Arbeitsmöglichkeiten im ausländischen Gastgewerbe

Heutzutage wird es immer beliebter, sich im Ausland Arbeit zu suchen. Das ist kein Zufall. Die finanzielle Lage in Ungarn wird immer schwieriger. Die Arbeitslosigkeit wächst in großem Maße, leider können auch viele Jugendliche mit Diplom keine Arbeit finden. Ihnen bleibt nur die Möglichkeit, ins Ausland zu gehen und dort zu arbeiten. Natürlich gibt es auch viele Menschen, die wegen der Verbesserung ihrer Sprachkenntnisse diese Arbeiten übernehmen. Als Mitarbeiterin einer Personalvermittlungsfirma kenne ich dieses Thema sehr gut.

Ich bekomme immer eine Rückmeldung von meinen Kunden aus dem Ausland über die Arbeit, die wir ihnen vermittelt haben, und über die Verhältnisse an ihrem Arbeitsplatz (z.B. wie sie als Ungarn behandelt werden).

  • Wichtigkeit der Sprachkenntnisse

Germanisten haben sehr gute Berufschancen in Österreich oder Deutschland, da sie gut Deutsch sprechen können, und das ist das Wichtigste. An vielen Arbeitsplätzen im Gastgewerbe sagt der Arbeitgeber, dass es reicht, wenn man gut Deutsch sprechen kann, dann wird man angelernt. Wenn man einen guten Arbeitsplatz haben möchte mit Unterkunft und Verpflegung, ist es empfehlenswert, im Gastgewerbe zu arbeiten. In diesem Bereich stellt der Arbeitgeber immer eine Wohnung oder ein Zimmer kostenlos zur Verfügung. Das Gehalt liegt für einen ungarischen Mitarbeiter etwa bei 900-1400 Euro netto (pro Monat). Es gibt Menschen, die ohne Sprachkenntnisse im Gastgewerbe eine Arbeit bekommen möchten, aber die Sprache ist hier unentbehrlich.

külföldi munkaEs ist eine falsche Vorstellung, dass sie denken, dass sie dort während der Arbeit die Sprache lernen werden, denn so einfach geht es nicht. In den Hotels und Restaurants gibt es während der Saison viele Gäste, deshalb muss man sehr schnell arbeiten, es gibt viel Stress. Wenn der Arbeiter mit wenigen Sprachkenntnissen die Anweisungen des Leiters nicht versteht, wird das zu großen Konflikten führen.

  • Berufschancen für Ungarn und wie man im Ausland behandelt wird

Ungarn haben in folgenden Positionen gute Chancen, eine Arbeit zu bekommen: Koch, Kellner, Zimmermädchen, Küchenhilfe oder Spüler. nyelvtudWenn man über gute Sprachkenntnisse verfügt und etwas Berufserfahrung mitbringt, wird man gut behandelt. Diese Personen können sehr gut verdienen und werden von ihrem Arbeitgeber geschätzt. Unsere Kunden berichteten schon davon, dass, wenn sie unter der Woche gut arbeiten, sie am Wochenende einen Wellnessabend als Belohnung bekommen (um nur ein Beispiel zu nennen). Das Alter kann auch wichtig sein. Die Erfahrungen zeigen, dass jüngere Personen bessere Chancen haben. Die Arbeitgeber denken, dass sie belastbarer, dynamischer sind als ältere Menschen (die meistens über 45 sind), deshalb beschäftigen sie lieber jüngere Kandidaten. Es gibt viele Studierende, die im Sommer im Ausland arbeiten möchten. Sie haben dafür im Allgemeinen zwei Monate (Juli, August) frei zwischen den Semestern. Für sie ist es ein bisschen schwieriger, einen guten Job zu bekommen, da Arbeitgeber im Allgemeinen für 5-6 Monate Mitarbeiter suchen. Aber es gibt Arbeitgeber, die gern Studierende beschäftigen, weil sie ihnen weniger zahlen müssen, sie können sie als Schülerarbeiter anmelden. Dieses Gehalt liegt netto etwa bei 1000 Euro, was für einen Studenten sehr gut ist. Diese Studierenden können Arbeiten bekommen, wo man angelernt werden kann (Spüler, Küchenhilfe, Eisverkäufer).

