Tokio Hotel vs. Goethe. Ein Vortrag von Bastian Sick

Autoren: Csilla Pacal, Tímea Árpás

Zeitung: 2012/1

Rubrik: Germanistik

Am 23. September 2011 ist Bastian Sick innerhalb seiner Tournee nach Szeged gekommen und hat unsere Universität besucht. Er ist ein deutscher Journalist, Lektor und Übersetzer, der als Autor der sprachkritischen Kolumne Zwiebel-fisch (Spiegel Online) bekannt wurde. Daneben ist er auch Verfasser der Buchreihe Der Dativ ist dem Genitiv sein Tod.

Am Anfang seines Vortrags im prall gefüllten Saal erzählte Bastian Sick, dass sein Publikum zumeist aus Studierenden besteht, wie dieses Mal auch. Die Frage „Was möchtest du werden, wenn du einmal groß bist?“ ist also auch dem Publikum bekannt. Seine Antwort war immer: „Schriftsteller, Schauspieler, Fernsehpräsentator einer eigenen Show“. Er ist aber auf dem Land aufgewachsen, und dort gab es weder eine Schauspielschule noch ähnliche Möglichkeiten. Andererseits ist nicht nur der Wohnort wichtig, sondern auch „das Geschlecht, die Herkunft, die Schulbildung und  nicht zu vergessen: der Name. Stellen Sie sich vor, wenn ich mit meinem Namen in England als Arzt praktizieren würde! Dr. Bastian Sick…“ Er hat noch ähnliche Beispiele gebracht: Dr. Rüdiger Qual – Zahnarzt, Dr. Gernot von Hinüber – Pathologe, Anita Pickel – Kosmetikerin usw. Im Ungarischen können wir auch ähnliche Beispiele finden wie z.B. Dr. Mészáros István sebész, Varjú Mátyás ornitológus.

Der nächste Punkt seines Vortrags befasste sich mit der Frage, warum die deutsche Sprache in der Welt unbeliebt sei. Seine Erfahrung ist nämlich, dass diese Sprache aus bestimmten Gründen unsympathisch ist. Er hat einige wahrscheinliche Gründe dafür aufgezählt: Deutsch habe keinen schönen Klang, sei nicht so temperamentvoll wie z.B. das Italienische, sei nicht so attraktiv wie das Englische usw. Danach hat er einige Argumente für das Deutschlernen genannt: „Erstens: damit man die Texte von Tokio Hotel versteht und ohne Fehler mitsingen kann. Zweitens: damit man Bill Kaulitz einen Liebesbrief schreiben kann.“ Wenn wir Deutsch sprechen, können wir Goethe im Original lesen und die langen, mehrfach zusammengesetzten Wörter verwenden usw. Seiner Meinung nach sollte man mindestens wegen dieser Argumente Deutsch lernen.

Im dritten Teil des Vortrags hat sich Bastian Sick mit den bestimmten Artikeln und mit ihrer in bestimmten Fällen unlogischen Benutzung beschäftigt. DAS oder DIE Nutella ist dafür ein perfektes Beispiel. Wenn Nutella als Produktname betrachtet wird, wird Nutella
sächlich. Wenn Nutella aber das Wort „Haselnusscreme“ ersetzt, sollte der Artikel DIE verwendet werden. Diese Frage könne zu Debatten führen, die in ihrer Ernsthaftigkeit sogar Beziehungen gefährden könnten. Eine schwierige Sache, aber es gibt viele solcher Fälle im Deutschen.

Das nächste Thema war der Apostroph. Dieses ‚ausländische Produkt‘ wird sehr gern verwendet, aber meistens falsch. Bastian Sick hat das mit einigen Beispielen illustriert: rechts’, links’, Lexika’s, Sonntag’s, Thomas’s, Nudel’n usw.

Am Ende des Vortrags präsentierte Bastian Sick sein neues Buch Wie gut ist Ihr Deutsch? Einige Beispiele aus dem Buch: „Wie schreibt man das englische Wort ‚e-mail’ richtig auf Deutsch? a) email b) Email c) e-Mail d) EMail e) E- Mail f) e-mail“. Oder: „Welche Form ist richtig: Wir haben gewinkt oder gewunken?“ Er sagte, dass wir vor solchen Fragen nicht erschrecken sollen, weil auch Muttersprachlerinnen und Muttersprachler oft banale Fehler machen. Dazu gab er auch Beispiele: James Bonn, Cornfakes, Wasser ohne H2O, eine Ananas – zwei Ananässer.
Das Publikum bedankte sich mit viel Applaus für den interessanten Vortrag.

/Tímea Árpás, Csilla Pacal/