In der Fremde

Zeitung: 2012/2

Rubrik: Gesellschaft

Erfahrungen und Eindrücke im Ausland

Die Ferne zog schon immer die Abenteuerlustigen an. Das ist auch heute noch so. Aber es gibt viele Gründe, weshalb die Menschen ihre Heimat hinter sich lassen und ein neues Leben in der Fremde wagen. Manche haben keine andere Wahl, andere hingegen kehren nach kürzerer oder längerer Zeit wieder heim.
Aber wie ist es ihnen ergangen? Was haben sie alles erlebt? Haben sie etwas vermisst? Wie hat die Fremde sie empfangen? Waren sie dort auch zu Hause?

Drei Geschichten
Drei Mädchen erzählen von drei Ländern, drei Erfahrungen und einem einzigartigen Erlebnis!
Eine von ihnen hat ein vierwöchiges Medizin-Praktikum in Polen gemacht, die Zweite war für ein Jahr in Deutschland als Betreuerin für Behinderte, und die Dritte war für drei Wochen in England und hat dort eine Sprachschule besucht und bei einer englischen Familie gewohnt. In der Zeit, die sie im Ausland verbrachten, bekamen sie viel von der Kultur, den Gewohnheiten und den Eigenschaften des „Gastlandes” mit.
Die Polen sind sehr freundlich den Ungarn gegenüber, das liegt auch daran, dass es viele Gemeinsamkeiten in der Geschichte der beiden Länder gibt. Außerdem beschäftigen sie sich viel mit der Vergangenheit z.B. dem Kommunismus und dem zweiten Weltkrieg. Auch in den Gesten gibt es viele Ähnlichkeiten.
Mit den Deutschen hingegen war es anfangs ziemlich schwierig, weil sie mehr Distanz halten und deshalb eine engere Intimsphäre haben. Wenn man z.B. eine Frage hat, geht man nicht in das „fremde” Zimmer, sondern man bleibt in der Tür stehen. Aber sie waren sehr tolerant, was die Ausländer betrifft, das liegt wohl auch daran, dass es im Land viele Türken gibt.
Die Engländer sind sehr offen, da im Land viele Einwanderer leben. Sie sind deshalb an Fremde und deren Kulturen gewöhnt. Ihnen ist jedoch nicht immer die geographische Lage des jeweiligen Landes bekannt. Viele Briten wussten überhaupt nichts über Ungarn und sagten statt „Hungary” immer „hungry”.
Als die Menschen in Polen hörten, dass die Praktikantin aus Ungarn kam, wussten alle, wo Ungarn liegt, kannten ungarische Wörter und Spezialitäten wie pálinka oder Tokajer Wein und wussten, dass die Hauptstadt Budapest heißt und dass der Balaton ein großer See ist. Die Leute in der Straßenbahn sagten, wie schön doch die ungarische Sprache sei, andere wussten Einzelheiten über die aktuelle politische Lage.
In Deutschland wusste die Mehrheit auch, wo Ungarn liegt, manche konnten sogar noch einige Anekdoten über das Land erzählen, und es gab auch welche, die schon mal in Budapest waren. Sie kannten Wörter wie z.B. puszta, Tokajer Wein und die Begrüßung „szia”.
In England hatten die meisten keine Ahnung von dem Land, dabei liegt es auch in Europa. Einige in der Sprachschule kannten die Donau oder Budapest. In Ungarn selbst war nur einer der Sprachlehrer einmal gewesen. Er wusste ein bisschen mehr, hatte aber auch Geschichte studiert. Für die Mehrheit blieb Ungarn aber einfach nur „hungry”.

„Typisch ungarisch”
Die Mädchen äußerten sich nicht nur über die fremden Länder, sondern sagten auch ihre Meinung über Ungarn und die Ungarn und Ungarinnen. Denn durch ihre Erfahrungen sehen sie ihr Heimatland mit anderen Augen.
Viele von ihnen haben leider zu wenig Selbstvertrauen und deshalb sind sie oft pessimistisch. Sie sind aber auch gastfreundlich, offen und meistens gut gelaunt. Die meisten europäischen Länder wissen nicht so viel über Ungarn, deshalb interessieren sie sich auch nicht so viel für die Kultur oder die Geschichte des Landes. Die Sprache zählt aber in Europa als einzigartig.

„So sind die Polen … Deutschen … Engländer …”
In Polen ist aufgefallen, dass fast alle den Spruch über die ungarisch-polnische Freundschaft1 kannten.
In Deutschland war eine der wichtigsten Fragen: „Sind Sie Vegetarier?” Außerdem ist es typisch für die Deutschen, dass alles gut organisiert und gut ausgeschildert ist.
In England gibt es in den Familien „nur” schwarzen Tee mit Milch. In der Stadt sind die Einkaufs-Center immer voll, die Leute kaufen jede Menge. Und noch eine sehr wichtige Information: In England braucht man nicht auf das Grün bei der Ampel zu warten. Denn alle Menschen, egal ob Groß oder Klein, Jung oder Alt, alle laufen bei Rot über die Straße … Wenn man als Ausländer nicht auffallen will, läuft man einfach mit.

Man sollte sich also anpassen können, wenn man in einem fremden Land leben will, denn nur so kann man sich dort zuhause fühlen. Es ist aber auch wichtig, seine eigene Kultur und Sprache zu behalten, weil man nur so seine eigene Identität bewahren und dadurch finden kann.
Egal, wo man auf der Welt ist, man soll immer ein Zuhause haben. Irgendwo.

Julianna Elisabeth Csiszár