  • Das Verhältnis von Ungarn untereinander an einem ausländischen Arbeitsplatz

Zu diesen Fragen haben wir leider eher schlechte Erfahrungen gemacht. Nach diesen Erfahrungen kann man zwischen Ungarn an einem Arbeitsplatz im Ausland einen Wettstreit beobachten. Diese Personen sehen einander als Konkurrenz. Das Verhältnis zwischen ihnen ist sehr gespannt. Sie helfen einander nicht. Dafür kann der Grund sein: Die Personen, die im Ausland arbeiten, können nur selten nach Hause fahren (im Allgemeinen etwa nach 5-6 Monaten). Sie vermissen ihre Familie, sie fühlen sich allein und sie sind deswegen sehr gestresst. Aber es kann auch ein Grund sein, dass sie mehr Geld verdienen möchten oder um ihren Arbeitsplatz besorgt sind, was dann zu Auseinandersetzungen führt.

  • Wie man die Gefahren vermeiden kann

Wenn man eine Arbeit im Ausland sucht und eine sympathische Stelle findet (z.B im Internet), muss man sehr vorsichtig sein. Im Internet gibt es leider viele unseriöse Anbieter, die über die Informationen der Arbeit lügen, falsche Informationen angeben.

Manchmal existiert die angebotene Arbeit gar nicht. Man fährt zu dem angegebenen Ort und findet dort weder Arbeit noch Unterkunft. Sehr wichtig ist, dass man, wenn man von einem eventuellen Arbeitgeber ausgewählt wird, den Arbeitgeber immer um ein offizielles Dokument bittet. Es muss vorher geschickt werden, noch vor der Anreise. Es kann der Vertrag sein oder eine offizielle Einstellungszusage mit dem Stempel und der Unterschrift des Arbeitgebers, die alle wichtigen Informationen über die Arbeit enthält. (Gehalt, Arbeitszeit, Unterkunft, Verpflegung usw…) Man kann sich dann darauf beziehen, wenn der Arbeitgeber etwas nicht einhält. Es kann vorteilhaft sein, durch eine Vermittlungsfirma eine Arbeit zu bekommen, weil dann alles schriftlich und offiziell festgelegt wird und man den Vertrag vorher bekommt. Es kann auch eine große Hilfe sein, dass besprochen wird, wann der Arbeitnehmer im Ausland ankommt, wer auf ihn am Bahnhof warten wird. Man weiß immer vorher, wo man wohnen wird. Dadurch, dass man Unterkunft und Verpflegung kostenlos bekommt, kann man sehr viel Geld sparen.

Also: Traut Euch!

/ Bettina Bagoly /

Leipziger Buchmesse

In diesem Jahr fand vom 14. bis zum 17. März die Leipziger Buchmesse statt. In Leipzig debütierten mehr als hunderttausend Bücher und es trafen sich Verlage, Autor_innen, Übersetzer_innen mit einem interessierten Publikum, die sich für Bücher oder die Buchneuheiten begeistern. Mit den rund 168.000 Besuchern stellte die diesjährige Messe einen Besucherrekord auf.
horvath gezaAn diesem riesengroßenen Ereignis nahm auch Dr. Géza Horváth teil. Wir haben ihn über seine persönlichen Erlebnisse gefragt.

  • GeMa:
    Bitte erzählen Sie uns über die Leipziger Buchmesse 2013, wie Sie sie gesehen haben, wie sie verlaufen ist.

G. H.:
Ja, die Leipziger Buchmesse ist die zweitgrößte Buchmesse in Deutschland. Die größte ist die Frankfurter, die immer im Oktober stattfindet. Die Leipziger ist zwar kleiner als die Frankfurter Buchmesse, hinsichtlich des Niveaus steht sie dieser aber keineswegs nach.
Leipziger Buchmesse1Natürlich handelt es sich um eine internationale Buchmesse, auf der dieses Jahr auch Ungarn, die ungarische Literatur mit einem Messestand präsent war. Während dieser drei/vier Tage gab es fünf wichtige ungarische Programme, zum Teil auf dem Gelände der Buchmesse, das außerhalb der Stadt liegt. Die wichtigen Programme wurden am 14./15. März an den zwei wichtigsten Orten veranstaltet.

