„Das Wort ernst nehmen“

Zeitung: 2012/2

Rubrik: Germanistik

Prof. Hans-Werner Eroms über die Valenztheorie

Am 24. April 2012 hielt Prof. Hans-Werner Eroms im Gebäude der Ungarischen Akademie der Wissenschaften (SZAB Székház), organisiert vom Lehrstuhl für Germanistische Linguistik, einen Gastvortrag mit dem Titel Konstruktionsgrammatik und Valenztheorie im Vergleich.

Um 18 Uhr begrüßte Prof. Péter Bassola vom Lehrstuhl für Germanistische Linguistik die Teilnehmenden, stellte Herrn Prof. Eroms vor, der schon vor drei Jahren einmal als Gastprofessor in Szeged war. Der Sprachwissenschaftler beschäftigt sich mit Sprachgeschichte, Textlinguistik, Varietätenlinguistik, aber in erster Linie mit Syntax und insbesondere mit der Valenz, über die er schon mehrere Bücher veröffentlichte. Als Anerkennung seiner sprachwissenschaftlichen Forschungen wurde Herr Prof. Eroms 2002 mit dem Konrad-Duden-Preis ausgezeichnet.

Denjenigen, die sich schon einmal ein wenig mit Sprachwissenschaft und Syntax beschäftigten oder sich dafür interessieren, ist klar – oder es müsste ihnen zumindest klar sein -, wenn sie den oben genannten Titel hören, dass es hier um zwei grammatische Theorien bzw. Modelle geht, in deren Mittelpunkt der Satzbau steht. Man kann nicht eindeutig sagen, dass das eine Modell besser ist als das andere, oder dass es sogar nur ein richtiges gibt; einige Wissenschaftler präferieren die Konstruktionsgrammatik und einige eher die Valenzgrammatik. Herr Prof. Eroms gehört zu den letzteren. In seinem Vortrag versuchte der Professor von der Universität Passau die beiden erwähnten Theorien nach verschiedenen Aspekten miteinander zu vergleichen und in einer Stunde grob darzustellen (denn detailliert sei das in so kurzer Zeit auch seiner Meinung nach unmöglich), welche Vorteile die Valenzgrammatik in einer syntaktischen Analyse im Gegensatz zu der Konstruktionsgrammatik haben kann. Und nach einer Reihe von Beispielen erklärte er, dass der wichtigste Punkt, in dem die Valenz besser sei als die Konstruktionsgrammatik oder andere Theorien, sei der, dass die Valenz im Gegensatz zu den anderen das Wort ernst nehme. Nach der Valenztheorie sei jedes Verb nämlich ein eigenständiges, von anderen Verben unterschiedenes Konzept der Erfassung der Wirklichkeit, das in sich die geschichtliche Entwicklung mittrage und sie in den Satz einbringe.

Szabolcs Nuszpl