Erste Praktikantin am Institut für Germanistik

Autor: Edina Timea Szabó

Zeitung: 2016/1

Rubriken: Germanistik, Interviews

Seit dem Wintersemester 2011 wird an der Universität Wien das Masterstudium Austrian Studies – Cultures, Literatures, Languages (Österreichstudien – Kulturen, Literaturen, Sprachen) angeboten. Ziel des Studiengangs ist es, Österreich aus verschiedenen Perspektiven zu beleuchten und so den Österreich-Begriff im jeweiligen Kontext kritisch zu hinterfragen. Wer sich beim Auslandspraktikum für eine wissenschaftliche Assistenz bei einem Absolventen oder einer Absolventin des Franz Werfel-Programms entscheidet, wird von der Universität Wien bei der Bewerbung unterstützt und erhält ein Stipendium der OeAD-GmbH (Österreichische Austauschdienst-Gesellschaft mit beschränkter Haftung: www.oead.at). Katharina Schätz, eine Studentin des genannten Programms, hatte nun die Möglichkeit, im Rahmen dieses Stipendiums im September 2016 zwei Wochen in Szeged zu verbringen. Darüber hat das GeMa mit ihr gesprochen.

GeMa: Wie gefällt Ihnen Szeged und die Universität? Warum wollten Sie nach Ungarn fahren?
Katharina Schätz:
Szeged ist ein Jugendstil-Juwel, das mich sofort begeistert hat. Ich habe versucht, in Stadtspaziergängen möglichst viele Sehenswürdigkeiten zu besuchen. An der Universität hat mich besonders das gute Betreuungsverhältnis beeindruckt. In Wien ist Germanistik ein Massenstudium und Seminare mit 8–15 TeilnehmerInnen sind ein absoluter Wunschtraum. Das war aber nicht der Grund, weshalb ich Szeged ausgewählt habe. Freunde haben mir die Universität empfohlen und mich sehr unterstützt und da das Semester in Ungarn bereits im September beginnt, versäume ich in Wien keine Lehrveranstaltungen. Die starten dort nämlich erst im Oktober.

GeMa: Was waren Ihre Aufgaben hier? Welche Seminare oder Kurse haben Sie besucht?
KS:
Meine Aufgaben in Szeged waren sehr vielfältig. Beispielsweise habe ich an der grafischen Gestaltung des Herbst-Veranstaltungsprogramms mitgewirkt, kurze Texte verfasst, korrigiert und auch lektoriert und schließlich einen großen Bücherschrank sortiert. Natürlich habe ich auch mehrere Kurse besucht und wenn möglich auch mitgearbeitet, neben den Sprach- und Übersetzungsübungen ein Seminar zur Österreichischen Literatur der Zwischenkriegszeit, zur Moderne bzw. Postmoderne, die Landeskunde-Vorlesung und natürlich das GeMa-Seminar.

GeMa: Was waren Ihre Lieblingsprogramme oder Lieblingsaufgaben?
KS:
In Szeged habe ich Arthur Schnitzler für mich wiederentdeckt, der in meinem Wiener Studienplan eigentlich – wahrscheinlich durch Zufall – gar nicht vorkam. Darüber hinaus habe ich gelernt, was für eine große Herausforderung es ist, wissenschaftliche Publikationen zu lektorieren. Gleichzeitig hat es mir jedoch großen Spaß gemacht. Grafische Programmgestaltungen habe ich früher für Konzerte und auch damals schon sehr gern gemacht. Alles in allem habe ich den Abwechslungsreichtum geschätzt, da mir so nie langweilig wurde und ich in viele verschiedene Bereiche Einblicke erhalten habe; und genau das ist der Sinn des „Austrian Studies“-Studiengangs und auch dieses Praktikums.

GeMa: Haben Sie schon andere Universitäten in anderen Ländern besucht? Wenn ja, was mussten Sie dort machen?
KS:
Andere Universitäten außerhalb Österreichs habe ich noch nicht besucht. Neben dem Auslandspraktikum gehört jedoch auch ein Inlandspraktikum zu meinem Studium. Dieses habe ich am Ludwig Boltzmann Institut für Geschichte und Gesellschaft absolviert. Meine Aufgabe dort bestand darin, online – zum Beispiel über „anno“, das Zeitungsarchiv der Nationalbibliothek – zum Wiener Prater und zum Konzerthaus zwischen 1916 und 1921 zu recherchieren.

GeMa: Können Sie ein bisschen über die Universität Wien erzählen? Dabei denke ich an die Fächer, aber auch an die Menschen an der Uni.
KS:
Es ist wahrscheinlich die Offenheit, die ich an der Universität Wien am meisten schätze. Das Lehrveranstaltungsangebot ist sehr breit aufgestellt und die Studierenden haben bei der Auswahl auch relativ viele Freiheiten. Die Uni ist außerdem ein Ort der Begegnung von Menschen verschiedenster Kulturen, Ansichten und Altersklassen. Neben den 18- bis 22-Jährigen studieren auch einige berufsbegleitend und in vielen Lehrveranstaltungen finden sich auch interessierte PensionistInnen. Es wird anscheinend erfolgreich ein Gefühl dafür vermittelt, dass hier jede/r willkommen ist.

GeMa: Welche Pläne haben Sie für die Zukunft?
KS:
Derzeit arbeite ich als Standesbeamtin bei der Stadt Wien. Nach Abschluss meines Studiums werde ich mich vielleicht bei der Kulturabteilung der Stadt bewerben. Der in Wien relativ neue Masterstudiengang „Austrian Studies“ ist dabei mein Ass im Ärmel.

GeMa: Und meine letzte Frage: Würden Sie wieder nach Ungarn fahren, wenn Sie noch ein Praktikum dort machen könnten?
KS:
Ein Praktikum in Ungarn kann ich wirklich sehr empfehlen. Ich würde eine solche Gelegenheit sofort wieder ergreifen.

Vielen Dank für das Interview!

/Edina Timea Szabó/