österreich Werbung, Fotograf: Popp Hackner

Außerdem unterscheiden sich die Nationen hinsichtlich ihrer Bedürfnisse und Interessen, betonte Herr Lehner. Die Chinesen brauchen beispielsweise chinesische Restaurants und die Ungarn verbringen lieber einen Aktivurlaub. Für uns Ungarn werden vielfältige Programme angeboten: Schwimmen, Spaziergänge, Wanderungen und Weinproben. Die österreichischen Spezialitäten sind auch unerlässlich.

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Innsbruck, Maria-Theresien-Straße © Österreich Werbung, Fotograf: Popp Hackner

Auch das allgemeine Reiseverhalten der Ungarn wurde dargestellt. Unsere Reiseziele sind vor allem das Mittelmeer und die Nachbarländer. Ein Blick in die Statistiken veranschaulicht, dass 26% der ungarischen Touristen nach Österreich reisen. Es ist überraschend, dass das beliebteste Zielgebiet nicht Tirol, sondern die Steiermark ist. Im Bereich des Städtetourismus nimmt Wien den ersten Platz ein. Weiterhin auffällig: der Entscheidungszeitpunkt wird immer kurzfristiger, d.h. ein Urlaub wird heutzutage kaum länger als vier Monate im Voraus geplant. Dafür treten die spontanen Kurzreisen in den Vordergrund. Die Anreise erfolgt in der Regel mit dem Auto oder dem Flugzeug.

Zusammenfassend kann festgestellt werden, dass dieser vielseitige Vortrag ein großer Gewinn für die Spezialisation war und wir wurden um viele aktuelle und nützliche Informationen reicher.

/Erika Banok/

Weitere Informationen über Österreich sind auf folgender Homepage zu finden: www.austria.info

Beitragsbild: Bregenzer Festspielhaus © Österreich Werbung, Fotograf: Popp Hackner