Von Kollokationen und Interferenzen in der Sprache: Die Habilitationsvorträge von Zita Hollós

Zeitung: 2016/1

Rubrik: Germanistik

Regelmäßig berichtet GeMa über Gastvorträge, Konferenzen und Symposien des Instituts. Weniger häufig allerdings können wir von Vorträgen dieser besonderen Art berichten: Am 02. Mai 2016 hielt Frau Dr. Zita Hollós, Dozentin der Károli Gáspár Reformierten Universität  in Budapest, zwei Vorträge zur Erlangung des Habilitationsgrades.

Beide Vorträge erfolgten jeweils in deutscher Sprache und wurden abschließend auf Ungarisch zusammengefasst. Durchgehend anwesend war die gesamte Kommission, die den Fachvortrag im Anschluss mit 100% bewertete. Zu dieser gehörten: ihr Vorsitzender Prof. Dr. Sándor Albert vom Lehrstuhl für französische Sprache und Literatur der Universität Szeged, des weiteren Univ.-Doz Dr. habil. Roberta Rada vom Germanistischen Institut der Eötvös Loránd Universität Budapest, Univ.-Doz. Dr. habil. Zsuzsanna Gácsi-Iványi vom Institut für Germanistik der Universität Debrecen, Univ.-Doz. Dr. habil. Ewa Drewnowska-Vargáné vom Institut für Germanistik der Universität Szeged sowie Prof. Dr. Vilmos Bárdosi vom Institut für Romanistik der Eötvös Loránd Universität Budapest.

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Beim feierlichen Empfang nach der Ergebnisverkündung, v.l.n.r.: Vilmos Bárdosi, Zita Hollós, Roberta Rada, Zsuzsanna Gácsi-Iványi, Ewa Drewnowska-Vargáné

Den Auftakt machte der Vortrag mit dem Titel Meilensteine der europäischen digitalen Phraseographie, den Frau Hollós gezielt an Kolleginnen und Kollegen des Faches, sowie Interessierte richtete. Hierin legte die Vortragende einen Schwerpunkt auf die unterschiedliche Ausgestaltung ein-, zwei- und mehrsprachiger Wörterbücher im Internet.

Der Folgevortrag trug den Titel Lexikalische Interferenz, insbesondere bei Kollokationen und war gezielt an Studierende zu richten, da die letzteren im Anschluss an den Vortrag aufgefordert waren, auf einer Skala von 0-3 ihre Stimmen abzugeben. Bewerteten sie den Vortrag als gelungen, so war eine 3, wenn nicht, eine entsprechend geringere Note abzugeben. Die Stimmen der Studierenden, die fast ebenso hoch wie die der Kommission ausfielen, wurden dann im Prädikat der Habilitation berücksichtigt.

Wie man typische Verbindungen in der Sprache fasst

Zu den vorgestellten digitalen phraseologischen Nachschlagewerken zählte auch ihr eigenes zweisprachiges, 2014 erschienenes Kollokationswörterbuch KolleX, mit dessen theoretischem Entwurf sie sich bereits im Rahmen ihrer Dissertatonsschrift befasste. KolleX soll als Wörterbuch betrachtet werden, obwohl sich sein Titel aus Kollokationslexikon ableitet, sein voller Titel: KolleX. Deutsch-ungarisches KOLLokationsLEXikon. Korpusbasiertes Wörterbuch der Kollokationen. Deutsch als Fremdsprache.

Frau Hollós benutzt in ihrer Arbeit einen integrativen Kollokationsbegriff. Als Kollokationen zählen typische Kombinationen von Nominalverbindungen, die im Sprachgebrauch zwar mit einer auffälligen Üblichkeit, aber nur begrenzt kombinierbar auftreten, wie z. B. ’das Baby stillen’. Ein Teil der Phrase kann als Kollokator (hier: stillen), der andere als Basis (hier: Baby) bezeichnet werden. Semantisch werden Kollokationen weiterhin als nicht- oder schwach-idiomatisch bezeichnet, da die wortwörtliche Bedeutung von Idiomen, wie z. B. ’Öl ins Feuer gießen’ (einen Streit verschärfen), nicht mehr oder nur noch teilweise erhalten ist.

Zu einigen der anderen Analysegegenstände zählen das viersprachige (deutsch-slowenisch-slowakisch-ungarische) EPHRAS, das mit seiner bunten Ausgestaltung in erster Linie didaktische Ziele verfolge, oder das einsprachige korpus-gesteuerte Online-Wortschatz-Informationssystem Deutsch (kurz: OWID), das von allen von Frau Hollós untersuchten Wörterbüchern die am schönsten ausgestaltete, d.h. benutzerfreundliche und übersichtliche Darstellung biete.

 „Je größer das Korpus, desto besser”

Während der Vorträge wie in den Diskussionen wurden Konzepte und Anwendungsbeispiele näher erläutert. So hat Frau Hollós sich etwa dazu entschieden, Interferenzerscheinungen zu markieren und das Wörterbuch damit deutlich lernerorientiert zu gestalten. Als Interferenz werden solche Fehler angesehen, die bei der Sprachproduktion durch Übertragung von einer Sprache auf die andere entstehen. Zwar kann das Fremdsprachenlernen auch zu Fehlern in der Muttersprache führen, im KolleX werden jedoch nur Fehlübertragungen aus der Mutter- in die Fremdsprache markiert.
Je nach lexikalischer, morphologischer, semantischer und phonologischer Ebene treten andersartige Fehler auf, aber auch nach der Art der Abweichung können verschiedene Interferenztypen festgestellt werden: Substitution (nagy forgalom – *groß Verkehr), Überdifferenzierung (szeretet vs. szerelem – die beide mit Liebe übersetzt werden können), Unterdifferenzierung (megygehen/fahren/fliegen) und Über- oder Unterrepräsentation bei zu geringerer Kenntnis der fremdsprachlichen Strukturen (állatkertnél lévő torony – *am Zoo stehender Turm).

Um letztlich ein brauchbares Nachschlagewerk zu gestalten, folgte Frau Hollós dem Leitsatz: Je größer das Korpus, desto besser. Dabei arbeitete sie freilich nicht allein. So sei das Wörterbuch in enger Zusammenarbeit mit anderen Fachkräften und Muttersprachlern entstanden und folge nicht einem rein korpusbasierten Ansatz, aber auch moderne ein- und zweisprachige allgemeine und Spezialwörterbücher kamen zum Einsatz. Damit lässt sich KolleX gezielt als Hilfsmittel zu einer grammatikalisch korrekten Sprachproduktion einsetzen. Das Zertifikat Deutsch liefere dabei eine Orientierung für den enthaltenen Wortschatz.

Wir dürfen auf Frau Hollós weiteren Forschungen gespannt sein und wünschen ihr dafür gutes Gelingen!

 

/Redaktionsgruppe/