Deutsch-amerikanische Beziehungen

Zeitung: 2011/2

Rubrik: Gesellschaft

Wenn man die deutsche Gesellschaft von heute betrachtet, wird einem schnell klar, dass sich etwas verändert hat. Anglizismen in der Sprache, Coca Cola, Starbucks, Dunkin’ Donuts, McDonald’s und viele andere internationale Unternehmen sind in Deutschland vor allem bei Teenagern populär. Dank der Medien verstärkt sich dieser Prozess immer mehr.

Doch wie waren die Beziehungen zwischen Deutschland und den USA früher? Dazu muss der geschichtliche Hintergrund betrachtet werden. Während des zweiten Weltkrieges wurde Deutschland in vier Besatzungszonen aufgeteilt. Die russischen, französischen, britischen und amerikanischen Soldaten sicherten die Ruhe in den deutschen Regionen. Am extremsten konnte man diese Atmosphäre in der Hauptstadt Berlin spüren.

Die Ost-West-Konfrontation führte dazu, dass Deutschland finanzielle Hilfe brauchte. Die Vereinigten Staaten von Amerika boten der BRD diese in Form des Marshall-Plans an. Er wurde angenommen. In der Zeit von J. F. Kennedy wurde ein Abkommen zwischen der BRD und den USA in politischen und militärischen Fragen ratifiziert. Der junge Präsident Kennedy stand der BRD wohlwollend gegenüber. Sein berühmter Satz  „Ich bin ein Berliner“ stammt aus einer seiner bekanntesten Reden. Dieser Satz hat damals viele beeindruckt und ist auch heutzutage ein Slogan geblieben.Was verbindet Europa und die USA? Gibt es eventuelle Bewertungsunterschiede zwischen den beiden Kontinenten? Diese Fragen tauchten auf, als die Irak-Politik der USA aktuell war. Die Vereinigten Staaten von Amerika brauchten militärische Unterstützung – auch aus Deutschland. Das Ergebnis war aber nicht unbedingt so, wie man es erwartet hätte:

Es wurden moralische Fragen gestellt und Deutschland wollte keinesfalls einen schlechten Ruf in Europa, bzw. in der Welt haben. Politiker beteuerten die Neutralität Deutschlands, obwohl Gerüchte in den Medien auftauchten von ehemaligen deutschen Elitesoldaten und Agenten im Irak als US-amerikanische Informationsquelle. Die Bevölkerung ihrerseits war schockiert, niemand wollte seine Kinder in einem Sarg aus dem Irak zurückkehren sehen.

Deutschland möchte eher die Demokratisierung Iraks und die politische Vielfalt fördern. Es sind verschiedene politische Stiftungen im Irak, die von Deutschland finanziert werden. Man entschied sich gegen Militäreinsätze. Das Vertrauen Deutschlands zu den USA war schwächer geworden. Die deutsche Öffentlichkeit hatte eine negative Wahrnehmung von George W. Bush.

Man sieht, dass die Beziehung zwischen den USA und West-Europa, bzw. Deutschland lockerer wurde, sie haben sich auseinander gelebt. Die Frage, ob noch eine zukünftige Kooperation möglich wäre, stellt sich. Fing diese Auseinandersetzung durch den Irakkrieg an oder war sie nur das Resultat einer politischen Polarisierung? Als Schlussfolgerung kann man sagen, dass die Beziehungen zwischen Deutschland und Amerika nicht mehr so eng sind wie früher, obwohl die Bevölkerung durch die Medien immer wieder – mal zur einen, mal zur anderen Seite – beeinflusst wird.

„Ich bin ein Berliner“ wird nicht mehr von amerikanischen Präsidenten gesagt, nur noch Touristen trauen sich diesen Satz zu. Dabei muss man leider hinzufügen, dass sich die jüngeren Menschen fragen, was die Bedeutung des Satzes sei. Sie denken nicht mehr an die Solidarität der Vergangenheit, sondern vielmehr an das Gebäck, den „Berliner“ Pfannkuchen, und verstehen nicht, warum

Kennedy sich als „doughnut” identifiziert hat. Das zeigt viel über die Jugend und die sozialen Veränderungen.

Mir als ungarischer Studentin in Berlin persönlich gefällt dieser Mangel an Wissen von Jugendlichen nicht so sehr. Als permanente Touristin (Auslandsstudentin) habe ich mir etwas Sensationelles vorgestellt und dachte, dass die spektakuläre Vergangenheit in Berlin zu spüren ist. Ich muss gestehen, dass ich damit einen Fehler begangen habe, wie viele andere Touristen. Mit Toleranz musste ich auch verstehen, dass sich die Zeiten ändern. Berlin besitzt zwar eine wunderbare Vergangenheit, man muss aber Schritt halten mit der Gegenwart und die „changing times“ im Auge behalten.

/Edina Romsics/