  • GeMa:
    Könnten Sie darüber sprechen, an welchen Kriterien es liegt, dass ein ungarisches Buch auf der Leipziger Buchmesse vorgestellt werden kann?

G. H.:
Ja, das ist eine sehr komplizierte Frage. Ich glaube, ein Grund ist die Frankfurter Buchmesse 1999, als Ungarn das Gastland war, und auch die internationale Bekanntheit von Imre Kertész. Seit den letzten Jahren ist Ungarn verhältnismäßig bekannt und dem deutschen Leserpublikum bekannt. Als Mittelpunkt würde ich besonders die großen zeitgenössischen Autoren nennen, die am bekanntesten in Deutschland sind: Imre Kertész, Péter Esterházy, Péter Nádas, und auch György Konrád. Und über sie hinaus gibt es noch einige Klassiker wie Sándor Márai und zum Teil auch Antal Szerb. Und immer mehr werden ungarische Autoren jüngerer Generationen, ganz junge Autoren, auch auf der deutschen Buchmesse willkommen geheißen.
Leipziger Buchmesse2Das Kuratorium der Hungarian Book Foundation und andere Vereine z. B. Balassi-Institut gehören zu den Veranstaltern und das Kuratorium entscheidet, welche Bücher, welche Autoren auf der Messe vorgestellt werden können. Das erste Programm war die Präsentation der Geschichte der Ungarischen Literatur. Es ist ein riesengroßes Projekt von Ernő Szabó-Kulcsár. Mehrere Verfasser haben daran gearbeitet, auch zwei Kollegen aus Szeged: Péter Ötvös und István Fried. Es ist kein chronologisches Werk, sondern eines, in dem die Geschichte der ungarischen Literatur in einem weiteren Kontext, poetologisch vorgestellt wird. Das war also die erste Buchpräsentation. Die zweite war: Das Universum von Jenő Rejtő. Diese Buchpräsentation fand in einem kleinen Theater (naTo), in einem literarischen Pub statt.
Es ist sehr gut angekommen.
Am nächsten Abend wurde in dem Neo-Rauch-Saal im Museum der Bildenden Künste in der Stadt Leipzig ein Kriminalroman von Szilárd Rubin präsentiert. Der Moderator war Jürgen Platt, der mich über Rubin gefragt hat. Der Schauspieler Christian Brückner las einige Teile vor. Es gab ein großes Publikum, etwa 100 interessierte Leser. Das war also der zweite Abend.

Leipziger Buchmesse3Am dritten Tag war die Vorstellung von zwei jüngeren Autoren. Die erste war Ildikó Noémi Nagy, eine ungarische junge Frau, die in den USA geboren ist und ein junger Mann namens Zsolt Koppány-Nagy, der aus Siebenbürgen (Rumänien) stammt. Es gab auch zwei Lesungen, zwei Präsentationen mit dem Schriftsteller György Spiró und István Szilágyi. Dieses Programm wurde vom ungarischen Balassi Institut organisiert.

Das CHB – Collegium Hungarikum Berlin – organisierte auch einige Veranstaltungen: mehrere mit Péter Esterházy und mit György Konrád. An dieser Geschichte ist interessant, dass der Moderator Péter Esterházy darüber fragte, wie es in Ungarn mit der „faschistischen Diktatur“ ist. Er hat gesagt, dass es hier überhaupt keine Diktatur gibt.

Also es war ganz interessant, dass er ihn nicht nach dem literarischen oder kulturellen Leben fragte, sondern nach der politischen Situation.

  • Gab es eine Zusammenarbeit zwischen den ungarischen Vertreter? Wenn ja, inwiefern arbeiteten sie zusammen?

Die ungarischen Vertreter haben sich manchmal gar nicht getroffen. Zum Beispiel ist György Spiró erst am Samstag gekommen und Péter Esterházy war am Samstag nicht mehr da. Es gab auch keinen Empfang für die Teilnehmer, wo sie sich hätten treffen können. Aber zwischen den ungarischen Veranstaltern gab es ein sehr gutes Teamwork. Alles war sehr gut vorbereitet und durchgeführt.

/ Bettina Bagoly, Lilla Sallay /