Déjá vu oder etwas anderes?

Zeitung: 2012/2

Rubrik: Freizeit

Fenster zum Sommer

Quelle: ofdb.de

Quelle: ofdb.de

Eine zweite Chance im Leben, die Möglichkeit, etwas oder alles besser zu machen – wünschen wir uns das nicht alle? Aber lässt sich das Schicksal verändern?
Es ist Sommer. Ein frisch verliebtes Paar, Juliane (Nina Hoss) und August (Mark Waschke) fahren nach Finnland in den Urlaub. Die Frau schläft am Abend an der Schulter des Geliebten ein. Juliane erinnert sich an ihre Freundin Emily (Fritzi Haberlandt), die das Opfer eines Verkehrunfalls wurde. Am nächsten Morgen wacht Juliane aber nicht in Finnland auf, sondern im winterlichen Berlin.

Juliane ist ein halbes Jahr in der Zeit zurückgereist, in eine Zeit, in der sie noch mit ihrem Ex-Freund Philipp (Lars Eidinger) zusammen ist und ihre Freundin Emily noch lebt. Sie muss alles wieder erleben, aber nur sie.

Wenn du dein Schicksal ändern könntest, was würdest du tun? Würdest du alles lassen, wie es war, wie du es schon einmal gemacht hast? Oder würdest du neu beginnen und alles ganz anders machen? Juliane beginnt sich auch zu fragen, ob sie die Dinge, die passieren werden, ändern kann.

Um ihren geliebten Freund August zu treffen, will sie alles wieder so machen wie zuvor, aber sie will auch den Tod ihrer Freundin verhindern. Juliane macht jeden Tag ein Kreuz in ihren Kalender und erwartet voller Hoffnung den Tag im Mai, an dem sie August in einem Café trifft.

Der Film „Fenster zum Sommer” geht der Frage nach, ob es denn so etwas wie Schicksal oder Bestimmung gibt. Soll man kämpfen oder sich alles gefallen lassen? Entsteht Liebe durch Zufall oder ist sie schicksalhaft?

In einem Interview hat Nina Hoss auf die Frage „Wie hast du dir erklärt, was Juliane passiert?” geantwortet:

„Ich habe das einfach als Fakt akzeptiert. Und ich glaube, das war als Schauspielerin meine einzige Möglichkeit, alles andere muss der Zuschauer sich zusammenbasteln. Denn wenn ich mich nicht in die gleiche Situation wie meine Figur versetze, dann verliere ich alles aus den Augen, vor allem die Glaubwürdigkeit. In einer Filmszene sagt Juliane zu dem kleinen Jungen, dass man manches eben nicht mit dem Verstand erklären kann, sondern sich auf sein Gefühl verlassen muss.”

Henrik Handloegtens Film basiert auf dem Roman der österreichischen Schriftstellerin Hannelore Valencak, der im Jahr 1977 erschien.

„Es gibt einen gleichnamigen Roman von Hannelore Valencak, der sich mit der Emanzipation von Frauen auseinandersetzt. Bei der Adaption ins Heute blieb eigentlich nur die Grundkonstellation übrig: dass eine Frau einen Abschnitt ihres Lebens, den sie schon hinter sich gelassen hat, noch einmal mit einem anderen Bewusstsein erleben muss.” (Hendrik Handloegten)

Der Film gewann drei Nominierungen für den Deutschen Filmpreis im Jahr 2012: in den Kategorien Beste Kamera/ Bildgestaltung für Peter Przybylski, Beste Filmmusik für Timo Hietala und Beste darstellerische Leistung in einer weiblichen Nebenrolle für Fritzi Haberlandt.

Das Thema des Films finde ich sehr interessant und es lohnt sich allein, ihn wegen der wunderschönen finnischen Lieder anzuschauen, die auf dem Sound der Kantele basieren, einem original finnischen Musikinstrument.

Bianka Csuha